Immer mehr Menschen machen den Lkw-Führerschein. Um den Fahrermangel auszugleichen reicht dies jedoch längst nicht aus. Bild: Georg Blenk
Nfz-Branche

Immer mehr machen Lkw-Führerschein – Trend reicht jedoch nicht aus

Die Zahl der Fahrerlaubnisprüfungen für Berufskraftfahrer(innen) in den Klassen C für Lkw hat im Jahr 2025 laut TÜV Verband Höchstwerte erreicht. Das zeigt eine Auswertung des TÜV-Verbands auf Basis von Erhebungen der ‚TÜV/DEKRA arge tp 21‘. Dabei wurden in den Klassen (C1/C1E/C/CE) insgesamt 123.414 theoretische und 123.746 praktische Fahrerlaubnisprüfungen abgelegt. Das entspricht einem Plus von rund 3.500 Theorie- (drei Prozent) und rund 4.700 Praxisprüfungen (vier Prozent) gegenüber 2024.

Hohe Bestehens-Quoten

Anzahl der durchgeführten theoretischen Fahrerlaubnisprüfungen in Klasse C. Grafik: TÜV-Verband

Berufskraftfahrer(innen) sind in den Fahrerlaubnisprüfungen erfolgreicher als Fahrschüler(innen) der Pkw-Klasse und das, obwohl der Prüfungsumfang höher ist. In den Lkw-Klassen (C1/C1E/C/CE) liegt die Nichtbestehens-Quote bei 14 Prozent in der Theorie und bei 15 Prozent in der Praxis. Entsprechend bestehen sechs von sieben die Theorieprüfung (86 Prozent) und die praktische Prüfung (85 Prozent). Im Vergleich zu 2024 (jeweils 15 Prozent) sinkt die Theorie-Nichtbestehens-Quote um einen Prozentpunkt, während die Praxisquote unverändert bleibt. Die Nichtbestehens-Quoten sind seit zehn Jahren weitestgehend stabil. Im Jahr 2016 scheiterten 16 Prozent in der Theorieprüfung für den Lkw-Führerschein und 13 Prozent in der praktischen Prüfung.

Seit 2016 stieg die Zahl der Prüfungen in den Lkw-Klassen (C1/C1E/C/CE) um 30 Prozent (Theorie) und 35 Prozent (Praxis). In der Zehnjahresbetrachtung zeige sich ein klarer Aufwärtstrend, allerdings reiche das nicht aus, um die Fachkräftelücke zu schließen. Nach Angaben des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen aktuell etwa 100.000 Berufskraftfahrer(innen).

Fachkräftesicherung und Reform der Fahrausbildung

Für eine nachhaltige Fachkräftesicherung müssen Maßnahmen zusammen gedacht werden: das Berufsbild stärken, den Zugang in die Qualifizierung praxistauglich gestalten und gleichzeitig die Verkehrssicherheit absichern.

Wir müssen mehr Menschen für diese Berufe gewinnen und wir müssen sie so qualifizieren, dass sie die Anforderungen im Alltag sicher beherrschen. (Fani Zaneta, Referentin Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband)

Die kürzlich bekannt gewordenen Reformvorschläge des Bundesverkehrsministeriums zur Fahrausbildung greifen mit der stärkeren Nutzung digitaler Lernformen ein wichtiges Modernisierungsziel auf. Aus Sicht des TÜV-Verbands ist die Verankerung digitaler Elemente in der Fahrausbildung längst überfällig: Online-Theoriekurse zur Vor- und Nachbereitung des Präsenzunterrichts sowie Fahrsimulatoren könnten sinnvoll sein, wenn sie qualitätsgesichert in eine strukturierte Ausbildung eingebettet sind. Digitalisierung sollte da wirksam werden, wo sie Qualifizierung und Verfahren besser macht: moderne Lern- und Übungsformate sowie effizientere Abläufe im Führerscheinprozess – von Antrag und Nachweisen bis zur Terminsteuerung und Kommunikation zwischen Behörden, Fahrschulen und Prüfstellen.

Sicherheit geht vor!

Der TÜV-Verband warnt jedoch davor die Verkehrssicherheit zugunsten vermeintlicher Effizienzgewinne aufs Spiel zu setzen: „Die pauschale Absenkung von Anforderungen – etwa bei der Prüfungsdauer für die Fahrerlaubnisklassen C und D und den besonderen Ausbildungsfahrten, sind ein Sicherheitsrisiko“, sagt Zaneta. „Busse und Lkw sind Fahrzeuge mit hoher Masse, langen Bremswegen und großen toten Winkeln, sie führen eine erhebliche kinetische Energie mit entsprechend gravierenden Folgen im Ernstfall.“ Die guten Bestehens-Quoten gäben zudem keinerlei Anlass, die bestehenden Anforderungen abzusenken. Ausbildung und Prüfung der Klasse C und D dürfen daher nicht auf ‚weniger‘ getrimmt werden, sondern müssen verlässlich nachweisen, dass Regeln und Fahrpraxis sicher beherrscht werden.

Die Präsentation mit der Führerscheinstatistik 2025 für die Klassen C und D ist hier zu finden.