

50 Prozent mehr Kapazitäten – Telematik kann Parkplatzmangel für Lkw entschärfen
Es ist beeindruckend was Lkw-Fahrerinnen und Fahrer täglich leisten. Nicht nur das sie täglich Millionen Tonnen an Waren bewegen. Sie arbeiten meist unter Termindruck, stehen im Stau, müssen widrigen Witterungsbedingungen und durchgeknallten Hobbyrennfahrern trotzen. Umso wichtiger sind die Ruhephasen. Und dazu braucht es Parkplätze. Doch genau daran mangelt es an deutschen Autobahnen. Hinzu kommt: Aufgrund der Situation auf deutschen Raststätten passieren jährlich rund 20.000 Unfälle mit (ruhendem) Lkw-Parkverkehr.
Es braucht 30.000 – 50.000 Stellplätze
Dem Bundesministerium für Verkehr (BMV) ist die Problematik bekannt. So möchte man jedes Jahr 100 Millionen Euro für neue Parkplätze ausgeben. Tatsächlich könnten laut Kappsch TrafficCom, einem Spezialisten für Maut- und Verkehrsmanagement, für 100 Millionen Euro etwa 1.000 neue Stellplätze gebaut werden. Das ist viel zu wenig. Es fehlten laut Kappsch heute geschätzt zwischen 30.000 und 50.000 Stellplätze. Die Parkplatznot wäre so erst nach 50 Jahren beseitigt.
Die Investitionen sind dringend notwendig, aber zu gering und zu langsam wirksam, so Christoph Demuth, Verkehrsexperte bei Kapsch TrafficCom. Ein schnellerer und effizienterer Lösungsweg ist die Nutzung von Verkehrstelematik zur besseren Organisation der vorhandenen Parkplätze. Das könnte die Kapazitäten der Parkflächen um bis zu 50 Prozent erhöhen.
Parkplatzmanagement
Durch technologiegestütztes Kolonnen- beziehungsweise Kompaktparken von Lkw könne laut Demuth die Anzahl an Lkw-Parkplätzen schnell und kostengünstig erhöht und gefährliche Parksituation an vielen Raststätten und Standstreifen der Autobahnen entschärft werden. Dabei müssten keine zusätzlichen Flächen versiegelt werden. Darüber hinaus könne man mittels Preisdifferenzierungen bei der Lkw-Maut bestehende Kapazitäten der Straßenverkehrsinfrastruktur gleichmäßiger nutzen.
Referenzmodelle
Es gibt bereits einige Referenzmodelle in Deutschland. Kapsch TrafficCom hat an einem Modellprojekt im Duisburger Hafen (Duisport) mitgewirkt. Dort existieren seit August 2025 neue, hochmoderne, digitale Lkw-Parkplätze, die speziell zur Vermeidung von Wildparken und zur Entlastung der Infrastruktur eingerichtet wurden. Diese Art des telematisch gesteuerten Lkw-Parkens könne laut Demuth nicht nur auf den bestehenden Parkplätzen entlang des hochrangigen Straßennetzes, sondern auch an Ladepunkten wie Häfen, Terminals und Logistikzentren die Parksituation für Lkw weitgehend entschärfen.












