Der eTopas 600 verfügt über eine Peak-Leistung von rund 692 kWh (zirka 940 PS). Ein zentraler Bestandteil des Thermomanagements ist eine Wärmepumpe. Sie sorgt für die Kabinenheizung, die Temperierung der Batterien und der Leistungselektronik. Die Endmontage erfolgt bei Steyr Automotive in Österreich. Bilder: SuperPanther
Im Gespräch mit Dr. Michael Ruf, SuperPanther

„Entscheidend ist die Zuverlässigkeit und die Performance im Betrieb.“

SuperPanther ist ein junger Player in der europäischen Nutzfahrzeugbranche. Erst 2022 wurde das Unternehmen im chinesischen Xiamen gegründet. Das Gründungsteam rund um CEO Chao Liu bestand aus Experten der Universität Tsinghua (Peking, China) und ehemaligen Continental-Managern. Das Unternehmen setzt auf einen modularen Systemansatz, verschiedene technologische Kompetenzfelder und ein E-Truck-Ökosystem. Seit 2024 ist SuperPanther in Europa präsent, der Hauptsitz ist im schwäbischen Heimsheim. Das Flaggschiff ist die 4×2 Zugmaschine eTopas 600. Wir haben uns mit Dr. Michael Ruf, Präsident für den europäischen Markt, über die Technik, die Markteintritts-Strategie, das Leistungsportfolio von SuperPanther sowie über Persönliches unterhalten.

Herr Dr. Ruf, wirft man einen Blick auf Ihren beruflichen Werdegang, so findet sich ein ‚Who is Who‘ von Deutschlands Top-Tech-Unternehmen. Sie bekleideten Positionen beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum DLR, bei Bosch, bei Harmann/Becker, bei Siemens sowie bei Continental und KraussMaffei. Was faszinierte Sie an einem ‚Start-Up‘ wie SuperPanther?

Wenn ich auf meinen beruflichen Werdegang zurückblicke, habe ich den größten Teil meiner Karriere in etablierten industriellen Strukturen verbracht – sei es beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, bei Bosch, Continental oder anderen Technologieunternehmen. Gerade deshalb habe ich ein recht klares Verständnis dafür entwickelt, wann sich eine Branche von technologischer Reife hin zu einem strukturellen Wandel bewegt.
Was mich an SuperPanther fasziniert hat, ist nicht das Label ‚Start-up‘, sondern vielmehr der Zeitpunkt und der gewählte Ansatz. Die Nutzfahrzeugindustrie befindet sich aktuell in einem klar definierten Transformationsfenster – vom Verbrennungsmotor hin zur Elektrifizierung und von einer primär hardwaregetriebenen Entwicklung hin zu einer stärkeren System- und Softwareorientierung. Der entscheidende Unterschied bei SuperPanther ist, dass das Unternehmen nicht aus einer traditionellen Architektur herausgewachsen ist, sondern von Beginn an konsequent auf Elektrifizierung und Systemintegration ausgelegt wurde. Genau das war für mich ausschlaggebend.

Auf der IAA Transportation 2024 in Hannover war die Marke SuperPanther mit einem Demo-Truck erstmals präsent. Jetzt machen Sie Nägel mit Köpfen. Der Produktionsstart des eTopas 600 bei Steyr Automotive in Steyr/Österreich steht unmittelbar bevor?

Der eTopas 600 verfügt über zwei integrierte Elektromotoren (Dualmotor) mit einer Dauerleistung von 394 kW (rund 535 PS). Die Systemspannung liegt bei 876 V. Optional ist MCS-Charging möglich. Das Leergewicht der Zugmaschine beträgt 10,8 Tonnen.

