Produkte von SEG Automotive für den Nutzfahrzeug-Aftermarket. Bilder: SEG Automotive
Starten, Laden, Speichern

SEG Automotive: Seit Jahren unter Strom!

Der Zulieferer SEG Automotive ist vergleichsweise jung und blickt dennoch auf einer über einhundertzehn Jahre währende Geschichte zurück. Tatsächlich ging das Unternehmen aus der alten Sparte ‚Startermotoren und Generatoren‘ der Robert Bosch GmbH hervor. Bereits 1914 baute Bosch Anlasser, 1922 wurde die Marke von 100.000 Lichtmaschinen erreicht.

Erster Starter von Bosch aus dem Jahr 1914. Bild: Robert Bosch GmbH, Unternehmensarchiv

Im August 2016 wurde der Traditionsbereich von Bosch in eine eigenständige Tochtergesellschaft ausgelagert. 2018 erfolgte der Verkauf des Unternehmens an ein chinesisches Konsortium und die Umfirmierung in SEG Automotive. SEG steht dabei für ‚Starter, Elektrifizierung (components for electrification) und Generator‘. Heute beschäftigt das unabhängige Unternehmen weltweit rund 6.000 Mitarbeitende in 14 Ländern. Hauptsitz und zentraler Forschungs- und Entwicklungsstandort ist Stuttgart.

Hohe Anforderungen an rotierende Maschinen

Die größten Herausforderungen für alle rotierenden Maschinen in Nutzfahrzeugen sind Feuchtigkeit, Wasser, Schlamm und Salz. Hinzu kommen Vibrationen und Stöße sowie hohe Temperaturschwankungen. Beispielsweise können in heißen Regionen oder unter hoher Motorlast die Temperaturen im Motorraum auf über +100 °C steigen. Im Off-Highway-Bereich wird dies durch Staub und Schlamm verschärft, die die Temperatur weiter erhöhen, indem sie das Kühlsystem verstopfen und wärmeisolierende Ablagerungen bilden.
Nutzfahrzeugmotoren benötigen Anlasser mit sehr hoher Leistung und hohem Startstrom. Auch bei Spannungsschwankungen, älteren Batterien oder einer instabilen Bordelektrik muss der Anlasser zuverlässig funktionieren. Hinzu kommen Start/Stopp-Systeme, insbesondere im Einsatz auf der letzten Meile, in Müllfahrzeugen, Lieferfahrzeugen und Stadtbussen, die den Anlassern einiges abverlangen.
Was die Lichtmaschinen angeht, müssen diese trotz des hohen Strombedarfs zahlreicher Verbraucher wie Klimaanlagen, Kühlanlagen oder Hydrauliksysteme zuverlässig funktionieren. Hinzu kommen Spannungsspitzen und Spannungsschwankungen im Bordnetz sowie die Herausforderung, tief entladene Batterien wieder aufzuladen. Zudem müssen die Generatoren dem kontinuierlichen Betrieb in Langstreckenfahrzeugen trotzen.

Neuer Starter für Nutzfahrzeuge

Der neue Anlasser wird auf denselben Fertigungslinien produziert wie die OE-Produkte und durchläuft identische End-of-Line-Prüfungen.

Kürzlich hat SEG Automotive das Portfolio für schwere Nutzfahrzeuge um einen Hochleistungs-Starter erweitert, Er ist sowohl in der Erstausrüstung (OE) als auch im Aftermarket verfügbar. Der Starter ersetzt das bisherige Modell im TecDoc-Katalog. Herzstück der Neuentwicklung ist eine zusätzliche vierpolige elektrische Erregerwicklung, die die Leistungsfähigkeit des Starters erhöht. Gegenüber dem Vorgängermodell bietet der Starter laut SEG eine höhere Lebensdauer, mehr Startzyklen, eine verbesserte Temperaturbeständigkeit sowie eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber rauen Einsatzbedingungen. Dank der Schutzklasse IP6K9K ist der Starter vollständig staubdicht und gegen Wasser bei Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung geschützt.

Generatoren für Nutzfahrzeuge

Die neuen Generatoren bieten bis zu 20 Prozent mehr Leistung.

Für Nutzfahrzeug-Werkstätten zählt vor allem eines: Fahrzeuge müssen schnell und zuverlässig wieder auf die Straße. Entsprechend hoch sind auch die Anforderungen an Generatoren, die unter anspruchsvollen Einsatzbedingungen dauerhaft zuverlässig arbeiten müssen. Um diesen Belastungen standzuhalten, unterzieht SEG Automotive seine Nutzfahrzeuggeneratoren umfangreichen Prüfungen. Klima- und Temperaturtests von –40 bis +140 °C, mehr als 1.000 Temperaturzyklen, Salzsprüh- und Spritzwassertests sowie Langzeit- und Vibrationsprüfungen sollen reale Einsatzbedingungen simulieren.
Auch technisch wurde die aktuelle Generatorengeneration weiterentwickelt. Im für den Praxisbetrieb relevanten Drehzahlbereich liefert sie bis zu 20 Prozent mehr Leistung, bietet eine verdoppelte Standardlebensdauer und eine um rund 30 Prozent höhere Temperaturbeständigkeit. Ergänzt wird das Portfolio für den Nutzfahrzeug-Aftermarket durch leistungsstärkere Varianten für Fahrzeuge mit besonders hohem Energiebedarf.

