Dichtmittel für Klimaanlagen gefährlich

Unangenehme Nebenwirkung: Der Einsatz von Dichtmitteln in Klimaanlagen ist in mehrerlei Hinsicht problematisch. Beispielsweise kann sich das Mittel im Ventilblock der Klimaservicestation absetzen.

Leckagen der Klimaanlage mit Dichtmittel zu schließen, funktioniert durchaus – doch ist diese ‚bessere Bastellösung’ die Risiken wert? Die Aussicht, einen schleichenden Kältemittelverlust via Dichtmittel schnell, kostengünstig und durchaus auch zuverlässig – zumindest für einige Zeit – abdichten zu können, macht diese ‚fixe’ Reparaturmethode für den ein oder anderen Flottenbetreiber reizvoll.

Nur: Damit geht die Gefahr einher, dass das Dichtmittel die Klimaservicestation schädigt. Außerdem steht in Frage, ob der Einsatz von Dichtmittel eine gesetzeskonforme Instandsetzung der Klimaanlage darstellt.

Dichtmittel für Klimaanlagen sind von diversen Anbietern erhältlich. In der Regel versprechen sie, dass sich damit kleinere Leckagen abdichten lassen – egal, ob es sich um Haarrisse oder undichte O-Ringe handelt. Funktionieren soll das wie folgt: Das in den Kältemittelkreislauf eingebrachte Dichtmittel tritt zusammen mit dem Kältemittel an der undichten Stelle aus und verschließt diese. Dazu muss man wissen, dass das Dichtmittel aushärtet, sobald es aus der Klimaanlage entweicht. Denn aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung reagiert es mit Luftfeuchtigkeit und Sauerstoff. So weit so gut.

Technische Probleme
Experten für Klimatechnik sowie verschiedenen Anbieter von Klimakomponenten und Werksattausrüstung warnen jedoch vor dem Einsatz von Dichtmitteln. Zum Beispiel zählen Behr Hella und Waeco dazu. Diesen Unternehmen zufolge verschließen Dichtmittel nämlich nicht nur Leckagen in der Klimaanlage, sondern auch ‚Engstellen’ in der Klimaservicestation. Beispielsweise betrifft das den Ventilblock. Das ist übrigens auch einer der Gründe, weshalb entsprechende Leitungsfilter zum Schutz der Servicestation empfohlen werden. Schließlich weiß man nie, ob eine andere Werkstatt zu einem früheren Zeitpunkt Dichtmittel in die Klimaanlage gefüllt hat.

Außerdem heikel: Schlimmstenfalls kann Dichtmittel auch ‚Engstellen’ in der Klimaanlage blockieren. Typischerweise davon betroffen ist die vor dem Verdampfer sitzende Festdrossel. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Klimaanlage in diesem Fall nicht mehr oder nur unzureichend arbeitet. Auf diese Problematik wiesen Experten in Recherchegesprächen für das KRAFTHAND-Buch ‚Praxiswissen-Pkw-Klimaanlagen’ hin – von dem viele Inhalte auch für den Klimaservice an Nutzfahrzeugen übertragbar sind, siehe Infokasten.

Gesetzlicher Konflikt
Der Einsatz von Dichtmittel ist aber nicht nur aus technischer, sondern auch aus gesetzlicher Sicht problematisch. Warum? In der Regel wird zu Dichtmittel gegriffen, wenn kein Kältemittel mehr in der Anlage ist. Natürlich muss der Anwender des Dichtmittels vor dessen Einfüllen die Klimaanlage mit Kältemittel befüllen. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Laut EU-Richtlinie 2006/40/EG dürfen Klimaanlagen, an denen eine Leckage vorhanden ist nicht befüllt werden, bevor die undichte Stelle nicht repariert wurde. Auszugsweise liest sich das in der Richtlinie wie folgt: „Klimaanlagen, aus denen eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Menge des Kältemittels entwichen ist“, dürfen nur befüllt werden, wenn die Undichtigkeit zuvor beseitigt wurde.

Jedoch entweicht bei einer ‚Reparatur’ mit Dichtmitteln bis zu dessen Wirksamkeit zunächst weiterhin Kältemittel aus der Anlage. Was die berechtigte Frage aufwirft, ob in solchen Fällen der Einsatz von Dichtmittel überhaupt gesetzeskonform ist – wohl nicht. Schon aus dieser Tatsache und natürlich erst recht aus den genannten technischen Problemen verzichten echte Klimaprofis auf den Einsatz von Dichtmitteln und reparieren fachgerecht. Auch weil das Ergebnis dann nachhaltig und keine vorübergehende ‚Bastellösung’ ist.