Immer noch halten sich Mythen über Reichweite, Wirtschaftlichkeit und Ladeinfrastruktur beim Einsatz von E-Lkw. Doch längst funktioniert der wirtschaftliche Praxiseinsatz. Bild: Daimler Truck
Analyse von Realdaten

E-Lkw sind bei richtigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich!

2025 wurden rund 5.000 neue batterieelektrische Lkw über 16 Tonnen in der EU zugelassen. Dies ist ein Wachstum von rund 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch liegt der Marktanteil erst bei etwa zwei Prozent, was den großen Handlungsbedarf, aber auch das Potenzial für im Fahrbetrieb CO2e-freie Nutzfahrzeuge unterstreicht. Daimler Truck hat Realdaten aus dem Praxisbetrieb des eActros im Eigen- und Kundenbetrieb analysiert.

E-Trucks können schon heute wirtschaftlich sein

Trotz wachsender Neuzulassungen halten sich laut Daimler Truck hartnäckig Mythen über Reichweite, Wirtschaftlichkeit und Ladeinfrastruktur. Mercedes‑Benz Trucks hat nun anhand umfangreicher Realdaten und konkreter Kundenanwendungen untermauert, dass die batterieelektrischen Fahrzeuge bereits heute zuverlässig im Betrieb sind und unter den richtigen Rahmenbedingungen auch im täglichen Einsatz wirtschaftlich sein können – einschließlich der Gesamtbetriebskosten (TCO).

Elektrifizierte Inbound‑Logistik

Mercedes-Benz Trucks setzt  in der eigenen Lieferkette auf E-Lkw. Die vier Produktionsstandorte Gaggenau, Kassel, Mannheim und Wörth am Rhein verfolgen dabei das Ziel, den Anlieferverkehr mit Produktionsmaterial in eigener Frachtverantwortung in den kommenden Jahren vollständig zu elektrifizieren. Schon heute setzt Mercedes‑Benz Trucks auf rund 30 Prozent der Inbound‑Routen zum Montagewerk Wörth am Rhein batterieelektrische Lkw ein.

Im Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz Trucks sind derzeit zirca eigenen Angaben zufolge 80 batterieelektrische Mercedes-Benz eActros der ersten und zweiten Generation im täglichen Einsatz – davon überwiegend eActros 600, die gemeinsam bereits über sechs Millionen elektrische Kilometer zurückgelegt haben. Eine begleitende Datenerhebung zwischen November 2025 und März 2026 umfasst weit über 3.000 analysierte Touren und 3.100 Ladevorgänge anhand einer detaillierten Auswertung der Telemetriedaten von mehr als 15 Fahrzeugen. Das Ergebnis: Batterieelektrischer Anlieferverkehr ist heute im regulären Serienbetrieb zuverlässig umsetzbar.

Auch Fernverkehr möglich

Ein Praxisbeispiel der Ulmer Spedition Seifert zeigt eine Route zwischen Wörth am Rhein und Bielefeld: Ein eActros 600 mit durchschnittlich 36 Tonnen Gesamtzuggewicht bewältigt dabei eine Tagesfahrleistung von rund 600 Kilometern, wobei etwa die Hälfte der Ladevorgänge an öffentlichen Ladepunkten erfolgt. Der E‑Lkw erzielt auf dieser Strecke zudem über 4.000 Euro Mautersparnis pro Monat. Pro Jahr werden auf dieser Route so 90 Tonnen CO2 eingespart. Der durchschnittliche Verbrauch liegt zwischen November und Februar bei 100 kWh/100 km – entsprechend etwa 11 Litern Dieseläquivalent.
Die Daten von Daimler Truck belegen: Bereits mit der heute verfügbaren öffentlichen Ladeinfrastruktur auf dieser Route lassen sich anspruchsvolle Langstrecken zuverlässig und planbar abbilden, und auch unter Berücksichtigung der Gesamtbetriebskosten wirtschaftlich betreiben.

Im Pendelverkehr wirtschaftlicher als Diesel-Lkw

Besonders deutlich wird die Wirtschaftlichkeit laut Daimler Truck im Pendelverkehr. Auf der Strecke von Germersheim nach Wörth am Rhein fährt ein E‑Lkw von Logistik Schmitt mit Sitz im badischen Bietigheim täglich acht Mal insgesamt 352 Kilometer mit einem Gesamtgewicht von durchschnittlich 30 Tonnen. Auf dieser Strecke lag der Fahrverbrauch im Durchschnitt bei 114 kWh/100 km. Dies entspricht rund 12 Litern Dieseläquivalent für einen Diesel-Lkw und erreicht auf dieser Strecke pro Jahr eine CO2e-Einsparung von 56 Tonnen(2). Das Laden der Batterie erfolgt vollständig während der Be- und Entladezeiten, wodurch keine zusätzliche Standzeit entsteht. Die monatliche Mautersparnis beträgt über 2.300 Euro,. Drei E‑Lkw vom Typ Mercedes-Benz eActros konnten die bisher eingesetzten Diesel-Lkw ersetzen.

E‑Lkw meistern Topografie und lange Distanzen

Eine weitere Route führt von Südtirol in Richtung Wörth am Rhein. Auf dieser Fernverkehrsroute des Transportunternehmens FERCAM mit Sitz in Bozen (Italien) legt der eActros 600 täglich ebenfalls rund 600 Kilometer mit einem Gesamtgewicht von bis zu 42 Tonnen zurück – trotz anspruchsvoller Steigungen und auch bei winterlichen Temperaturen. Der Verbrauch liegt auf dieser Strecke im Erhebungszeitraum von November bis Februar bei 92 kWh/100 km, was 10 Litern Dieseläquivalent entspricht. Mit 25 kWh/100 km Rekuperation arbeitet das System dabei besonders effizient. 90 Tonnen CO2e-Einsparung pro Jahr und 3.900 Euro Mautvorteil pro Monat zeigen auch hier: Die E‑Lkw von FERCAM können auf der beschriebenen Strecke im internationalen Fernverkehr zuverlässig und effizient eingesetzt werden und erweisen sich zugleich im Hinblick auf die Gesamtbetriebskosten als wirtschaftlich.

Ladeinfrastruktur wächst

Für den erfolgreichen Einsatz von E‑Lkw ist eine flächendeckende Ladeinfrastruktur unerlässlich. Mercedes‑Benz Trucks identifiziert drei parallel wachsende Schwerpunkte in Bezug auf die Lademöglichkeiten: Zum einen das Werk- und Depotladen. Hier schaffen große Verlader eigene Ladepunkte in ihren Logistikketten. Ein weiterer Ansatz ist das ‚Semi-Public Charging‘. Dabei bauen Speditionen eine teilweise öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur auf, die sie Partnern zur Verfügung stellen oder im Gegenzug selbst mit nutzen. Den dritten Schwerpunkt betrifft das öffentliche Laden mit Anbietern wie beispielsweise Milence – dem Joint Venture von Daimler Truck, TRATON und Volvo.

Mit der existierenden Infrastruktur sind viele reale Transportanwendungen bereits zuverlässig darstellbar, aber um die Transformation im Straßengüterverkehr zu beschleunigen, muss das öffentliche Ladenetz weiter deutlich ausgebaut werden.