Ein IVECO X-Way vor dem Haupteingang der Produktionsanlagen in Madrid. Die Kennzeichnung ‚Pegaso‘ ist eine Hommage an den früheren, spanischen Nutzfahrzeughersteller. Pegaso wurde 1990 von IVECO übernommen. Bild: Georg Blenk
Die Lkw-Produktion bei IVECO in Madrid

Am laufenden Band…

Kürzlich konnten wir im Rahmen der S-Way-Experience einen Blick hinter die Kulissen der Lkw-Produktion von IVECO am Standort Madrid werfen. Er ist eines von 19 Produktionsstandorten weltweit. In der riesigen Anlage (rund 374.000 Quadratmeter) arbeiten 2.750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 25 Prozent davon sind Frauen. In 15 Wochenschichten produzieren die Mitarbeiter(innen) unter anderem den IVECO S-Way, den T-Way sowie den X-Way. Rund 140 Fahrzeuge verlassen pro Tag die Hallen. Im Übrigen hält IVECO weltweit 6.054 Patente.

Hohe Varianz, komplexe Prozesse

Lastgestützte Montagearbeiten am Vorderwagen eines S-Way 340. Bild: IVECO

Moderne Produktionsabläufe im Lkw-Bau sind digitalisiert und auf Effizienz, Flexibilität sowie Nachhaltigkeit ausgerichtet. Die Automatisierungsgrad ist jedoch längst nicht so hoch wie im Pkw-Bereich. So wird bei IVECO in Madrid auch verhältnismäßig viel Hand angelegt. Dennoch stellt sich die Produktion aufgrund der hohen Fahrzeugvarianz komplex dar. So wird nur durchschnittlich jede 3,2 Jahre exakt das gleiche Fahrzeug gebaut. In Zahlen ausgedrückt: In Madrid werden neun Baureihen, 267 unterschiedliche Modelle mit 2.648 Einzeloptionen hergestellt. Das ergibt 41.524 Varianten. Dabei verbaut man pro Fahrzeug rund 30.470 Einzelteile. Dabei ist jedes größere Bauteil, jede angelieferte Baugruppe über QR- oder RFID-Codes rückverfolgbar (Traceability).

 

 

‚Hochzeit‘: Ein XCursor-Motor, inklusive Getriebe kurz vor der Montage. Bild: IVECO

Durchgetaktet

Der Einbau der Armaturentafel erfolgt gerätegestützt. Bild: IVECO

Die Taktzeit in Madrid beläuft sich durchschnittlich auf 6,56 Minuten je Montagestation. Dies erscheint auf den ersten Blick großzügig, gibt aber den Mitarbeiter(innen) die gebotene Zeit in aller Sorgfalt und Genauigkeit zu arbeiten. Unterstützt werden die Monteure durch fahrerlose Transportsysteme (FTS). Sie liefern einzelne Baugruppen ‚Just-in-Sequence‘ (JIT) an die Stationen. Beispielsweise werden die vormontierten Motoren, inklusive Getriebe, Turbolader und Kabelbaum quasi selbstständig zum Fahrzeug transportiert. Für die ‚Hochzeit‘ sorgen entsprechend geschulte Mitarbeiter(innen) mit Hilfe eines Hebekrans und entsprechendem Drehmomentwerkzeugen für den Einbau. Tatsächlich faszinierend wie eingespielt und rasch die Montage der rund 1.018 Kilogramm schweren Antriebseinheit (ohne Getriebe) einher geht. Im Übrigen unterstützen an jeder Montagestation entweder Industrieroboter oder Hebe- und Schwenkeinrichtungen die Mitarbeiter(innen) bei der Montage. Das Vorschlagswesen, im Sinne eines permanenten Verbesserungsprozesses, trägt zur stetigen Optimierung des Montageprozesses bei. Dabei spielt nicht nur die Effizienz eine Rolle, vielmehr die Ergonomie und Arbeitssicherheit.

Das Signé ‚IVECO‘ wird vollautomatisch von einem Roboter auf der Fronthaube aufgebracht. Bild: IVECO

 

Beispiel S-Way

Der neue IVECO S-Way kommt jetzt mit Rückspiegelkameras daher. Bild: Georg Blenk

Einer der Lkw, der die Produktionshallen in Madrid verlässt, ist der neue IVECO S-Way in unterschiedlichsten Varianten. Das Fahrzeug kommt mit zahlreichen Neuerungen daher. So wird der neue XCursor 13 Motor von FPT Industrial verbaut. Er sorgt laut IVECO durch verschiedene innermotorische Maßnahmen für einen um zehn Prozent verringerten Kraftstoffverbrauch im Vergleich zum Vorgängermodell. Maximal leistet der Sechszylinder-Reihenmotor 580 PS bei 2.800 Nm. Die optimierte Luftzufuhr des XC-13 ermöglicht mit Hilfe eines elektronisch gesteuerten EVGT-Turboladers ein ‚Downspeeding‘. Das bedeutet, die Motordrehzahl kann bei gleicher Leistung reduziert werden, was den Kraftstoffverbrauch senkt, das Ansprechverhalten und die Verbrennungseffizienz verbessert. Tatsächlich konnte man das bei den Probefahrten im Hinterland von Madrid persönlich erfahren – Laufruhe und richtig ‚Durchzug‘ von unten. Dabei handelt es sich beim XC13 um einen Multifuel-Motor, der neben Diesel mit CNG, LNG, HVO100 und mit geringen Anpassungen, auch mit Wasserstoff betrieben werden kann.

Das neue Innenraumdesign der S-Way Baureihe. Bild: Georg Blenk

Ferner verfügt der neue S-Way über eine neue Hochleistungs-Motorbremse (HPED) von Jacobs Vehicle Systems (eine Kombination aus Dekompressions- und Abgas-Gegendruckbremse), einem HI-Tronix-Getriebe der zweiten Generation sowie eine längere Hinterachs-Übersetzung (2.17 / 2.06). Hinzu kommen eine aktive Lenkung, adaptive Cruise Stop&Go, neue kamerabasierte Rückspiegel, ein verbessertes GPS sowie ein neuer Tempomat mit unterschiedlichen Fahrmodi. Last but not least hat IVECO dem S-Way auch ein neues Exterieur- und Innenraumdesign spendiert. Letzteres gliedert die Fahrerkabine in den Driver-Bereich, den Ablagebereich sowie den Ruhebereich. Der neue S-Way, einer von vielen, ‚Made in Spain‘.

 

Den Beitrag finden Sie auch in der Print-Ausgabe 3-2025 der Krafthand-Truck.