Wir haben inzwischen den Übergang vom Demonstrator zum validierten Entwicklungsfahrzeug abgeschlossen. Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit Steyr Automotive befinden wir uns aktuell in der finalen Phase der Industrialisierung des eTopas 600. Ein wichtiger Punkt dabei ist: Unser Ansatz ist nicht, ein in China entwickeltes Fahrzeug unverändert nach Europa zu übertragen. Vielmehr haben wir umfangreiche Anpassungen und Validierungen direkt vor Ort durchgeführt – einschließlich regulatorischer Anforderungen, Tests sowie der Integration in lokale Produktionsprozesse. Darüber hinaus haben wir von Anfang an insbesondere auch Anforderungen der europäischen Kunden in das Pflichtenheft des Fahrzeugs mit aufgenommen. Deshalb sprechen wir intern auch nicht davon, „in den europäischen Markt einzutreten“, sondern davon, ein Produkt innerhalb des europäischen Systems zu verankern. Der Serienstart ist für den Sommer 2026 geplant.

Erste Vorserienfahrzeuge sind bereits auf Deutschlands Straßen unterwegs. Beispielsweise wurde die ‚Dual-Gun-Ladetechnik‘ des eTopas 600 am Schnellladepark (zwei 400 kW Ladesäulen) am Autohof Inntal (Dettendorfer Energy) getestet. Welche Vorteile bietet die Technik?

Dr. Michael Ruf ist bei SuperPanther für den europäischen Markt verantwortlich.

Im Rahmen unserer aktuell laufenden Kunden-Testeinsätze haben wir die Dual-Gun-Ladetechnologie an verschiedenen Ladepunkten entlang realer Transportstrecken in Deutschland und Österreich erprobt. Dabei ging es um eine sehr konkrete Fragestellung: Wie lässt sich unter den heutigen Infrastrukturbedingungen die Ladezeit durch paralleles Laden möglichst weit reduzieren? Der Vorteil der Dual-Gun-Technologie liegt darin, dass sie innerhalb der bestehenden CCS2-Infrastruktur eine deutlich höhere effektive Ladeleistung ermöglicht. In unseren Tests konnten wir dabei eine stabil erreichte Ladeleistung von rund ‚10 kWh pro Minute‘ erreichen, mit Ladeleistungen von bis zu 650kW. Für den Kunden ist das kein reines Technologie-Feature, sondern ein klarer betrieblicher Vorteil. Innerhalb eines gegebenen Zeitfensters kann das Fahrzeug deutlich schneller wieder in den operativen Einsatz zurückkehren – vorausgesetzt, dass zwei entsprechende CCS-Ladepunkte verfügbar sind.

Unser Ansatz ist nicht, ein in China entwickeltes Fahrzeug unverändert nach Europa zu übertragen. Vielmehr haben wir umfangreiche Anpassungen und Validierungen durchgeführt.

Die Kerntechnologien wie die eAchse (Dualmotor), das Thermomanagement sowie die Leistungselektronik stammen aus eigenem Hause? Die LFP-Batterien von CATL?

Unsere zentralen Systeme – darunter die Dualmotor-eAchse, das Thermomanagement sowie die Hochvolt- und Leistungselektronik – basieren auf einer durchgehend eigenentwickelten Architektur. Bei den Batterien arbeiten wir mit CATL zusammen, einem etablierten und verlässlichen Partner in diesem Bereich. Unser Fokus liegt jedoch weniger auf einzelnen Komponenten, sondern auf der Gesamtarchitektur und der Gesamtintegration im Fahrzeug. Entscheidend ist, wie effizient diese Systeme im Zusammenspiel funktionieren.

Unsere zentralen Systeme – darunter die Dualmotor-eAchse, das Thermomanagement sowie die Hochvolt- und Leistungselektronik – basieren auf einer eigenentwickelten Architektur.

 

Dualladen eines eTopas 600. So lässt sich eine Ladeleistung von 10 kWh pro Minute erreichen.

Sind Chassis, Fahrwerk und Fahrerhaus beim eTopas 600 ebenfalls Eigenentwicklungen?

