Die Sattelzugmaschine KEYOU HICE.40 ist für den Betrieb mit einem Gesamtfahrzeuggewicht von 40 Tonnen ausgelegt. Bilder: Daimler Truck / KEYOU
Markteinführung des HICE.40 2027
Wasserstoff-Verbrenner: Daimler Truck kooperiert mit KEYOU
Veröffentlicht am | von Georg Blenk
Daimler Truck und der Münchner H2-ICE-Spezialist KEYOU arbeiten künftig zusammen, um wasserstoffbetriebene Verbrennungsmotoren als ergänzende Antriebslösung für den Straßengüterverkehr zur Marktreife zu führen. Das Ziel sei, eine kurzfristig verfügbare, wirtschaftliche und robuste Technologie bereitzustellen, die bestehende alternative Antriebe sinnvoll ergänzt.
Dabei bilden laut KEYOU bestehende Fahrzeug- und Motorenvarianten von Daimler Truck die technische Basis. KEYOU verantwortet die Umrüstung auf die Wasserstoff-Verbrennung, Dienstleister des Münchner Unternehmens passen Fahrzeug und Motor an. Eine Markteinführung des sogenannten HICE.40 auf Basis einer Mercedes-Benz Actros L 1848 Sattelzugmaschine sei für 2027 vorgesehen. Hierzu wurde eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.
Dr. Andreas Gorbach ist Mitglied des Vorstands bei Daimler Truck und verantwortlich für die Truck-Technologie.
„Der Straßengüterverkehr braucht unterschiedliche Antriebslösungen für unterschiedliche Einsatzprofile. Wasserstoff kann dabei sowohl in der Brennstoffzelle als auch im Verbrennungsmotor eingesetzt werden. Mit KEYOU arbeiten wir mit einem spezialisierten Partner zusammen, um die Wasserstoff-Verbrenner Technologie zügig und effizient auf den Markt zu bringen“, so Andreas Gorbach.
Thomas Korn ist CEO und Co-Founder der KEYOU GmbH.
„Die Zusammenarbeit mit Daimler Truck ist ein wichtiger Schritt für uns, um unsere KEYOU-inside Technologie in die industrielle Anwendung zu überführen. Gemeinsam können wir die Entwicklung und Skalierung wasserstoffbasierter Antriebslösungen im Nutzfahrzeugbereich deutlich beschleunigen und so einen konkreten Beitrag zur Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs leisten“, so Korn.
Partnerschaft statt Eigenentwicklung
Daimler Truck setzt generell auf eine Doppel-Strategie aus batterieelektrischen Antrieben und Antrieben mit Brennstoffzelle. Jedoch untersucht das Unternehmen die Wasserstoffverbrennung seit mehreren Jahren im Rahmen der Vorentwicklung. Für die Markteinführung setzt das Unternehmen jetzt auf ein Kooperationsmodell.
KEYOU hat sich auf die Umrüstung bestehender Motorenplattformen auf Wasserstoff spezialisiert und verfolgt einen Ansatz, der auf bewährten Serienfahrzeugen aufbaut. Durch diese Arbeitsteilung möchte Daimler Truck Entwicklungsaufwände optimieren und gleichzeitig eine schnelle Marktreife ermöglichen. Neben der Fahrzeugentwicklung steht für KEYOU auch die langfristige Kundenbetreuung im Fokus der Zusammenarbeit. KEYOU und Daimler Truck planen im nächsten Schritt auch Gespräche darüber zu führen, wie bestehende Service- und Wartungsstrukturen perspektivisch genutzt werden könnten, um Flottenbetreibern ein hohes Maß an Betriebssicherheit und Verfügbarkeit zu bieten.
Das Kooperationsmodell
H2-ICE mit KEYOU-inside-Technologie. Bild: KEYOU
Im Rahmen der getroffenen Vereinbarung ist geplant, dass Daimler Truck Fahrzeuge vom Typ Mercedes-Benz Actros L 1848 als Sattelzugmaschine und in Mannheim gefertigte Motoren auf Basis der bestehenden 12,8-Liter-Motorenplattform an KEYOU verkauft. KEYOU verantwortet die technologische Adaption zu einem wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotor. Der technische Umbau der Lkw sowie die Integration des KEYOU-inside Motors erfolgen durch qualifizierte externe Dienstleister.
Der KEYOU HICE.40
Die daraus resultierende Sattelzugmaschine KEYOU HICE.40 ist für den Betrieb mit einem Gesamtfahrzeuggewicht von 40 Tonnen ausgelegt und soll dank der 350-Bar-Druckwasserstofftechnologie, eine Reichweite von bis zu 650 Kilometern erreichen. Mit einer Leistung von bis zu 350 kW und einem Port-Fuel Injection-System (PFI, Saugrohreinspritzung) soll sie eine erprobte und leistungsstarke Lösung für den anspruchsvollen Güterverkehr bieten. Perspektivisch lässt sich die Technologie auch auf weitere Fahrzeugbaureihen übertragen.
