Tieferlegung mit kürzeren Schraubenfedern
Tune it safe

Was härtere Schraubenfedern im Detail verändern

Nicht optimal: Nach wie vor ist es gängige Praxis, für Tieferlegungen nur die normalen gegen kürzere und härtere Schraubenfedern zu tauschen. Bild: Guranti
Dieser Beitrag ist Teil des Spezials: Fahrwerk- und Lenkungstechnik.
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Warum ein Tunen nur mit sportlichen Schraubenfedern Nachteile hat und wie Kfz-Profis das gegenüber ihrer Kundschaft argumentieren können.

Tunen von Autos ist insbesondere bei den jungen Autofahrern nach wie vor angesagt. Geht es dabei um ein cooleres optisches Erscheinungsbild, liegen Aluräder und die Tieferlegung immer noch an erster Stelle. Das Problem: Oft fehlt es am Geld, um eine Tieferlegung fachgerecht vornehmen zu lassen. Ein Federnsatz anstelle eines kompletten Fahrwerks inklusive auf kürzere Schraubenfedern abgestimmte Stoßdämpfer soll reichen. Und natürlich ist das auch möglich und bringt eine straffere Abstimmung, nur weiß jeder Kfz-Profi, dass dies eben nicht optimal ist.

Doch mit welchen Argumenten kann das der Fachmann untermauern, wenn er danach gefragt wird. Der Autor der KRAFTHAND-Broschüre „Vermessen und Einstellen von Pkw-Fahrwerken“ Jens Sternbeck schreibt dazu in seinem Kapitel 14 Folgendes:

„Zunächst ändert sich durch die Tieferlegung der Lenkroll-Halbmesser. Das Negative daran ist, dass dies meist den negativen Lenkroll-Halbmesser im Wert verkleinert oder sogar in den positiven Bereich schiebt. Kommt es zu einem positiven Lenkroll-Halbmesser, kann es schnell bei einseitig ziehenden Bremsen zum Schiefziehen des Fahrzeuges kommen.

Zusätzlich wird bei der nachträglichen Tieferlegung der Sturzwert weiter in Richtung negativ verändert. Dies beeinflusst ebenfalls wieder den Lenkroll-Halbmesser. Außerdem hat die weitere Verschiebung des Sturzes ins Negative eine Vergrößerung des Spreizungs-Winkels zur Folge. Eine Erhöhung der Radlager-Belastung folgt und wird mit erhöhtem Verschleiß der Radlager quittiert.

Zu guter Letzt erhöht sich der Spurwert ins Positive. Die Folgen sind ein erhöhter Reifenverschleiß und ein eventuell schlechterer Geradeauslauf. Nicht zu vergessen auch der Nachlauf. Dieser ändert sich ins Positive. Die Folgen sind hier erhöhte Rückstellkräfte, wobei der Sturz des kurvenäußeren Rades negativer wird und damit eine erhöhte Abstützung in Kurven mit sich bringt“.

Negatives kaschiert Positives

Wobei die „erhöhte Abstützung“ in Kurven ein positiver Effekt ist und – neben den an sich kürzeren und härteren Tuningfedern – zu der eingangs erwähnten strafferen Abstimmung führt, die letztlich höhere Kurvengeschwindigkeiten zulässt. Zur Wahrheit, die Kfz-Profis ihren nur zu einem semiprofessionellen Tuning bereiten Kunden sagen sollten, gehört aber auch:

    • Härtere, schlecht abgestimmte Fahrwerke haben in der Gesamtbetrachtung negativen Einfluss auf das Fahrverhalten.
    • Und passen Federn- und Dämpfer-Kennlinien nicht zusammen, sind negative Einflüsse auf die Fahrwerksabstimmung programmiert.

Daran ändert sich auch nichts, wenn die obligatorische Vermessung und Nachjustierung der möglichen Einstellungen am Fahrwerk erfolgten. Deshalb ist es von Vorteil, auf abgestimmte Fahrwerkspakete renommierter Hersteller zu setzen. „Diese sind auf das jeweilige Fahrzeug getestet und abgestimmt worden. Bezogen auf alle Achswinkel wurde eine vernünftige Kombination gefunden“, so Sternbeck in seiner Broschüre.