Auf der Ebene des Gesamtfahrzeugs verfolgen wir einen bewusst offenen Ansatz. Für die Kernsysteme und die Fahrzeugplattform verfügen wir über eigene Entwicklungs- und Integrationskompetenzen. Gleichzeitig greifen wir bei standardisierten und etablierten Komponenten – beispielsweise im Bereich Fahrerhaus – auf bestehende Partnerlösungen zurück. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass wir unsere technologische Eigenständigkeit in den entscheidenden Bereichen beibehalten und gleichzeitig die Entwicklungsgeschwindigkeit sowie die Marktfähigkeit erhöhen können.

Künstliche Intelligenz ist kein isoliertes Feature, sondern Teil einer durchgängigen Kette: von der Datenerfassung über Algorithmen bis hin zur Optimierung von Energieeffizienz und Betrieb.

Auf den Webseiten von SuperPanther ist von Full-Stack-Software und KI-gestützter Digitalsierung die Rede. Was steckt im Detail dahinter?

Wenn wir von ‚Full-Stack-Software‘ sprechen, meinen wir eine sehr konkrete Fähigkeit: Das Fahrzeug ist von Grund auf auf einer einheitlichen E/E-Architektur mit zentralen, Steuerungssystemen aufgebaut. Das ermöglicht unter anderem eine durchgängige Datenverfügbarkeit auf Fahrzeugebene, eine kontinuierliche Optimierung des Energiemanagements basierend auf realen Einsatzprofilen sowie die Möglichkeit, Software auch nach der Auslieferung weiterzuentwickeln. Intern sprechen wir in diesem Zusammenhang von einem ‚transparenten Fahrzeug‘ – also einem System, dessen Zustand zu jeder Zeit messbar, analysierbar und optimierbar ist. Künstliche Intelligenz ist dabei kein isoliertes Feature, sondern Teil einer durchgängigen Kette: von Datenerfassung über Algorithmen bis hin zur Optimierung von Energieeffizienz und Betrieb.

 

‚Transparentes Fahrzeug‘: Daten-Monitoring in Echtzeit beim SuperPanther eTopas 600.

Mit welcher Strategie möchten Sie den deutschen/europäischen Markt entwickeln? Ihr selbst gestecktes Absatzziel liegt bei 16.000 E-Lkw in Europa bis 2030. Stichwort: Anschaffungspreis, Dienstleistungem, TCO?

Strategisch verfolgen wir einen klar langfristigen Ansatz. Wir sehen den europäischen Markt nicht als einen Markt, der sich primär über den Preis erschließen lässt. Entscheidend sind hier vielmehr Zuverlässigkeit, Systemkompetenz und die langfristige Performance im Betrieb. Unser Vorgehen basiert auf vier zentralen Punkten: 1. Ein Angebot eines voll wettbewerbsfähigen Produkts der neuesten Generation speziell für den europäischen Markt, inklusive technologischer Highlights mit klaren Vorteilen für den Kunden. 2. Den Aufbau lokaler Produktions- und Servicekapazitäten über Partnerschaften, beispielsweise mit Steyr Automotive und Alltrucks. 3. Die Validierung der Produktleistung im realen Betrieb. Seit März haben wir mit einer ersten Gruppe von Kunden kontinuierliche Testeinsätze gestartet. Die Fahrzeuge sind täglich im realen Transportbetrieb unterwegs. Alle relevanten Betriebsdaten werden täglich transparent mit den Kunden geteilt. Auf Basis dieser Einsätze sehen wir aktuell in verschiedenen realen Anwendungsszenarien einen im Durchschnitt sehr nah bei ‚1 kWh pro Kilometer‘ liegenden Energieverbrauch – je nach Einsatzprofil leicht darunter oder darüber. Diese Daten bilden eine wesentliche Grundlage für die Investitionsentscheidungen unserer Kunden. 4. Darauf aufbauend streben wir eine schrittweise Skalierung auf Basis stabiler Betriebsperformance und positiver Marktrückmeldungen an.

Was die Total Cost of Ownership betrifft, halten wir es für sinnvoll, diese Diskussion auf Basis realer Einsatzdaten zu führen – und nicht auf Grundlage pauschaler Annahmen in einer frühen Marktphase.

Was die Service-Struktur angeht, hat SuperPanther letztes Jahr eine Kooperationsvereinbarung mit dem Werkstattnetzwerk Alltrucks (Bosch, Knorr-Bremse) geschlossen. Wie sieht es mit der Qualifikation der Mitarbeiter(innen), dem Recruiting und der Ersatzeilversorgung in Deutschland aus?

Mit dem Alltrucks-Netzwerk haben wir eine solide Grundlage für den Aufbau unserer Serviceinfrastruktur in Europa geschaffen. Entscheidend ist jedoch weniger das Netzwerk selbst als vielmehr der Aufbau entsprechender Fähigkeiten – dazu zählen Qualifizierungsprogramme für Techniker, der strukturierte Ausbau von Ersatzteilversorgung sowie der Aufbau von Remote-Service- und Diagnoselösungen. Diese Bereiche befinden sich aktuell im Aufbau und werden kontinuierlich auf Basis der Erfahrungen aus dem realen Betrieb weiterentwickelt.

 

Was den Fahrzeugservice angeht, so arbeitet SuperPanther an Qualifizierungsprogrammen für Techniker sowie an Remote-Service und Diagnoselösungen.

Aktuell sind die Rahmenbedingungen für deutsche Speditionen denkbar schlecht. Unter anderem sind die Kraftstoffpreise gestiegen, die Umsatzrendite ist fast bei null. Denken Sie es wird einen Schub in Richtung E-Trucks geben und wie unterstützt SuperPanther die Speditionen beim ‚Umsatteln‘?

Es ist unbestritten, dass die wirtschaftliche Situation vieler Logistikunternehmen derzeit angespannt ist – steigende Energiekosten und sinkende Margen sind eine Realität. Gleichzeitig ist die Elektrifizierung aus unserer Sicht keine Option, sondern eine Entwicklung, die sich aus regulatorischen, energetischen und kundenseitigen Anforderungen zwangsläufig ergibt. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob dieser Wandel stattfindet, sondern wie schnell dies passiert und daher wie er so gestaltet werden kann, dass er für die Betreiber wirtschaftlich tragfähig ist. Deshalb konzentrieren wir uns nicht nur auf das Fahrzeug selbst, sondern auch auf Themen wie Ladeinfrastruktur, damit verbunden weiterer Einsparmöglichkeiten für den Kunden, Betriebsunterstützung und Service – mit dem Ziel, eine realistische, wirtschaftlich tragbare und umsetzbare Transformationslösung anzubieten.

Nach guter Tradition zuletzt noch eine persönliche Frage: Was hat Sie kürzlich am meisten geärgert, was hat Sie am meisten gefreut?

Ich würde nicht von ‚geärgert‘ sprechen, aber es gibt durchaus Herausforderungen – insbesondere im Hinblick auf die derzeitige Unsicherheit im Marktumfeld. Dazu gehören beispielsweise Unterschiede im Tempo des Infrastrukturausbaus und der allgemeinen Transformation der Branche. Das ist jedoch ein Prozess, den alle Beteiligten aktuell durchlaufen. Außerdem sehen wir, dass wenn man heute auf Elektromobilität umsteigen will, dies auch mit dem bisherigen Stand des Infrastrukturausbaus bereits sehr gut funktioniert.
Was mich gleichzeitig besonders gefreut hat, ist etwas sehr Konkretes: Wenn ein Fahrzeug im realen Einsatz seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellt und positives Feedback von Kunden erhält, ist das äußerst motivierend. Und wenn genau wie wir, auch die Kunden den Schritt zum CO2-freien Transport vehement verfolgen, dann können wir gemeinsam etwas Positives für den Planeten schaffen. Genau das war letztlich auch der Grund, warum ich mich für den Schritt hin zu SuperPanther entschieden habe.

Den Beitrag finden Sie auch in der Print-Ausgabe 2-2026 der Krafthand-Truck.