Torsten Schmidt, Chefredakteur der KRAFTHAND:
Torsten Schmidt, Chefredakteur der KRAFTHAND:

Wir sind mitten in einem digitalen Prozess, der unser Geschäftsmodell verändert. Das Paradoxe: Diejenigen, die auf den Wandel reagieren, nehmen diesen teils gar nicht als Wandel wahr, sondern als normale (Weiter-)Entwicklung.

Fragwürdiges Geschäftsmodell

die Studie Elektromobiliät 2015“ des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe offenbart, dass – selbst, wenn die Zulassungszahlen für E-Fahrzeuge steigen – das Servicegeschäft davon bis 2025 nur unwesentlich berührt wird. Demnach soll das heutige Umsatzvolumen mit großen Wartungen von 8,02 Milliarden Euro bis 2025 auf lediglich 7,73 Milliarden Euro sinken. Das wäre ein Rückgang von 3,6 Prozent, der womöglich sowieso eintreten würde, bedenkt man, dass größere Intervalle und geringere Wartungsumfänge schon seit Jahren die Arbeit im Rahmen einer Inspektion sukzessive reduzieren.

Also alles nicht so schlimm? Wären da nicht andere Faktoren, die das Werkstattgeschäft mittel- bis langfristig tiefgreifend verändern könnten. Schließlich ist es nicht ausgemacht, dass das heutige Umsatzmodell von Werkstätten auch morgen noch funktioniert. Sprich, dass ein Teil des Geldes über die Arbeit und der andere Teil über die Ersatzteilmargen verdient wird.

Ich bezweifle das. Speziell vor dem Hintergrund des weiter wachsenden Internethandels. Die dort günstigen Preise auch für Markenersatzteile sowie die hohe Preistransparenz erzeugen Druck auf die Freien, aber auch auf Markenbetriebe. Sie werden – spätestens, wenn die Digital Natives das Gros der Autofahrer stellt – dann nicht mehr so einfach rechtfertigen können, warum etwa eine Bremsscheibe 100 Euro kosten soll, wenn sie im Internet für 50 Euro zu haben ist.

Kfz-Profis können nun einwenden: Das interessiert mich nicht, weil ich weder mitgebrachte Teile verbaue, noch mich den Internetpreisen anpasse.“ Oder man sagt: Okay, ich denke um, muss individuell auf Kunden eingehen und zum Beispiel über höhere Einbaupauschalen den Verlust entgangener Ersatzteilmargen ausgleichen.“ Ich glaube, Letzteres ist der richtige Weg – den viele pragmatische Kfz-Betriebe schon heute gehen.

Und außerdem stecken wir bereits mitten in einem Prozess, der in fünf, zehn oder – eher weniger wahrscheinlich – erst in 20 Jahren darin mündet, dass Werkstätten mit deutlich geringeren Ersatzteilmargen klarkommen müssen. Das ist eben ein Aspekt, des viel beschworenen digitalen Wandels, der Markenbetriebe mehr unter Druck setzen dürfte als die Freien. Vorausgesetzt, diese bewahren sich ihre Flexibilität und nutzen ihre oft größere Kunden nähe.

torsten.schmidt@krafthand.de

 


Schwerpunktthemen dieser Ausgabe:

Aus der Rubrik: Werkstattpraxis
Aus der Rubrik: Praxistipp
Aus der Rubrik: Teile & Systeme
Aus der Rubrik: Automobiltechnik
Aus der Rubrik: Branche
Aus der Rubrik: Recht