Editorial

Die Party ist vorbei

wenn am 12. September die IAA ihre Pforten öffnet, werden vor allem viele Brancheninsider aufmerksam verfolgen was in Frankfurt abgeht. Dabei dürften sie in diesem Jahr gespannter als je zuvor auf die Mainmetropole blicken. Nicht etwa, weil im Vorfeld der Automobilmesse neue Produkthighlights und automobile Trends die Berichterstattung dominierten. Vielmehr standen die Absagen zahlreicher Autobauer im Fokus – etwa von Volvo, Toyota, Mazda, Peugeot oder Nissan.

Verbunden damit kommen immer wieder die Fragen auf: Haben sich Messekonzepte in der digitalen Zeit überholt? Erreichen die OEMs – so wie es einige vorhaben – mit regionalen Roadshows oder anderen Maßnahmen ihre potenziellen Kunden besser? Ich denke, die Wahrheit ist: Messen haben sich ebenso wenig überlebt, wie die Bedeutung von Roadshows in Frage zu stellen ist.

Aber auch die Stimmungsmache militanter Autogegner – die sogar Proteste rund um die Automesse angekündigt haben – trägt nicht dazu bei, dass die diesjährige IAA unter einem guten Stern steht. Natürlich nutzt auch die DUH die Gelegenheit, um vor allem auf die deutschen Autobauer einzudreschen. Sie würden die E-Mobilität nicht ernsthaft vorantreiben und lieber auf SUVs setzen, heißt es sinngemäß in einem Statement. Während man diese Meinung je nach Gesichtspunkt noch teilen kann, entbehrt folgende These der Umwelthilfe allerdings jeglicher Grundlage: „Die Absage anderer europäischer, asiatischer und innovativer US-Autobauer geht auf eine falsche Schwerpunktsetzung auf Klimakiller-Fahrzeuge zurück.“

Das ist natürlich Unsinn: Diese Behauptung lässt nämlich völlig außer Acht, dass etwa der Brexit und der Handelsstreit zwischen den USA und China stark auf die Stimmung in der Automobilindustrie drücken. Vielmehr sage ich: Die Party ist einfach vorbei – vorerst. Die weltweite Nachfrage nach neuen Autos sinkt. Zum Nachfragetief gesellen sich die hohen Investitionen in die E-Mobilität, mit der sich (noch) kein Geld verdienen lässt und die sicher auch bei dem einen oder anderen OEM teure Messeauftritte in Frage gestellt haben.

Das ist schade, bedeutet aber noch lange nicht, dass das Auto und alle, die davon leben und zu denen auch die IAA gehört, am Ende sind. Letztlich erfüllt die Automobilmesse wie schon seit vielen Jahren ihre Aufgabe und spiegelt – wie auch in den fetten Jahren – was abgeht. Nicht zuletzt deshalb kann man sagen: Der Automobilbranche stehen keine tiefgreifenden Umwälzungen bevor. Vielmehr ist sie schon mittendrin, in dem lange prophezeiten Transformationsprozess.

torsten.schmidt@krafthand.de

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