Editorial

Was geht uns China an?

der letzte ZDK-Branchenindex ergab, dass in den Kfz-Betrieben die Stimmung sinkt. Und das, obwohl viele Werkstätten in den letzten Jahren mehr als genug zu tun hatten. Und auch die Neuwagen-Verkaufszahlen der vergangenen und des aktuellen Jahres wirklich wenig Anlass zu jammern gaben. Sind die Zukunftsängste der Kfz-Betriebe wirklich berechtigt oder auch ein Stück weit psychologisch bedingt?

Zumindest liegt dieser Gedanke nahe, angesichts der vielen Hiobsbotschaften aus der Autoindustrie. Die Autobauer wissen teils selber nicht so genau, was ist der Antrieb der Zukunft und wie Geld mit den E-Autos verdient werden soll. Zudem wird das Auto, früher des Deutschen liebstes Kind, teils verteufelt. Außerdem ist da der Handelskrieg zwischen China und den USA, der bereits einen deutlichen Rückgang der Autoverkäufe in Fernost zur Folge hat. Normalerweise werden dort in zwei Monaten etwa so viele Autos verkauft wie hierzulande in einem gesamten sehr guten Jahr.

Hinzu kommt, dass unsere britischen Freunde nicht mehr in der EU sein wollen. Ein Problem für die Zulieferer und Autobauer, weil Großbritannien eine wichtige Rolle für die Branche spielt. Bis 2015 stieg dort die Produktion um 25 Prozent auf 1,6 Millionen Autos. Im gleichen Jahr wurden 77 Prozent der britischen Automobilproduktion exportiert, vor allem in die EU. Gleichzeitig importierte das Vereinigte Königreich mehr als 2,2 Millionen Fahrzeuge, natürlich aus der EU. Selbst wenn dieser rege Handelsaustausch durch den Brexit nicht komplett zum Erliegen kommt, besser macht er die ganze Gemengelage nicht. Zölle und Abgaben haben ihren Preis, auf beiden Seiten.

Jetzt kann man fragen: Was gehen deutsche Werkstätten die Verkaufszahlen in China an oder der Handel mit UK? In einem Autoland wie Deutschland grundsätzlich sehr viel. In einer globalisierten Welt denken und handeln Autobauer und Zulieferer auch global, mit nationalen Auswirkungen. Hiesige Zulieferer bauen schon Stellen ab, Kurzarbeit droht bei anderen.

Nur muss die Krise in der Automobilindustrie nicht zwingend auch negative Auswirkungen auf die Reparaturbranche haben. Zwar sinken bei einer höheren Arbeitslosigkeit wie etwa in der Finanzkrise vor gut zehn Jahren die Autoverkäufe und die gefahrenen Kilometer. Dafür aber werden Autos noch länger gefahren – und müssen repariert werden.

benjamin.schleich@krafthand.de

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