Laut dem aktuellen TÜV-Report haben schwere Lkw größer 18 Tonnen mit 21,8 Prozent die höchste Mängelquote der verschiedenen Gewichtsklassen. Bild: Georg Blenk
TÜV-Report Nfz 2026

Jedes fünfte Nutzfahrzeug mit teils gefährlichen Mängeln, Antriebswende kommt voran

Gut jedes fünfte Nutzfahrzeug (20,3 Prozent) ist in den vergangenen zwei Jahren mit „erheblichen“ oder „gefährlichen Mängeln“ bei der Hauptuntersuchung (HU) durchgefallen. Das ist ein Ergebnis des „TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026“.

Im Vergleich zum Vorjahresreport ist die Mängelquote dabei leicht um 0,1 Prozentpunkt gesunken. Grundlage des Reports ist eine Auswertung von rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen von leichten Transportern bis zu schweren Lkw in den Jahren 2024 und 2025, die von den TÜV-Organisationen durchgeführt wurden.

Schwere Lkw mit höchster Mängelquote

Laut dem aktuellen Report haben schwere Lkw größer 18 Tonnen mit 21,8 Prozent die höchste Mängelquote der verschiedenen Gewichtsklassen (Vorjahr: 21,9 Prozent). Die Mängelquoten steigen mit dem Alter an und erreichen bei den Schwergewichten 28,5 Prozent bei 10 Jahre alten Fahrzeugen. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) liegt das Durchschnittsalter von Nutzfahrzeugen aktuell bei 8,9 Jahren, ein Jahr mehr als noch vor zehn Jahren. Es folgen die leichten Transporter bis 3,5 Tonnen mit einer Mängelquote von 21,5 Prozent (Vorjahr: 21,5 Prozent).
Leicht unter dem Durchschnitt liegen Nutzfahrzeuge mit einem Gewicht von 3,5 bis 7,5 Tonnen. Bei 19,8 Prozent der Fahrzeuge sind erhebliche Mängel festgestellt worden (Vorjahr: 20,0 Prozent). Am besten schneiden mittelschwere Lkw (7,5 bis 18 Tonnen) mit einer Mängelquote von 16,3 Prozent ab (Vorjahr: 16,5 Prozent).

Elektro-Transporter mit guten und schlechten HU-Ergebnissen

Erstmals sind drei Elektro-Transporter in der Klasse bis 3,5 Tonnen im TÜV-Report Nutzfahrzeuge vertreten. Der Peugeot E-Expert belegt im Ranking der 1 bis 2 Jahre alten Fahrzeuge mit einer Mängelquote von 8,4 Prozent einen guten fünften Platz. Dagegen erreicht der Mercedes E-Vito mit 19,7 Prozent nur den vorletzten Platz unter 27 Transportern. Auffällig sind bei diesem Modell vor allem überdurchschnittlich viele Mängel an der Feststellbremse, den Antriebswellen und am Abblendlicht. Im Ranking der 3 bis 4 Jahre alten Fahrzeuge bildet der Streetscooter (B14/B16) mit 26,4 Prozent Mängelquote das Schlusslicht. Der einst als Pionier der Antriebswende gestartete Streetscooter wird inzwischen nicht mehr produziert. Bei der HU ziehen sich hohe Mängelwerte durch alle Komponenten wie Bremsen, Fahrwerk und Licht.

Erster Transporter aus chinesischer Produktion wird mit Abstand Schlusslicht

Mit dem Maxus Deliver 9 des Automobilkonzerns SAIC Motors ist zum ersten Mal auch ein Transporter eines chinesischen Herstellers in der Auswertung. Gut jeder dritte (33,6 Prozent) der 1 bis 2 Jahre alte Deliver 9 fällt bei der Hauptuntersuchung durch. Besonders sicherheitskritisch sind laut TÜV-Verband die überdurchschnittlich häufig auftretenden Mängel an der Bremsanlage. Deutlich über dem Schnitt liegen auch Beanstandungen bei der Abgasuntersuchung. Der Großteil der Mängel entfällt aber auf die Beleuchtung. Das Fahrwerk ist bei der HU unauffällig.
Typische Schwachstellen bei der HU von Nutzfahrzeugen sind Ölfeuchte und Ölverlust, die mit dem Alter der Fahrzeuge zunehmen. 5,2 Prozent der fünf Jahre alten Fahrzeuge und 8 Prozent der zehnjährigen werden beanstandet. Besonders häufig werden Mängel an der Beleuchtung beanstandet. Die Mängelquote der hinteren Beleuchtung liegt nach fünf Jahren bei 6,7 Prozent und nach zehn Jahren 11,3 Prozent. Ein ähnlicher Alterseffekt zeigt sich auch am Fahrwerk bei den Achsaufhängungen. Die Mängelquote erhöht sich von 1,5 Prozent bei fünfjährigen Fahrzeugen auf 5,0 Prozent bei zehnjährigen.

Antriebswende kommt bei Nutzfahrzeugen voran

Laut KBA-Angaben ist der Nutzfahrzeugbestand in Deutschland zum 1.1.2026 wieder leicht um 1,8 Prozent auf 3,9 Millionen gestiegen. Im Vergleich zum Jahr 2017 liegt der Anstieg sogar bei 34 Prozent. Das Wachstum geht zu großen Teilen auf leichte Nutzfahrzeuge zurück, die mit dem steigenden Bedarf im Liefer- und Paketverkehr zulegen. Aber auch der Bestand der mittleren und schweren Lkw größer 7,5 Tonnen wächst in diesem Zeitraum um 6 Prozent.
Von Januar bis Juli 2026 lag der Anteil reiner Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen bei 13 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 8,7 Prozent.
Ein neues Förderprogramm des Verkehrsministeriums stellt eine Milliarde Euro zur Verfügung, um die Ausrüstung von Fuhrparkdepots und Megawatt-Ladern an Raststätten zu beschleunigen. Ein regulatorisches Problem sind laut TÜV-Verband die Gewichts- und Achslastvorgaben für schwere Elektro-Lkw. Diese reichten in vielen Fällen nicht aus, um das Gewicht der Antriebsbatterien vollständig zu kompensieren.

Elektrifizierung und Digitalisierung: Hauptuntersuchung modernisieren

Die Transformation der Nutzfahrzeugbranche geht aus Sicht des TÜV-Verbands weit über den Antrieb hinaus. Für eine zeitgemäße HU fordert der TÜV-Verband eine Erweiterung des Prüfumfangs der Antriebsbatterien und den Zugang zu den Batteriedaten, um strukturelle Mängel erkennen zu können. Ein erweiterter Datenzugang ist auch für eine Funktions- und Wirkungsprüfung von Assistenzsystemen über den gesamten Lebenszyklus der Fahrzeuge notwendig. Dabei kann auch der korrekte Software-Stand überprüft werden, um Fehler und Manipulationen zu erkennen.

Für den „TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026“ sind vom TÜV-Verband rund 2,4 Millionen Hauptuntersuchungen der Jahre 2024 und 2025 ausgewertet worden. Die Ergebnisse werden für vier Gewichtsklassen dargestellt: von leichten Transportern bis 3,5 Tonnen über leichte Lkw mit 3,5 bis 7,5 Tonnen und mittelschwere Lkw mit 7,5 bis 18 Tonnen bis zu schweren Lkw ab 18 Tonnen.