
Reparatur oder Teiletausch?
Auf noch keiner Automechanika stand der Service an E-Autos so im Fokus wie bei der diesjährigen Auflage im September. Und das, obwohl der E-Antrieb seit gut einem Jahrzehnt als Alternative zum Verbrenner auserkoren ist und viele Servicethemen lange bekannt sind. Dass Produkte und Dienstleistungen rund um den E-Autoservice gerade jetzt diesen Boom erleben, geht einerseits darauf zurück, dass die ersten reinen Stromer vermehrt in den freien Reparaturmarkt kommen und zum anderen, dass die Zeiten der dahindümpelnden Zulassungszahlen vorbei sind. Im September gehörten hierzulande fast 35 Prozent aller angemeldeten Neuwagen der batterieelektrischen Fraktion an.
Angesichts dieser Mengen bekommen es die Freien in einigen Jahren – und damit früher als gedacht – öfter mit E-Autos zu tun, bei denen eine Hauptkomponente des HV-Antriebs/-Systems streikt. Wie diese dann wieder flott gemacht werden, dafür gibt es – wie auf der Automechanika 2026 zu sehen – verschiedene Philosophien. Manche Unternehmen meinen, Werkstätten haben nicht die Zeit und Mittel, E-Maschinen, Getriebe oder den Akku selbst zu reparieren und offerieren Austauschkomponenten. Andere wiederum bieten Reparaturservices an (z. B. für Onboard-Charger), so wie etwa bei Steuergeräten üblich. Und dann gibt es noch die Zulieferer und Ausrüster, die Reparaturkits und/oder Werkzeuge für die Instandsetzung bestimmter Komponenten im Portfolio haben.
Es wird also nicht den einen Weg geben. Tendenziell dürften sich allerdings überwiegend Tauschlösungen oder Reparaturdienstleistungen durchsetzen. Doch bei den für Werkstätten reparierbaren Bauteilen – etwa die simplen Getriebe von E-Autos – wird es spannend, wohin das Pendel ausschlägt. Werden Werkstätten angesichts der mit wegfallenden Öl- und Zahnriemenwechseln einhergehenden Umsatzeinbußen mit selbst vorgenommenen Reparaturen ein Stück weit kompensieren können?
Diese Frage korreliert mit einer weiteren, die sich angesichts des Internetteilehandels und der Preistransparenz stellt: Müssen Kfz-Betriebe künftig mehr über die Arbeitszeit verdienen und folglich mehr davon verkaufen, um geringere Teilemargen wettzumachen? Dann gewinnt dort, wo es geht, das Reparieren von Komponenten an Bedeutung gegenüber dem reinen Teiletausch, der zugegeben schneller und risikoärmer ist (Stichwort: Gewährleistung). Wofür würden Sie sich entscheiden? Reparieren oder grundsätzlich tauschen?