Boost Recuperation Machine (BRM) und 48V-Bordnetz

Mit der Boost Recuperation Machine (BRM) lässt sich das klassische 24-Volt-Bordnetz schwerer Nutzfahrzeuge um ein zusätzliches 48-Volt-System ergänzen.

Die sogenannte Boost Recuperation Machine (BRM) kann das klassische 24-Volt-Bordnetz schwerer Nutzfahrzeuge um ein zusätzliches 48-Volt-System ergänzen. Dadurch kann unter anderem Bremsenergie rekuperiert und in einer 48-Volt-Batterie gespeichert werden. Gleichzeitig stellt die BRM ausreichend Leistung für energieintensive elektrische Nebenaggregate wie Klimakompressoren, Kühlmittel- und Ölpumpen, Lüfter, elektrische Heizer für die Abgasnachbehandlung oder Komfortfunktionen wie Standklimaanlagen bereit.

Das 48-Volt-System trägt laut SEG auch zur Emissions- und Kraftstoffreduzierung bei. So können beispielsweise Komponenten der Abgasnachbehandlung schneller ihre Betriebstemperatur erreichen, was insbesondere im Nutzfahrzeugeinsatz Vorteile bietet.
Gegenüber dem herkömmlichen 24-Volt-Bordnetz ermöglicht die 48-Volt-Technologie bei gleichem Leitungsquerschnitt eine deutlich höhere Leistungsübertragung. Gleichzeitig sinken Stromstärke, Wärme- und Energieverluste sowie der Bedarf an schweren Kabelquerschnitten. Das reduziert Gewicht, steigert die Effizienz des Bordnetzes und schafft die Voraussetzungen für die zunehmende Elektrifizierung moderner Nutzfahrzeuge.

Batterien für Nutzfahrzeuge

Bei SEG Automotive geht es nicht nur ums Starten und Laden: Mit den sogenannten Power-Batteries bietet das Unternehmen jetzt auch Lkw-Batterien in verschiedenen Ausführungen an. Die integrierte ‚Magic Eye‘-Ladezustandsanzeige ermöglicht eine schnelle Kontrolle des Batteriezustands ohne zusätzliches Messgerät.
Dabei sorgen Plattenabscheider für die Betriebssicherheit, indem sie einen effizienten Stromfluss gewährleisten, Vibrationen standhalten und Kurzschlüsse zwischen den Platten verhindern. Dank der Labyrinth-Deckel-Technologie sind die Batterien wartungsfrei. Sicherheitsverschlüsse, Flammensperren sowie eine zentrale Entgasung sollen einen zuverlässigen Schutz vor dem Auslaufen bieten. Ein robustes Gehäuse und ein verstärkter Deckel sorgen zudem für eine hohe mechanische Belastbarkeit. Ein weiterentwickeltes Blei-Calcium-Gitter ergänzt das Gesamtkonzept und sorgt für eine geringe Selbstentladung sowie für eine hohe Korrosions- und Hitzebeständigkeit. Abgerundet wird das Leistungspaket durch eine Garantie von drei Jahren beziehungsweise von 12 Monaten für Batterien mit einer Kapazität ab 110 Ah.
Zur Auswahl stehen drei Batterietechnologien: die klassische Blei-Calcium-Batterie (SLI), die langlebige Enhanced Flooded Battery (EFB) sowie der leistungsfähige Absorbent-Glass-Mat (AGM-)Akku. SEG Automotive deckt mit den Batterien 90 Prozent aller Nutzfahrzeugtypen ab. Im Übrigen sind sämtliche Nfz-Produkte über TecDoc abrufbar und über den gut sortierten Aftermarket-Großhandel erhältlich.

Wiederaufbereitung (Reman)

Wiederaufbereiteter Generator von SEG Automotive.

Mit dem Remanufacturing-Programm bietet SEG Automotive zudem auch werksüberholte Anlasser und Generatoren in OE-Qualität. Die Aufbereitung erfolgt in europäischen Werken auf denselben Produktionslinien und nach denselben Standards wie Neuteile. Alle Produkte durchlaufen eine 100-prozentige End-of-Line-Prüfung. Das Portfolio umfasst rund 1.000 Teilenummern und bietet bei Rückgabe des Altteils einen Preisvorteil von etwa 25 Prozent gegenüber einem Neuteil.

 

Ausblick

SEG Automotive beobachtet nach eigenen Angaben die Entwicklung im Bereich Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen genau. Diese werde nach Marktprognosen zwar hohen Wachstumsraten verzeichnen, starte jedoch von einem niedrigen Niveau. Entsprechend misst das Unternehmen dem Verbrennungsmotor zwar ein rückläufiges, aber weiterhin signifikantes Geschäft bei. Für vollelektrische Nutzfahrzeuge biete man heute schon Lösungen für die Hersteller an. Sobald die Themen für den Aftermarket relevant würden, sei das Unternehmen entsprechend aufgestellt. Aktuell setzt SEG Automotive auf die 48V-Mildhybrid-Technologie – sowohl bei leichten als auch bei schweren Nutzfahrzeugen.

SEG Automotive ist (unter anderem mit seinen Nutzfahrzeugportfolio) auf der Automechanika in Halle 3.0, Stand C20 zu finden.

Den Beitrag finden Sie auch in der Print-Ausgabe 3-2026 der Krafthand-Truck.