Diagnose an einem Lkw-Motor mit Diagnosegerät
„Updates sind ein Spiegel der aktuellen Entwicklungen in den Werkstätten“, sagen die Diagnosespezialisten von AVL Ditest. Demnach steigt der Bedarf an elektronischen Informationen sprunghaft, wobei die Entwicklungszyklen auch im freien Reparaturmarkt immer kürzer werden. Bild: AVL Ditest
Diagnose

Neues vom ‚Digitalen Schraubenschlüssel‘

Immer mehr Wartungs- und Reparaturarbeiten an modernen Nutzfahrzeugen lassen sich nur noch mit einem Diagnosegerät fachgerecht erledigen beziehungsweise abschließen. Dazu sind leistungsfähige und universelle Testtools notwendig – und natürlich auch aktuelle Diagnosesoftware. KRAFTHAND-Truck hat die Mehrmarken-Diagnoseanbieter nach ‚Spezialitäten‘ ihrer aktuellen Updates gefragt.

Dass sich moderne Nutzfahrzeuge zusehends zu ‚fahrenden Schwerlast-Computern‘ entwickeln, ist nicht neu. Dass sich viele bislang klassischen Wartungsarbeiten daran nur noch mit einem ‚Digitalen Schraubenschlüssel‘ fachgerecht erledigen lassen, ebenfalls nicht. Und dass ein leistungsfähiges Diagnosesystem für die Fehlersuche in den ‚Tiefen des Elektronik-Dschungels‘ unabdingbar ist, hat sich inzwischen ebenfalls herumgesprochen. Und wer Reparaturen vornehmen will, welche kamera- und/oder radarbasierte Fahrerassistenzsysteme auch nur im Geringsten beziehungsweise der Peripherie touchieren, ist ohne Diagnosetool aufgeschmissen.

Die Anbieter universeller Mehrmarken-Diagnosegeräte sind daher permanent bestrebt, in immer kürzeren Entwicklungszyklen die Leistungsfähigkeit ihre Produkte dem aktuellen Fahrzeugbestand anzupassen. Regelmäßige Updates stellen daher sicher, dass auch freie und Mehrmarken Servicebetriebe schnellstmöglich ‚Up-to-date‘ sind.

Einheitliche Nomenklatur

Dem Update 2020-01 aus dem Frühjahr 2020 hat AVL Ditest seinem Multimarkendiagnosesystem ‚XDS 1000‘ nach eigenem Bekunden wieder zahlreiche Aktualisierungen bei Pkw, Leicht-Lkw, Lkw und Trailer angedeihen lassen. Demnach beinhaltet die Prüfsoftware nun die Daten von insgesamt 32 Lkw- und LLkw-Herstellern beinhaltet, mit der sich über 235 verschiedene Modelle abdecken lassen sollen.

Zudem haben die Entwickler von AVL Ditest die beim vergangenen Update begonnene Vereinheitlichung der Domainnamen der einzelnen Baugruppen (Motorelektronik, Getriebeelektronik, Airbag etc.). über alle Hersteller und Modellreihen hinweg weiter ausgebaut. Durch diese Maßnahme müsse der Kfz-Fachmann die herstellerspezifischen Nomenklaturen nicht kennen. Er kann sich deshalb einfacher orientieren und die anstehenden Diagnoseaufgaben schneller erledigen, verspricht AVL Ditest.

Off-Highway-Fahrzeuge im Fokus

Vor zehn Jahren hat Bosch den Diagnosetester ‚KTS Truck‘ auf der Automechanika präsentiert und die dazugehörige Software ‚Esitronic 2.0 Truck‘ permanent weiterentwickelt. Seit Ende 2018 gibt es auch eine ‚OHW‘-Version (Off-Highway) der Prüfsoftware, welche speziell für Kfz-Spezialisten, die auch Land- und Baumaschinen sowie Stationärmotoren diagnostizieren wollen, entwickelt wurde. Neben der Steuergeräte-Diagnose enthält die Diagnosesoftware auch technische Informationen wie Schaltpläne, Service- und Reparaturanweisungen, Wartungspläne sowie Systeminformationen und Ersatzteilkataloge. Bei Bedarf leitet sie den Anwender Schritt für Schritt durch die Prozesse, sodass sich auch komplexe Fehler zuverlässig beheben lassen sollen. Darüber hinaus sollen sich mit der ‚Esitronic 2.0 Truck & OHW‘ nun auch Fahrerassistenzsysteme kalibrieren lassen. Mit der Version 2020/1 vom Januar 2020 sind Unternehmensangaben zufolge nochmals 20 neue Marken hinzugekommen.

Mehrmarkendiagnosegerät KTS Truck von Bosch
Universelle Mehrmarkendiagnosegeräte wie das ‚KTS Truck‘ von Bosch spielen nicht nur in freien Nutzfahrzeug-Werkstätten eine wichtige Rolle. Auch viele Markenbetriebe nutzen sie, sowohl für Fremdmarken als auch im ‚eigenen Nest‘. Bild: Bosch

Unplausiblen Signalen auf der Spur

Stößt das Diagnosetool bei der Fehlersuche an seine Grenzen oder sind Fehlerspeichereinträge unplausibel oder wenig zielführend, schlägt die Stunde des Oszilloskops. Denn damit lassen sich elektrische Signale sichtbar machen und Unregelmäßigkeiten im Signalverlauf aufdecken. Da Oszilloskope das ‚Vorurteil‘ belastet, dass sie kompliziert zu bedienen sind, hat der englische Anbieter Pico Technology mit ‚PicoBNC+‘ nach eigenem Bekunden ein neues Anschlusskonzept für seine Zwei- und Vierkanal-Oszilloskope entwickelt. „Der neue ‚PicoBNC+‘-Anschluss ist eine Plug-and-Play-Konstruktion – einfach nur anschließen und das war’s!“, verspricht Deutschland-Vertrieb PSE-Priggen Special Electronic. Die neuartigen Messsonden sollen von der Software automatisch erkannt und vom Oszilloskop eingerichtet werden, wodurch der Anwender schneller arbeiten und sich besser auf das Prüfen der vor ihm liegenden Bauteile konzentrieren könne.

Pico Oszilloskop mit PicoBNC+ Anschlusskonzept
Wenn die Steuergeräte-Diagnose am Ende ist, schlägt die Stunde des Oszilloskops. Pico will mit dem neuen Anschlusskonzept ‚PicoBNC+‘ die Handhabung erleichtern Bild: Pico/Priggen

Mehr Informationen während der Diagnose

Hinter ‚IDC5 Truck 49.0.0‘ verbirgt sich das aktuelle Update der Nutzfahrzeug-Diagnosesoftware von Texa. Neben zahlreichen neuen Marken, Modellen und Systemen bei Transportern, Lkw, Trailern und Bussen haben die italienischen Diagnosespezialisten vor allem an den Umfängen und Funktionen ihrer Software gefeilt. Demnach wurde bei der ‚Eigendiagnose‘ das Untermenü ‚Abgasnachbehandlungssystem SCR/DPF‘ erweitert und ergänzt und eine einfachere und klarere Katalogisierung der Auswahlmöglichkeiten umgesetzt. Zuwachs gab es zudem nach eigenem Bekunden bei den Schaltplänen, technischen Mitteilungen und Datenblättern dieser Rubrik. Auch bei den ‚Dynamischen Dashboards‘ gab es Neuerungen und Zuwachs. Beispielsweise kann der Anwender nun auch Erläuterungen und Bauteilebeschreibungen während der laufenden Diagnose abrufen, was seine Arbeit weiter erleichtern soll. Laut Texa Deutschland ist diese Funktion allerdings ‚dem Axone Nemo‘  vorbehalten.

IDC5 Truck-Software von Texa
Funktionserweiterungen und der einfache Zugriff auf diagnoserelevante Informationen und Datenblätter, etwa im Untermenü ‚Abgasnachbehandlungssystem SCR/DPF‘ gehören zu den Neuheiten beim Update der ‚IDC5 Truck‘-Software von Texa. Bild: Texa

‚Runderneuerung‘ zum Zehnjährigen

Vor zehn Jahren ‚erblickte‘ das Mehrmarken-Diagnosesystem ‚W.Easy‘ von Wabcowürth das Licht der Nutzfahrzeug-Werkstatt-Welt. Zu diesem Jubiläum haben die Entwickler das für Transporter, Trucks, Trailer und Busse gedachte System nach eigenem Bekunden „rundum erneuert“ und schicken es nun mit dem Claim ‚W.Easy 2.00.0 – the next generation‘ ins Rennen. Zu den Neuerungen gehören unter anderem der ‚Smart Guide‘. Diese neue Funktion soll durch einen direkten Echtzeitabgleich über das Internet mit modernen Datenquellen die ausgelesenen Fehlercodes automatisch durch weiterführende Informationen ergänzen. Dazu gehören nach eigenen Angaben mögliche Ursachen und dazugehörige Prüfanleitungen sowie relevante Bauteilprüfungen. Mit dem ebenfalls neuen ‚FIN/VIN Decoder‘ für Trucks und Busse soll nun erstmals eine automatische Fahrzeugerkennung durch Aufschlüsselung der Fahrgestellnummer in Hersteller und Modell möglich sein. Alternativ soll der Anwender die FIN in die Suchleiste eingeben können, um das betreffende Fahrzeug auszuwählen.

Wabcowürth Diagnosesoftware ‚W.Easy‘
Zum Zehnjährigen hat Wabcowürth seine Diagnosesoftware ‚W.Easy‘ komplett überarbeitet und mit neuen Funktionen, etwa ‚Smart Guide‘ und ‚FIN/VIN Decoder‘, ausgestattet. Bild: Wabcowürth

Den Beitrag finden Sie auch in der Print-Ausgabe 2/20 der Krafthand-Truck.