
Daten sind nicht alles
Wartungs- und Reparaturdaten sowie fahrzeuggenerierte Daten aus Kundenfahrzeugen sind und werden für freie Werkstätten wichtig, um im Wettbewerb bestehen zu können. Was die EU nun dazu beschlossen hat und warum Daten zwei Dinge nicht ersetzen können, erklärt Chefredakteur Torsten Schmidt.
So oft und berechtigt die EU in der Kritik steht: Mit ihrer Evaluierung der Kfz-Gruppenfreistellungsverordnung (Kfz-GVO) Ende Juni 2026 hat sie weiterhin die Grundlage für einen fairen Wettbewerb im Reparaturmarkt geschaffen. Das Wichtige dabei: Es wurden neue Herausforderungen erkannt und benannt, die maßgeblichen Einfluss auf die Chancengleichheit zwischen freien und markengebundenen Kfz-Betrieben haben. Denn schon heute und erst recht in Zukunft braucht auch der freie Aftermarket Informationen zu Softwareständen und den Zugang zu fahrzeuggenerierten Daten.
Doch so positiv es ist, dass diese Themen von der EU adressiert werden: Nun kommt es darauf an, „die richtigen regulatorischen Konsequenzen zu ziehen“, erklärt Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün. Was bei der Bereitstellung von originalen Wartungs- und Reparaturinformationen inzwischen bei vielen OEMs gut funktioniert, muss auch für Over-the-air-Funktionen, das Vornehmen/Lesen von Software-Updates/-ständen und den Zugang zu fahrzeuggenerierten Daten zur Realität werden. Denn gerade mit Blick auf die vernetzten und softwarebasierten Autos verliert der freie Markt an Boden, wenn die Hürden für den Zugang zu hoch sind. Dieser muss diskriminierungsfrei sein.
Vor diesem Hintergrund ist es lobenswert, dass sich der ZDK und BIV-Kfz (Bundesinnungsverband) in diesem Punkt einig sind und entsprechende Zugänge mit Lese- und Schreibrechten rechtssicher verankert sehen wollen. Doch selbst wenn das gelingt und der Aftermarket den Markenbetrieben per EU-Vorgabe gleichgestellt wird, muss der freie Markt auf der Hut sein. Denn wenn in Zukunft auf Basis fahrzeuggenerierter Daten noch viel mehr vorausschauende Wartungs- und vielleicht sogar Reparaturbedarfe an die Server der OEMs gehen, versetzt sie das in die Lage, Kunden per digitalem Hinweis im Cockpit besser steuern und für die Weitergabe solcher Informationen an Werkstätten – egal ob gebunden oder frei – Umsätze generieren zu können.
So gesehen könnte in Zukunft beim Halten oder dem Gewinnen neuer Kunden derjenige einen Vorteil haben, der bereit ist, für fahrzeuggenerierte Daten zu bezahlen. Wobei das niemals zwei immens wichtige Aspekte ersetzen wird, bei denen die Freien oft im Vorteil sind: Kundennähe und besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.








