Rudolf Guranti, Redakteur der KRAFTHAND
Rudolf Guranti, Redakteur der KRAFTHAND

Einer der größten Kritikpunkte der Elektromobilität sind die Ladezeiten der Akkus.

E-Mobilität hat es in Deutschland schwer

der Funke für Elektroautos will hierzulande einfach nicht überspringen und führt deshalb nach wie vor ein Nischendasein. Obwohl das Angebot an reinen Elektroautos wächst: Der Autofahrer kann aktuell unter 27 Stromern wählen, vom Luxusmodell Tesla bis zum Kleinwagen Smart. 2018 wurden in Deutschland bis Ende Mai rund 1,43 Mio. Diesel- und Benzinerfahrzeuge neu zugelassen, aber gerade mal 14.583 E-Exemplare. Woran hakt es?

Meiner Meinung nach sprechen viele Gründe dagegen: zu geringe Reichweite, zu wenig Ladesäulen und die hohen Anschaffungskosten, trotz der mit Steuergeldern finanzierten Kaufprämien. Laut ADAC fährt nur derjenige umweltfreundlich und günstig, der am Arbeitsplatz kostenlos laden kann und zu Hause eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat. Das Problem ist nur: Das ist eine kleine Minderheit. Für die meisten Autofahrer dagegen ist ein Elektrofahrzeug noch zu teuer und zu unpraktisch. Das können auch die geringeren Betriebskosten kaum ausgleichen. Bisher haben nach Angaben des KBA Firmen, Behörden und Verbände rund 70 Prozent der E-Modelle gekauft. Nur 30 Prozent der Kunden sind Privatleute und die sind eher Hausbesitzer im sogenannten Speckgürtel von Großstädten als Mieter und Laternenparker. Und wo sollten die ihr Fahrzeug laden?

Auch die Umweltbilanz sieht bei einem E-Mobil momentan schlecht aus. Keines dieser Fahrzeuge fährt derzeit CO2-frei, weil bei der Batterieherstellung mehr Kohlendioxid anfällt als bei einem neuen Dieselmotor, der 100.000 km fährt. Außerdem werden für die Herstellung größerer Akkus, die höhere Reichweiten bieten, deutlich mehr Rohstoffe verbraucht. Stichwort seltene Elemente, wie beispielsweise Cobalt, das zu großen Teilen in China gefördert wird. Das heißt für mich: Auch wenn man die Ressourcenverfügbarkeit von Erdöl auf Metalle verlegt, löst dies das Problem der Abhängigkeiten nicht, sondern es verändert sie nur. Experten forschen zwar bereits an entsprechenden Batterietypen. Allerdings dürften bis diese Akkus serienreif sind noch einige Jahre vergehen.

Meiner Meinung nach wird der Markt in einigen Jahren ein besseres Fahrzeugangebot bieten, mit einer Vielzahl an neuen Modellen, die bezahlbar sind und vor allem mit höheren Reichweiten punkten. Dann hat es die E-Mobilität auch nicht mehr so schwer in Deutschland.

rudolf.guranti@krafthand.de


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