Aerodynamik bei Lkw: Interview mit Dr. Christian Wiehen von Wabco

Weniger Gegenwind: OptiFlow SideWings verringern den Luftwiderstand des Anhängers und reduzieren somit den Kraftstoffverbrauch und den CO2-Ausstoß des Lkw.

Die EU-Kommission will den Weg frei machen für aerodynamische Lkw. Denn im Lkw-Fernverkehr geht ein wesentlicher Teil des Kraftstoffverbrauchs auf den auf den Luftwiderstand zurück. Doch wie groß ist das Einsparungspotential wirklich und welche Möglichkeiten gibt es? KRAFTHAND-Truck hat sich über diese Themen mit Dr. Christian Wiehen unterhalten, dem Chief Technology Officer bei Wabco.
Welche Potentiale bietet die Aerodynamik bei Lkw und anderen Nutzfahrzeugen, um Verbrauch und Emissionen zu senken?

Der aerodynamische Luftwiderstand hat einen enormen Effekt auf den Kraftstoffverbrauch von Nutzfahrzeugen. Die Optimierung des Luftstroms um Lkw und Anhänger kann den Energieverlust weiter begrenzen und so die Kraftstoffeffizienz verbessern.

Was hat Wabco in diesem Bereich anzubieten?
Mit der Übernahme von Ephicas im Jahr 2012, einem Vorreiter im Feld innovativer aerodynamischer Lösungen für Nutzfahrzeuge, hat WABCO die Entwicklung eines aerodynamischen Produkt-Portfolios weiter gestärkt. Das erste Produkt aus diesem Produkt-Portfolio, das WABCO unter dem Markennamen OptiFlow anbietet, ist eine aerodynamische Seitenverkleidung – OptiFlow SideWing. Die Aerodynamik des Anhängers wird durch die Seitenverkleidung verbessert, indem diese den Luftstrom am Heck der Zugmaschine einfängt, eine vorwärts gerichtete Kraftkomponente entstehen lässt und die Strömungsverhältnisse am Anhänger verbessert.

Welche Einsparungen lassen sich dadurch erzielen?
Bei hoher Autobahngeschwindigkeit reduzieren OptiFlow SideWings den Treibstoffverbrauch um ca. 1,5 Liter auf 100 Kilometer, verbessern die CO2-Bilanz und tragen so zu erheblichen Kosteneinsparungen über die Gesamtlebensdauer des Fahrzeugs bei.
 
Welche Potentiale bieten Fahrzeugassistenzsysteme bei Lkw und anderen Nutzfahrzeugen, um die Fahrsicherheit zu erhöhen?

Moderne Fahrerassistenzsysteme können die Sicherheit von Nutzfahrzeugen erheblich steigern.
Können Sie dafür konkrete Beispiele nennen?

Ein Beispiel für ein solches fortschrittliches Fahrerassistenzsysteme (ADAS – Advanced Driver Assistance Systems) sind Kollisionswarnsysteme (CWS – Collision Warning System) und die adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung ACC (Adaptive Cruise Control). Beide Systeme helfen dabei, den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu regeln und warnen den Fahrer vor drohender Kollision, falls erforderlich.

Eine Weiterentwicklung sind Kollisionsfolgenminderungssysteme (CMS – Collision Mitigation System) wie WABCO’s OnGUARD. Im Falle einer möglichen Kollision warnen sie den Fahrer nicht nur, sondern können auch selbstständig eine Bremsung auslösen, um die Folgen des Aufpralls zu mindern.

Können Sie den OnGUARD noch etwas näher beschreiben?
OnGuardPLUS von WABCO ist ein Notbremsassistenzsystem (AEBS – Advanced Emergency Braking System) und zugleich eine technologische Weiterentwicklung des Kollisionsfolgenminderungssystems OnGuard. Das System integriert die neuesten EBS- (EBS – Electronic Braking System) und ABS-Technologien (ABS – Anti-lock Braking System).
Was unterscheidet den OnGUARD von anderen Systemen?
Anders als vorherige Systeme reagiert es auch auf vorausfahrende Fahrzeuge, die zum Stillstand abbremsen. Die Kollisionsfolgenminderungsfunktion von OnGuardPlus reagiert außerdem auf stehende Fahrzeuge, beispielsweise an Stauenden.

Was ist die nächste Entwicklungsstufe?
Auf der IAA 2012 hat WABCO zudem einen hochentwickelten Spurverlassenswarner (Lane Departure Warning System – LDWS) für Lastkraftwagen und Busse vorgestellt. OnLane ist für WABCO der nächste Meilenstein in der Entwicklung fortschrittlicher Fahrerassistenzsysteme. Das System erhöht die Fahrzeugsicherheit, indem es den Fahrer optisch und akustisch oder wahlweise auch durch Vibration im Fahrersitz warnt, sobald das Fahrzeug unbeabsichtigt von der Fahrbahn abkommt – eine der häufigsten Unfallursachen bei Nutzfahrzeugen. Eine Kamera, die oben oder unten an der Windschutzscheibe angebracht ist, überwacht die Fahrbahn vor und die Bereiche neben der Spur des Fahrzeugs. Das System erkennt das unbeabsichtigte Verlassen der Fahrbahn, wenn das Fahrzeug die Fahrbahnmarkierung ohne Blinksignal überquert.
Herr Dr. Wiehen, wir bedanken uns für das Gespräch.
Die Fragen stellte Ralf Lanzinger