Infrastruktur und Synergien
KEYOU möchte die Fahrzeuge anschließend Kunden anbieten – perspektivisch auch in Kombination mit entstehender Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur. Dabei spielten Förderprogramme des Bundesverkehrsministeriums eine wichtige Rolle. So könnte auch die Nachfrage an Wasserstoff und entsprechender Infrastruktur vorangetrieben werden. Daimler Truck unterstützt den Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen, die sowohl gasförmigen als auch flüssigen Wasserstoff abgeben können. So könnten alle gängigen H2-Formen an einer Station angeboten werden. Die Integration erlaubt den Aufbau einer einheitlichen Infrastruktur und senkt dabei die Kosten durch höhere Auslastung. Heutige Wasserstoff- Verbrennungsmotoren benötigen gasförmigen Wasserstoff. Technisch ist aber auch eine Entwicklung für Flüssigwasserstoff denkbar, wie ihn Daimler Truck bereits in Brennstoffzellen-Lkw einsetzt.
Das Münchner Unternehmen KEYOU rüstet klassische Lkw-Dieselmotoren auf Wasserstoffbetrieb um. KEYOU gilt als Pionier und ‚First-Mover‘ in diesem Segment. Dabei kommen eigens entwickelte Technologien, spezifische H2-Komponenten und Brennverfahren zum Einsatz. Große Änderungen am Basismotor sind nicht notwendig. Krafthand-Truck hatte kürzlich die Gelegenheit einen 18 Tonner mit KEYOU-Inside-Technologie unter die Lupe zu und Probe zu fahren. …weiter
Als einer der wesentlichen CO2-Mitverursacher steht der Nutzfahrzeugsektor unter erheblichem Veränderungsdruck. Umso positiver zu werten sind die zahlreichen, umfangreichen Aktivitäten von Seiten der Nfz-Hersteller und Zulieferer, was alternative Antriebstechnologien angeht. Wir haben mit Jens Hüttner, Sales Director bei Cummins Deutschland, über den Wasserstoffverbrennungsmotor gesprochen. …weiter
MAHLE hat sich einen Auftrag von MAN Truck & Bus gesichert. Es geht um Komponenten für den Wasserstoff-Verbrennungsmotor des MAN hTGX. Konkret handelt es sich um die sogenannte Wasserstoff-Powercell-Unit des Stuttgarter Automobilzulieferers sowie um Komponenten des Ventiltriebs. …weiter
Nicht nur in Brennstoffzellen kann Wasserstoff zum Vortrieb von Fahrzeugen genutzt werden, sondern auch in Wasserstoff-Verbrennungsmotoren. Der Vorteil: Man kann auf eine bewährte Technik zurückgreifen, der Betrieb ist beim Einsatz von grünem Wasserstoff CO2-neutral. Notwendig ist jedoch eine entsprechende Einspritztechnik. Bosch hat zwei Lösungen im Programm. …weiter
Die DILO Armaturen und Anlagen GmbH aus dem bayerischen Babenhausen hat mit dem ServiceCart H2 eine neue Lösung vorgestellt, die zukünftige Werkstattmitarbeiter bei allen Arbeiten rund um Wasserstoff und Wasserstoffsysteme in Fahrzeugen unterstützten soll. Dabei sei es unerheblich ob es sich um Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) oder Wasserstoff-Verbrenner (H2-ICE) handelt. …weiter
IVECO hat auf der IAA Transportation in Hannover eine Studie eines Lkw mit seriellem Hybridantrieb gezeigt. Das Konzept basiert auf einem S-eWay und einem 6×2-Fahrgestell. Der Clou: Das Fahrzeug ist mit einem Cursor-9 H2-Hybrid-Motor und einer E-Achse ausgestattet. Wir werfen einen Blick aufs Detail. …weiter
Carsten Neuhaus ist Geschäftsführer der Firma truckcon. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Witten in Nordrhein-Westfalen, bietet einen Full-Service, wenn es um die Planung und Einrichtung von Lkw-Werkstätten geht. Wir haben mit ihm über Wasserstoffarbeitsplätze und das Abwassermanagement gesprochen. …weiter
Auf der IAA Transportation in Hannover zeigte MAN den Prototypen eines Wasserstoff-Verbrenners. Der hTGX soll zunächst als Kleinserie von 200 Stück produziert und bereits 2025 an Kunden ausgeliefert werden. Herzstück des hTGX ist der 16,8-Liter-Reihensechszylinder H2-Verbrennungsmotor H4576 auf Basis des D38-Aggregats, inklusive eines vereinfachten Abgasnachbehandlungssystems. …weiter
Der XCURSOR 13 ist der erste Multifuel-Basismotor von FPT Industrial, der für den Betrieb mit Diesel, Methan (LNG/CNG) und zukünftig auch mit Wasserstoff ausgelegt ist. Der Motor wurde also für mehrere Varianten entwickelt, die Standardisierung der Komponenten maximiert, um die einfache Anpassung auf den jeweiligen Fahrzeug- und Kraftstofftyp zu gewährleisten. …weiter
Westport Fuel Systems hat auf der IAA-Transportation sein neues H2-HPDI-Kraftstoff-Einspritzsystem vorgestellt. HPDI steht für High-Pressure-Direct-Injection, also Hochdruck-Direkteinspritzung. Wir haben mit Anders Johansson, VP Heavy Duty OEM & GM Gothenburg Operations, Westport Fuel Systems über die Technik gesprochen. …weiter
„Wasserstoff ist ein wichtiger Hebel zur Dekarbonisierung. Er hat das Potenzial, viele Nutzfahrzeuge besonders schnell klimaneutral zu machen“, so MAHLE CEO Arnd Franz bei der Veranstaltung „Wasserstoff Motor Live“, die die Allianz Wasserstoffmotor e.V. am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) am heutigen Freitag ausrichtete. …weiter
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