Traumwelten: KRAFTHAND-Redakteur Torsten Schmidt über seine IAA-Highlights

Die Crossover-Studie 'Quarz' von Peugeot verbindet Elemente eines SUV und eines Coupés. Fotos: IAA, Schmidt

Den beeindruckendsten IAA-Auftritt hat Audi. Nicht etwa, weil ich ein eingefleischter Fan der Marke mit den vier Ringen bin. Und auch nicht, weil mich der neue A4 vom Hocker gerissen hat. Dafür überrascht er zu wenig – sowohl im Design als auch technisch. Natürlich ist der A4 ein gelungenes Auto, vollgepackt mit allerlei technischen Highlights. Nur: Löst er das Audi-Versprechen ‚Vorsprung durch Technik’ tatsächlich ein? Nein. Denn der A4 hat nichts, was BMW und Mercedes-Benz nicht auch können.

Warum also trotzdem zu Audi gehen? Ganz einfach: Die Ingolstädter glänzen mit einem außergewöhnlichen Gesamtauftritt. Schon der Zugang in die Agora – so nennt sich die eigens zur IAA gefertigte Halle für Audi – ist ein Muss für jeden Besucher. Nach der Auffahrt mit der Rolltreppe taucht man in einen dunklen breiten Korridor ein. Dieser beeindruckt durch sein wechselndes Lichtspiel und mündet in einer Kältekammer. ‚Home of Quattro’ ist dort in dezenten Lettern zu lesen, auf einer Wand aus Eis.

Die Nacht von Le Mans
Haben die Besucher diesen Bereich passiert, werden sie von roten und weißen LED-Lichtbändern an den Wänden und der Decke empfangen. Im Ohr einen dezenten Motorensound aus dumpfen Bässen, fühlt man sich in die Nacht des 24-h-Rennens von Le Mans versetzt. Passend dazu wartet am Ende des Korridors ein entsprechender Rundstreckenrennwagen von Audi.

Erst jetzt wird der Blick in die Halle frei. Hier setzt die Volkswagen-Tochter seine Premiumwagen standesgemäß in Szene. Die an den Wänden befestigten Fahrzeuge signalisieren, wofür die Marke den Marketingstrategen zufolge steht, nämlich Sportlichkeit und Fahrdynamik. Aufgrund der gelungenen Lichteffekte entsteht der optische Eindruck, die Audis fahren an den Wänden entlang – wie dieses Video zeigt.

Dieses Fahrzeug überraschte positiv
Neben der Audi-Traumwelt gibt es auf der IAA mit den Porsches, Bugattis, Lamborghinis, Ferraris eine ganze Reihe an Fahrzeugen der Gattung Traumauto zu sehen. Wobei ich mich stets frage: Sagt man Traumautos, weil sie so traumhaft schön sind? Oder weil sie so teuer sind, dass sie für 99,99 Prozent nur ein Wunschtraum bleiben werden? So oder so – fürs Auge haben diese Fahrzeuge viel zu bieten. Anders verhält es sich mit dem neuen Volkswagen Tiguan, der sicher nicht zu den billigen Fahrzeugen zählt, dafür umso mehr zu den bodenständigen. Zweifellos gehört er zu den Highlights der IAA. Ist es doch den Wolfsburgern endlich gelungen, einen massentauglichen SUV auf die Räder zu stellen. Zudem haftet dem Tiguan nicht mehr das Brave und Biedere des Vorgängers an. Sicher: Es gibt Spektakuläreres wie die 2. Generation des Tiguan, die 2016 an den Start geht. Aber dafür stand VW nie und wird es wohl auch künftig nicht. Das müssen die Wolfsburger auch gar nicht.

Verbindung von SUV und Coupé
Studien und Concept-Cars indes müssen spektakulär sein – wenn auch nicht immer schön. Wie sich Designer das Automobil der Zukunft vorstellen, davon gibt es in Frankfurt reichlich zu sehen. Welche beeindrucken dabei am meisten? Zweifellos eine schwere Entscheidung. Beispielsweise sieht der Peugeot Quarz toll aus – nicht zuletzt, weil die Crossover-Studie Elemente eines SUV und eines Coupés verbindet. Darüber hinaus steht der Wagen auf imposanten Schlappen von 305 mm Breite.

Realitätstauglichkeit
Während der Franzose mit seinem knapp 370 kW starken Hybridantrieb durchaus Realitätstauglichkeit ausstrahlt, zeigt sich in der Halle von Mercedes-Benz ein auf Windschnittigkeit optimiertes Concept-Car davon noch weiter entfernt. Dafür ist an dem Daimler-Gefährt zu sehen, was künftig hinsichtlich des cw-Werts möglich ist. Dieser liegt nämlich gerade mal bei 0,19. Maßgeblich trägt die stromlinienförmige und gecleante Karosserie bei, um im Tuningjargon zu sprechen. Türgriffe gibt es nicht. Gleiches gilt für die Außenspiegel. Vielmehr sind diese durch Kameras und Monitore im Armaturenbrett ersetzt. Continental zeigt auf seinem Stand, dass der digitale Rückspiegel nicht mehr fern ist.

‚New Mobility World‘
In Halle 3.1. geht es um die mobile Zukunft, das Zusammenwachsen von Auto und Smartphone sowie alternative Technologien. Das Motto hier: ‚New Mobility World‘. Doch so vielversprechend der Ansatz – etwas mehr Show und Spektakel hätte der Halle gut getan. Bei all den guten Ideen und Ansätzen, die teils von Start-ups präsentiert werden: So mancher Besucher dürften sich in der Halle von ‚New Mobility World‘ etwas verloren vorkommen.

City-Racer mit 13,5 kg
Ich habe dennoch ein Highlight für mich entdeckt. Als Radfan hat mich das Coboc-eCycle begeistert. Der City-Racer bringt 13,5 kg auf die Waage, was für ein Bike mit Elektroantrieb nicht viel ist. Doch viel mehr noch überzeugt das Rad, weil es im Aussehen auf das Wesentliche reduziert ist. Fast so, wie das nur 5,8 kg schwere Rennrad im Audi-Pavillon. Dort schließt sich der Kreis beim Thema Traumfahrzeuge. 17.800 Euro wollen die Ingolstädter für den Carbon-Renner. Ein Preis, den ich nicht mal im Traum zahlen würde.

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