

Champions-League: Training ist alles!
Die Firma Toni Maurer in Türkheim ist überregional als MAN-Lkw-Werkstatt bekannt, aber deutlich breiter aufgestellt. Geschäftsführer Karl Maurer kümmert sich mit seinem Team um Nutzfahrzeuge sämtlicher Marken, hinzu kommt der Bau von Spezialfahrzeugen. Er weiß nur allzu gut, dass qualifizierte Fachkräfte das A und O für einen professionellen Werkstattservice sind. Umso wichtiger ist Maurer die Förderung des Nachwuchses und die Sicherung von Fachkräften. Wo ‚der Hammer hängt‘, zeigte kürzlich ein mehrtägiges Training für die EuroSkills direkt vor Ort.
Die EuroSkills

Die EuroSkills (die Europameisterschaft der Berufe) bringt junge Fachkräfte aus unterschiedlichen Ländern zusammen, um ihre beruflichen Fähigkeiten unter Wettbewerbsbedingungen unter Beweis zu stellen. Ausrichter ist die gemeinnützige Mitgliederorganisation WorldSkills Europe, die als europäischer Zweig der WorldSkills die Wettbewerbe ausrichtet. Dahinter stehen nationale Mitgliedsorganisationen aus über 30 europäischen Ländern.
Im Bereich der Kfz- und Nutzfahrzeugtechnik stehen bei den EuroSkills praxisnahe Aufgaben im Vordergrund: Fehler finden, Diagnosen erstellen, technische Probleme beheben und sicher sowie präzise arbeiten. Dabei geht die Vorbereitung deutlich über das reine Fachwissen hinaus. Die Teilnehmer trainieren unter Zeitdruck, lernen verschiedene Fahrzeugtypen kennen und werden von erfahrenen Experten wie Thomas Holzmann, Teamleiter in der Konstruktion bei Maurer und selbst Teilnehmer der WorldSkills 2007 in Japan, angeleitet. Für die deutsche Mannschaft werden die Kosten der Vorbereitung und Teilnahme im Pkw- und Lkw-Bereich vom Bundesinnungsverband BiV, von Sponsoren und öffentlichen Mitteln getragen. Die Teilnehmer(innen) der EuroSkills, die im September 2027 in Düsseldorf stattfinden, haben zudem die Chance, sich für die WorldSkills 2028 im japanischen Aichi zu qualifizieren. Dort geht es um den Weltmeistertitel.
Beste Voraussetzungen
Das Unternehmen Toni Maurer stellte kürzlich für das Training zu den EuroSkills 2027 die Werkstatthallen, das Equipment und neue Trucks zur Verfügung. Unterstützung kommt hier beispielsweise auch von Partnern wie dem Nfz-Teilespezialisten winkler. „Wir verfügen über eine optimale Infrastruktur, um den jungen Teilnehmern so viel wie möglich beizubringen“, so Holzmann. Am Training im August in Türkheim nahmen jeweils zwei Teilnehmer aus Deutschland, Schweden und der Schweiz teil. Ein Auszubildender im zweiten Lehrjahr begleitete das Training als Zuschauer.

Fünf Stationen, vielfältige Fehlerbilder

Die Vorbereitung orientierte sich an den Anforderungen des internationalen Berufswettbewerbs. An fünf Stationen mussten die Teilnehmer Fehler systematisch eingrenzen, Diagnosen stellen und Probleme beheben. Die Aufgaben deckten unterschiedliche Bereiche der Nutzfahrzeugtechnik ab, wie das Motormanagement und die Motormechanik, die Komfortelektrik und Messtechnik, die Bremsen und das Fahrwerk. Für jede Station standen 90 Minuten zur Verfügung, anschließend folgte eine halbstündige Pause. Die Arbeitssicherheit und der sachgerechte Umgang mit Werkzeugen und Fahrzeugen flossen ebenfalls in die abschließende Bewertung ein. „Als Richtwert gilt, dass mindestens 85 Prozent einer Station bewältigt werden müssen, um das geforderte Leistungsniveau nachzuweisen und die Teilnahme am Schlusswettbewerb in Düsseldorf zu sichern. Das Training verlangt damit nicht nur technisches Wissen, sondern auch strukturiertes Vorgehen, Zeitmanagement und Präzision unter Druck“, erzählt Holzmann.
Experten geben ihr Wissen weiter

Eine tragende Rolle bei den Trainings spielen ehemalige EuroSkills-Teilnehmer. Sie bereiten die Fahrzeuge gezielt mit Fehlerbildern vor, beobachten die Fehlersuche und bewerten die Ergebnisse. Zu ihnen gehört neben Holzmann auch Jörg Stotz, der 2005 bei den WorldSkills im Bereich Pkw-Mechatronik antrat. Die Arbeit erfolgt ehrenamtlich und häufig am Wochenende. Im Wettbewerbsjahr investiert ein Experte nach Holzmanns Angaben rund 40 Tage in die Vorbereitung und Begleitung des Wettbewerbs; in Jahren ohne Wettbewerb sind es etwa 20 Tage. „Dabei geht es nicht allein um die Durchführung einzelner Trainingseinheiten. Die Experten lernen die Teilnehmer kennen, finden deren Stärken und Schwächen heraus und können die Vorbereitung entsprechend ausrichten“, so Stotz.
Auch die Teilnehmer investieren viel Zeit. So kommen beispielsweise zusätzliche Einladungen von Lkw-Herstellern hinzu, bei denen sie neue Fahrzeuge näher inspizieren können. Holzmann beschreibt die Verbundenheit mit dem Wettbewerb: „Wer einmal bei den EuroSkills dabei ist, ist es meist sein Leben lang.“
Internationale Zusammenarbeit
Dass Teilnehmer aus mehreren Ländern gemeinsam trainieren, hat praktische und fachliche Gründe, so Holzmann. „Sie ermöglichen es, verschiedene Länder zu besuchen und unterschiedliche Arbeitsweisen kennenzulernen.“ Besonders wertvoll ist für Holzmann der fachliche Austausch: „Die Teilnehmer bringen unterschiedliche Herangehensweisen mit und können voneinander lernen. Das internationale Training ist damit nicht nur eine Vorbereitung auf den Wettbewerb, sondern auch ein Vergleich verschiedener Diagnose- und Problemlösungsstrategien.“

Die Voraussetzungen
Bei den EuroSkills dürfen die Teilnehmer höchstens 25 Jahre alt sein. Weitere Voraussetzungen sind gute bis sehr gute Leistungen in der Abschlussprüfung. Hinzu kommen Grundkenntnisse in Englisch und natürlich der Spaß an der Arbeit sowie Ausdauer und Willensstärke. „Die Förderung junger Talente steht vor allem in Hinblick auf die Fachkräfte der Zukunft im Vordergrund. Speziell in der Nfz-Branche ist es eine Herausforderung, an gute Fachkräfte zu gelangen“, erklärt Holzmann.
Die Trainings zu den EuroSkills bieten nicht nur eine Bühne für berufliche Spitzenleistungen. Sie machen auch sichtbar, wie wichtig eine frühe Talentförderung, die internationale Vernetzung und das Engagement erfahrener Fachkräfte für die Zukunft der Branche sind. Wer sich bewerben möchte, kann sich direkt an Thomas Holzmann (holzmann.tho@gmail.com) wenden.
Den Beitrag finden Sie auch in der Print-Ausgabe 4-2026 der Krafthand-Truck.












