Statements zum Polestar 4

Ein Auto – drei Meinungen

Drei Redakteure der Krafthand haben den Polestar 4 einem Praxistest unterzogen und hier aufgeschrieben, wie sie zufrieden waren

Der Polestar 4 ist mit 544 PS eine Rakete. Doch was denken die Redakteure?

Sebastian Schuster

Beim Blick auf das sportliche Coupé, höhergelegt in SUV-Manier, hatte ich keine

hohen Erwartungen an das Fahrwerk. Auf allen Hochzeiten kann man nun mal nicht tanzen und ein gewisser Zielkonflikt müsste in puncto Fahrwerk bestehen. Doch weit gefehlt: Der Polestar 4 hat sehr überzeugende Fahreigenschaften, die jeder zu stark auf komfortables SUV noch auf sportliches Coupé ausgerichtet sind. Ein guter Mix, der sich sicher auch auf die semiaktive Federung zurückführen lässt. Ebenfalls ein Lob bekommt der Antrieb, der mit 544 PS selbstredend eine Wucht ist. Der einzige (kleine) Wermutstropfen betrifft bei mir nicht das Fahren, sondern das Anhalten: Trotz sehr dosiertem Gefühl am Gaspedal ist ein ruckfreier Stillstand fast nicht möglich. Nicht schlimm, aber beim Stop and Go nervig.

Torsten Schmidt

Sieht schön aus und macht Spaß. Der Polestar 4 ist eine Rakete, bei der es nichts zu meckern gibt. Doch so groß der Funfaktor ist, solche leistungsstarken E-Autos sind eigentlich ein fahrender Widerspruch. Denn bei Polestar, wo vielleicht noch mehr als bei anderen OEMs bei Produktion und Lieferketten auf möglichst geringen CO2-Ausstoß geachtet wird, scheinen die Nachhaltigkeitsbestrebungen beim Stromverbrauch zu enden. Schließlich ist hierzulande noch längst nicht jede kW-Stunde CO2-neutral produziert und der Verbrauch des 544-PS-Boliden ganz schön stattlich. Häufig lag er bei oberhalb 25 kWh/100 km. Wer das Gaspedal noch öfter durchdrückt, schafft auch mehr. Aber genau gesehen ist das immer noch effizienter als ein Verbrenner: denn 25 kWh entsprechen real etwa 7 – 9 l Benzin.

Christine Waldmann

Modernes Fahrzeugdesign bedeutet schon seit Jahren, dass Heckscheiben immer kleiner werden und für meinen Geschmack zu wenig Überblick bieten. Für mich ist die immer ausgefeiltere und umfassendere Kamera- und Sensortechnik aber kein Ersatz für einen direkten beziehungsweise über den Rückspiegel indirekten Blick auf das Geschehen hinter mir. Der Polestar 4 setzt jetzt allerdings noch eins drauf: Es gibt überhaupt keine Heckscheibe mehr. Damit ist der Fahrer auf Gedeih und Verderb auf die Rückfahrkamera und die von dort auf den Spiegel projizierten Bilder angewiesen. Und wenn diese Technik, wie in meinem Fall geschehen, stört oder gar ausfällt, ist man verloren. Schade, denn alles andere an dem Wagen bekommt auch von mir einen Daumen hoch.

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