Racing-Trucks beim ADAC-Truck-Grand-Prix
Truck-Racing zählt schon nach der Formel 1 zu den populärsten Motorsportserien Europas. Der ADAC-Truck-Grand-Prix in der Eifel auf dem traditionsreichen Nürburgring ist seit Jahren ein Publikumsmagnet. Im Bild ganz vorne: die ‚Bullen von Iveco‘ vom Team Schwabentruck. Bild: Iveco
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ADAC Truck-Grand-Prix 2019

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Das gilt auch für den 34. Internationale ADAC Truck-Grand-Prix am Nürburgring. Vom 19. bis 21. Juli 2019 donnern dann wieder weit über 1.200 PS starke Renntrucks mit bis zu 160 km/h Stoßstange an Stoßstange über den Asphalt der Traditionsrennkurses. Wer einmal die Faszination von Truckrennen live erlebt hat, für den sind andere Motorsportarten nur noch ‚kalter Kaffee‘.

Mehr als 117.500 Truck-Race-begeisterte Menschen waren im vergangenen Sommer nach Veranstalterangeben an den Nürburgring gepilgert, um bei strahlendem Sonnenschein Dieselruß-geschwängerte Rennluft zu schnuppern. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn eine Meute wilder Brummis in den Kurven und auf der Zielgeraden mit dem Messer zwischen den Zähnen um jeden Zentimeter kämpft. Truck-Racing zählt schon seit Jahren nach der Formel 1 zu den populärsten Motorsportserien Europas. Und der ADACTruck-Grand-Prix auf der traditionsreichen Rennstecke in der Eifel gehört zweifelsohne zu den Publikumsmagneten der deutschen Rennszene. Obwohl das Rennen am Nürburgring nur ein Lauf um die ‚FIA European Truck Racing Championship‘, also die Truck-Europameisterschaft, im Rahmen einer zehn Veranstaltungen umfassenden Serie ist, ist es für Fahrer, Teams und die Nutzfahrzeug-Industrie das mit Abstand wichtigste Ereignis.

Zur mittlerweile 34. Auflage dieses ‚gewichtigen‘ Spektakels erwartet der Veranstalter auch diesmal wieder rekordverdächtige Besucherzahlen, wenn vom 19. bis 21. Juli 2019 wieder rund 20 dieser 5,5 Tonnen schweren, mit über 1.200 PS ‚bewaffneten‘ Boliden in knappen fünf Sekunden auf die bei 160 km/h abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit beschleunigen und mit quietschenden Rennpneus ‚auf dem Ring‘ ihre Kreise ziehen.

Rasende Werbeträger

Truck-Rennen sind äußerst werbewirksam. Kein Wunder, dass die Fahrerhäuser und Seitenflanken der Renn-Boliden als Werbeflächen begehrt sind. Insbesondere Zulieferer und Ersatzteilehersteller sind zahlreich vertreten. Außerdem nutzen viele der Ersatzteilspezialisten nach eigenem Bekunden den Truckrennsport, um die Performance und die Standfestigkeit ihrer Produkte unter den härtesten Bedingungen zu testen – was sich anschließend äußerst werbewirksam vermarkten lässt. Denn viele Komponenten eines Renntrucks kommen – dem Reglement entsprechend – aus der Serienfertigung, frei nach dem Motto ‚Aus der Serie direkt auf die Rennpiste‘.

Doch es scheint mittlerweile auch anders herum zu gehen, sprich: Erkenntnisse aus dem Renneinsatz fließen in die Teileentwicklung und Serienfertigung ein, quasi unter dem Motto ‚Von der Rennpiste direkt in die Serie‘. So zumindest berichtet der Hamburger Teilespezialist Meyle. Demnach soll die Reibbelagmischung der neuen ‚Meyle PD‘-Bremsbeläge aufgrund der technischen Kooperation mit dem damals gesponserten Rennteam entstanden sein. Auch in dieser Saison unterstützen die Hamburger wieder einen Rennstall: das Team ‚SL Trucksport 30‘ von Sascha Lenz. Es bekommt unter anderem Bremsscheiben, Motorlager und Ausgleichsbehälter.

Auch der Münchner Zulieferer Knorr-Bremse nutzt nach eigenem Bekunden die aus den Rennen gewonnenen Erkenntnisse für die Serienentwicklung seiner Bremssysteme. „Insbesondere die enorme Hitzebelastung ist interessant für uns, denn diese bei Rennen extremen Belastungen lassen Rückschlüsse auf Festigkeit und Temperaturbeständigkeit von Bremse, Belägen und Scheiben zu. Diese Extremsituationen können auf dem Prüfstand nur sehr aufwendig oder gar nicht nachvollzogen werden“, so ein Unternehmenssprecher. Vor allem die erste Schikane nach der Start- und Zielgeraden sei eine große Herausforderung, da hier die Fahrer von 160 km/h auf knapp 50 km/h herunterbremsen müsse. Knorr-Bremse liefert für die Renntrucks unter anderem Luftpresser, Lufttrockner, Vierkreisschutzventile sowie weitere Regelventile und die Radbremse.

Unter dem Motto ‚Leidenschaft verbindet‘ engagiert sich auch der Hagener Nutzfahrzeugteile-Großhändler Europart im europäischen Trucksport – bereits zum sechsten Mal in Folge. Das Handelsunternehmen unterstützt das Team ‚Reinert Racing‘ mit Ersatzteilen, Werkstattbedarf und Zubehör. Im Rahmen einer Mitarbeiterveranstaltung unterzeichneten Europart-Chef Olaf Giesen und Team-Eigner René Reinert einen entsprechenden Sponsorenvertrag für die Saison 2019. Neben dem Truck-Racing rückt bei den Hagenern diesmal auch Truck-Trial in den Fokus. So erhält das ‚BFS Trucksport Team‘ der amtierenden Europameister Marc Stegmaier und Jan Plieninger ein exklusives Materialsponsoring mit Bauteilen und Produkten der Eigenmarke ‚Europart Premium Parts‘.

Auch der Ennepetaler Ersatzteilspezialist Ferdinand Bilstein bleibt dem Truck-Race-Sponsoring treu und unterstützt erneut das Team ‚Schwabentruck‘ von Steffi Halm mit Komponenten seiner Marke ‚Febi‘. So bremsen die Boliden von ‚Schwabentruck‘ mit handelsüblichen Bremsscheiben aus dem ‚Febi‘-Sortiment. Zudem liefert das Unternehmen, das sich seit 2016 als Sponsor im Truck-Rennsport betätigt, spezielle, für den Rennsport entwickelte Radmuttern.

Schwarze Ringe ‚am Ring‘

Beim FAI Truck-Race rollen alle Boliden dem Reglement folgend auf den gleichen Rennreifen. Die werden schon seit über 15 Jahren von Goodyear produziert. Herstellerangaben zufolge besitzen die Renu-Pneus der Dimension 315/70 R 22.5 eine ähnliche Karkasse wie die Serienreifen, allerdings wurde diese so optimiert, dass das Risiko einer Überhitzung sinkt. Gleichzeitig haben die Reifen mehr Seitenstabilität. Sie verfügen zudem über eine speziell gestaltete Lauffläche, die optimale Haftungseigenschaften sowohl auf trockener als auch auf nasser Strecke bieten soll. Zusammen mit dem charakteristischen asymmetrischen Schulterdesign und umlaufenden Rillen soll die Laufflächenmischung eine durchgängige Performance gewährleisten. Darüber hinaus besitzen alle Reifen einen RFID-Chip und sind damit wiedererkennbar. So kann die FIA-Rennleitung jeden Reifen überwachen und sicherstellen, dass sich alle Teams an die Regeln hinsichtlich Anzahl und Einsatz der Renn-Pneus halten.