Benjamin Schleich: Redakteur der KRAFTHAND
Benjamin Schleich: Redakteur der KRAFTHAND

Vielleicht mag es in Zukunft ohne Technologien wie AR in der Werkstatt nicht mehr gehen. Doch nehmen sie dem Mechatroniker auch das Heft des eigenständigen Handelns aus der Hand.

Was muss der Mechatroniker der Zukunft (noch) können?

Liebe Leser,

die Automechanika 2018 öffnet am 11. September ihre Pforten. Und die Aussteller haben sich wieder jede Menge einfallen lassen, um Werkstätten ihren Alltag zu erleichtern. Die Branchenleitmesse in Frankfurt steht aber nicht nur für das Jetzt und Hier, sondern beschäftigt sich auch mit der Zukunft. Zum Beispiel wird Thema sein: Wie sieht die Werkstatt 4.0 aus? Vernetzt und digitalisiert sollen die Werkstätten der Zukunft sein.

Auch der Begriff Augmented Reality (AR) schwirrt immer wieder durch die Branche. Damit sollen sich technische Probleme schneller und effektiver lösen lassen, wie man etwa bei Lexus glaubt. Die Japaner sind jetzt mit einer AR-Brille am Start, die den Mechaniker Schritt für Schritt durch jedes Problem führt und beispielsweise erklärt, welche Schraube er zu lösen hat oder wo er was messen muss.

Eigentlich eine tolle Sache. Oder? Denn damit stellt sich mir automatisch die Frage: Was muss der Mechatroniker der Zukunft (noch) können? Nicht mehr viel, wenn er doch alles haarklein vorgekaut bekommt und quasi über seine AR-Brille ferngesteuert wird. Lediglich einen Schraubenzieher sollte er noch halten können. Schade eigentlich, war unser Beruf doch früher genau deshalb so interessant, weil es Mechaniker gab, die sich Fachwissen erarbeitet haben und so zu Koryphäen wurden – eben nicht zum stupiden Teiletauscher nach Anleitung.

Doch von dieser – vielleicht nostalgischen – Betrachtung ganz abgesehen: Ich finde dieser Fortschritt hat sein Gutes, da viele der komplexen Themen wohl anders nicht mehr beherrschbar sind. Doch er hat eben leider auch einen Preis: Die digitale Demenz schreitet damit immer weiter voran. Denn gibt es in der Werkstatt der Zukunft nur noch AR-bebrillte Cyborg-Mechatroniker, die exakt nach Anleitung vor sich hin schrauben, weil sie die Lösung für jedes kleine Problem ohne Benutzung des eigenen Gehirns geliefert bekommen, wissen sie eigentlich gar nicht mehr, was sie tun.

Und kommt dann ein Problem, wo auch der Cyberspace keine Lösung hat, fehlt es an Übung, um mit logischem Denken ans Ziel zu kommen. Eine gruselige und hoffentlich unwahrscheinliche Vorstellung.

benjamin.schleich@krafthand.de

 


Schwerpunktthemen dieser Ausgabe: