Fahrbericht Polestar 4

SUV-Coupé der Extraklasse

Der Polestar 4 zeigt bereits außen durch seine fehlende Heckscheibe, dass er nicht gewöhnlich ist. Das setzt sich in neuen, markanten Merkmalen im Innenraum fort

Unter seinem Blechkleid bietet der Polestar 4 interessante Features: So etwa deaktiviert sich der vordere Motor durch Umschalten vom Performance- auf den Reichweitenmodus. Bilder: Schuster

Die Marke Polestar, hervorgegangen aus dem chinesischen Geely-Konzern, zu dem auch Volvo gehört, hat bereits die Modelle 2, 3 und 5 auf dem Markt. Nun folgt der Polestar 4, der in manchen Punkten extravagant ist: etwa durch die fehlende Heckscheibe. Dieses außergewöhnliche Merkmal – trifft es doch eher auf Transporter und Kastenwagen zu – hat zwar einige Vorteile, fand in der Redaktion jedoch nicht ausschließlich Freunde. Die (berechtigte) Kritik lässt sich auf der rechten Seite nachlesen. Zunächst jedoch zu den Details und möglichen Beweggründen für den Verzicht der Heckscheibe.

Verzicht auf Heckscheibe

Wie in der Coupé-Bauform üblich, hat der Polestar 4 eine flach abfallende Dachlinie. Damit ist der Karosserieabschnitt über dem Kofferraum stark geneigt, und würde selbst bei vorhandener Heckscheibe nur wenig Sicht vom Fahrerplatz nach hinten bieten. Nun kommt hinzu, dass der Polestar 4 als Fünfsitzer drei Kopfstützen für die Passagiere im Fond bereitstellt – was die Sicht nochmals weiter einschränkt. Die Kombination aus stark flach abfallender Dachlinie sowie den drei Kopfstützen im Fond verhindern also die Sicht nach hinten fast völlig.

Das Resultat: Die Ingenieure des Automobilherstellers entfernten die Heckscheibe und konnten dadurch die Karosserieform noch etwas in Richtung Coupé verschieben. Doch durch die fehlende Heckscheibe ergab sich ein Knackpunkt an anderer Stelle: Der Innenspiegel war nun obsolet und zeigte das Geschehen hinter dem Fahrzeug nicht mehr an. Die Lösung des Problems ist so einfach wie ausgefallen, denn der Polestar 4 hat neben einem Radar und zwölf Ultraschallsensoren serienmäßig zwölf Kameras verbaut, von denen eine mittig am Heck sitzt. Eine Liveübertragung dieses Videostreams erfolgt auf einen Bildschirm im Format des Innenspiegels, der diesen ersetzt.

Der Bildschirm des Innenspiegels lässt sich umschalten, um die hinteren Passagiere zu sehen.

Technik und Antrieb

Der Polestar 4 ist von allen angebotenen Modellen des Herstellers das schnellste. So gelingt der Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden bei einer maximalen Leistung von 400 kW (544 PS). Letzteres gilt für die Allradvariante „Dual Motor“. Die „Single Motor“-Ausführung mit Hinterradantrieb kommt auf die Hälfte der Leistung, also 200 kW (272 PS). Zum aktuellen Zeitpunkt sind beide Modelle nur in der Long-Range-Ausführung erhältlich, mit einer Batteriekapazität von 100 kWh sowie einer Reichweite von 590 Kilometern (Dual Motor) beziehungsweise 620 Kilometern (Single Motor). Bei den E-Maschinen handelt es sich um permanentmagnetische Synchronmotoren. Der vordere ist über eine Trennkupplung vom restlichen Antriebsstrang abkoppelbar, was Reichweite und Effizienz erhöht.

Interessant: Der Polestar 4 hat als eins der wenigen E-Automodelle ein Wechselstrom-Ladegerät mit 22 kW an Bord. Per Gleichstrom lässt er sich mit 200 kW laden. Die Hardware der Vehicle-to-load-Funktion (zur Versorgung externer Geräte mit Strom) ist vorhanden, wird jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar sein. Eine Wärmepumpe ist serienmäßig verbaut.

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