Zu Ende denken, ZED
VW Golf II (Typ 19E, Baujahr 1986)

Kupplung mit Rauchzeichen

Bild: Krafthand

Ein Kunde, der bei uns vor einiger Zeit einen gebrauchten Volkswagen Golf II (Typ 19E, Baujahr 1986) als Zweitauto erstanden hatte, reklamierte nun merkwürdige Gerüche aus dem Motorraum. Die Ausdünstungen riechen wie nach verbranntem Gummi oder Kunststoff. Anfangs war der Geruch nur kurz wahrnehmbar, aber seit drei Tagen wird es immer schlimmer“, erklärte der Fahrer dem Annahmemeister. Allerdings konnte unser Mann bei der gemeinsamen Probefahrt nichts feststellen oder gar riechen. Die Komponenten Kupplung, Motor und Auspuff waren ohne Tadel.

Einige Monate und etliche Kilometer später, fuhr der Wagenbesitzer wieder auf unseren Hof. Diesmal reklamierte er mahlende Getriebegeräusche. Gemeinsam mit dem Kunden fuhr der Annahmemeister den Golf auf die Hebebühne. Schon kurz nach dem Motorstart roch es stark nach verbranntem Gummi und verbrannter Kupplung, wie der Kunde schon einmal reklamiert hatte.

Nach dem Öffnen der Motorhaube prüfte der Mechatroniker den mechanischen Kupplungszug und wollte diesen gegebenenfalls nachstellen. Hierfür betätigte der Kunde das Kupplungspedal und jetzt erkannte unser Werkstattfachmann das Problem. Beim Tritt auf das Pedal trat ein sogenanntes Gleitröhrchen komplett aus dem Kupplungsseilzug hervor und krempelte sich am Anfang der Kunststoffführung zusammen. Unser Annahmemeister ging davon aus, dass dies nicht zum ersten Mal passierte. Da die Kupplung so nicht mehr hundertprozentig trennte, erhitzte sich der Kupplungsbelag stark. Vermutlich war dies auch die Ursache für den Gestank.

Defekte Kupplungskomponenten

Nach Rücksprache mit dem Wagenbesitzer flanschte unser Mechatroniker das Getriebe vom Motorblock ab. Anschließend demontierte er die Kupplungsdruckplatte mit Kupplungsscheibe. Nun kam die ganze Misere zum Vorschein: Die Lamellen der Druckplatte waren blau angelaufen und fast durchgeschliffen. Auch der Kupplungsbelag war fast vollständig abgeschliffen, selbst an den Befestigungsnieten waren Schleifspuren zu sehen. Für uns stand fest, die Kupplung hat nie richtig getrennt, was aber beim Fahren nicht weiter auffiel. Anscheinend hatte sie in der letzten Zeit ständig leichten Schlupf. Das erklärte für uns auch die entsprechende Überhitzung und die Geruchsbildung.

Unser Kfz-Mechatroniker reinigte die betroffenen Bauteile und erneuerte die fehlerhaften Kupplungskomponenten. Zudem verbaute er ein neues Kupplungsseil und stellte das entsprechende Kupplungsspiel ein. Nach einer ausgiebigen Probefahrt übergaben wir das Fahrzeug wieder dem Kunden.

Unser Mann prüfte zusammen mit dem Annahmemeister nun den alten Kupplungszug. Zu sehen war, dass sich das kleine Gleitrohr im Inneren einen Weg durch das Abschlusskunststoffteil gebohrt hatte. So konnte das Röhrchen manchmal mit oder ohne Metallmantel hindurchgleiten. Blieb das Gleitrohr wie gewollt stehen, trennte die Kupplung einwandfrei. Bewegte sich dieses jedoch weiter oder blockierte, roch die Kupplung verbrannt. Wir tippten auf einen Materialschaden, da das Kupplungsseil noch nicht die üblichen Verbrauchsspuren aufwies.

Helfen Sie mit, unser Onlineangebot zu verbessern!

Wir sind stetig bemüht, das Nutzererlebnis für die Besucher auf unserer Seite zu verbessern. Helfen Sie uns und nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit um an unserer anonymen Besucherumfrage teilzunehmen.

Hätten Sie die Lösung gewusst?

Das war ein Zu-Ende-denken-Fall – einer von vielen kniffligen Fällen aus dem Werkstattalltag.

Knifflige Werkstattfälle gibt es übrigens auch als Buch: