Titelbild Krafthand 18-19/2026
Ausgabe:

18-19/2026

Erscheinungstermin:24. September 2026
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Editorial

In der Branche alles gut oder was?

„Das Werkstattgeschäft hält die Branche stabil“, sagte ZDK-Präsident ­Thomas Peckruhn Anfang September anlässlich der halbjährlichen Umfrage des Verbands zur geschäftlichen Situation der Mitgliedsbetriebe. Seine ­Aussage basiert darauf, dass sich das Reparatur- und Wartungsgeschäft – im Gegensatz zu anderen Branchen – nach wie vor robust zeigt: Immerhin meldeten rund 45 Prozent der befragten Betriebe eine unveränderte Auftrags­lage, bei etwa 26 Prozent zeige sich sogar eine Verbesserung.

Alles gut also? Nein, denn knapp 30 Prozent sehen einen Auftragsrückgang, wenn sie in ihre Terminplaner schauen. Ob es sich dabei überwiegend um freie oder Markenbetriebe handelt, geht aus der ZDK-Mitteilung zur Halb­jahresprognose nicht hervor. Mich würde es aber nicht wundern, wenn die Negativäußerungen eher von den Vertragswerkstätten kommen. Denn ­bekanntlich sorgen die dortigen Neuwagenverkäufe zum großen Teil für die Auslastung der hauseigenen Werkstatt. Und genau hier liegt das Problem: Auch in diesem Jahr schwächelt der Absatz und wird erneut unter der ­3-Millionen-Marke bleiben. Der ZDK prognostiziert 2,95 Millionen Fahrzeuge. Ihr Übriges tun die inzwischen teils astronomischen Stundenverrechnungssätze vieler Servicebetriebe mit Markenlogo. Dass damit viele Kunden ­häufiger in den Freien eine Alternative sehen, wird niemanden überraschen.

Nachvollziehbar ist, dass der ZDK nun die Politik auffordert, bessere Rahmen­bedingungen für Unternehmen (z. B. zugunsten von Investitionen) zu schaffen, anstatt diese mit immer neuen Kosten und Vorgaben auszubremsen. Dieser Ruf erfolgt auch vor dem Hintergrund, dass Kfz-Betriebe ihr sauer verdientes Geld in immer kürzeren Abständen in neues Equipment stecken müssen, weil sich die Fahrzeugtechnik so rasant weiterentwickelt wie nie zuvor.

Zwar halte ich die ZDK-Forderung für richtig. Aber warum lässt man die ­Rolle der OEMs unerwähnt, die mit immer neuen kostspieligen Ideen und unnötigen Anforderungen ihre Händler ausquetschen? Oder den freien Markt mit stetig neuen Hürden für die Reparatur gängeln? Das alles treibt nicht nur Autohaus- und Werkstattinhaber auf die Palme, sondern eben auch die Preise und Stundenverrechnungssätze in die Höhe. Ich finde, es ist an der Zeit, dass das Kfz-Gewerbe den Autobauern gegenüber endlich mehr klare Kante zeigt. Aber können wir darauf hoffen?

torsten.schmidt@krafthand-medien.de


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