Verlängerte Wartungsintervalle, insbesondere beim Ölwechsel, erfordern nicht nur spezielle Motorenöle nach Herstellerspezifikation, sondern benötigen außerdem eine geeignete Technologie, um Parameter wie Ölstand und Ölqualität zu ermitteln. Eine zentrale Rolle übernehmen dabei Ölniveau- und Ölgütesensoren. KRAFTHAND hat die Messtechnik dieser Sensoren und die daraus resultierenden Messwerte bei Hella unter die Lupe genommen.

Sicher ist der eine oder andere Kfz-Profi schon in die Verlegenheit gekommen, im Beisein des Kunden den Ölstand zu prüfen und hat dabei vergeblich nach dem Ölmessstab gesucht. Grund: Der Motor besitzt keine solche mechanische Messvorrichtung. Vielmehr wird das Schmierstoffniveau per Ölstandssensor beziehungsweise Ölgütesensor überwacht. Das Motorölniveau wird hierbei kontinuierlich während des Motorbetriebs und bei Motorstillstand (statische Messung) gemessen. Um den konkreten Ölstand einzusehen, lässt sich im Bordcomputer des Fahrzeugs ein entsprechender Menüpunkt aufrufen. In der Regel muss das Fahrzeug dazu auf einer ebenen Fläche stehen und der Motor betriebswarm sein. Um den Ölstand aber dennoch auch ‚manuell’ prüfen zu können – etwa nach einem Ölwechsel oder Austausch der Ölwanne, haben einige Automobilhersteller einen Service-Ölmessstab vorgesehen. Bei zu niedrigem Ölstand aber warnt immer das System im Display entweder mit Klartext oder beispielsweise durch ein gelbes Ölkannensymbol.

Die schon einige Jahre angewandte Technologie erfasst nicht nur den Ölstand, sondern ermittelt auch die Ölqualität (Alterung). Damit ist es möglich, unter Verwendung herstellerspezifischer Longlife-Öle die Wechselintervalle flexibel auf den jeweiligen Motor und auf das Fahrprofil des Kunden abzustimmen. Im Einzelnen überwacht der Ölgütesensor dazu die wesentlichen Eigenschaften des Motoröls wie Viskosität, Dichte und Permittivität.

Ölstandsensor
Duales System: Noch hat der gute alte Ölmessstab nicht ausgedient. Bei vielen Fahrzeugherstellern lässt sich der Ölstand sowohl durch eine mechanische Messvorrichtung prüfen als auch durch einen Ölstandssensor überwachen. Bild: Hella

Die Messung erfolgt – wie jeder Kfz-Mechatroniker weiß, der schon mal eine Ölwanne demontiert hat – direkt im Öl. Damit liefert der Sensor wichtige Informationen wie beispielsweise die Öltemperatur oder die Ölqualität, die unter anderem auch zur Berechnung des flexiblen Serviceintervalls dienen. Zusätzlich kann der Mechatroniker die Messwerte zur Fehlersuche oder zur Beurteilung der Ölqualität heranziehen. Diese Parameter lassen sich in der Regel aus dem Motorsteuergerät oder dem Kombi-Instrument auslesen.

Ausfallursachen und Fehlerquellen

Im Service sollte der Kfz-Profi Folgendes berücksichtigen:

Reparaturen am Geber selbst sind nicht möglich. Neben dem obligatorischen Auslesen des Fehlerspeichers darf die Sichtprüfung am  Leitungsstrang nicht ausbleiben. Sind Beschädigungen am Gehäuse des thermischen Ölstandssensors, an der Verkabelung oder dem Stecker zu erkennen, sollte der Sensor ausgetauscht beziehungsweise die Verkabelung instandgesetzt werden.

Hier noch ein Hinweis bei aktivierter Ölstandswarnung: Um fehlendes Motoröl nachzufüllen, muss der Werkstattfachmann logischerweise die Motorhaube öffnen. Das Signal dazu liefert ein Kontaktschalter am Motorhaubenschloss oder ein entsprechender Taster am Haubenscharnier. Mit diesem Input setzt das Steuergerät die Warnmeldung zurück und berechnet das aktuelle Niveau erneut. Ein Rücksetzen über die Eigendiagnose ist deshalb nicht möglich. Wurde kein Öl nachgefüllt, leuchtet die Ölstandskontrolle nach einer definierten Fahrstrecke wieder auf. Wie aus einigen Praxisfällen bekannt, verursacht in diesem Zusammenhang bei verschiedenen Fahrzeugen ein defekter Kontaktschalter im Motorhaubenschloss oder eine oxidierte Steckverbindung eine Fehlfunktion. Dann bleibt trotz korrektem Füllstand die Ölstandswarnung aktiv, was oft ein Überfüllen zur Folge hat, vor allem wenn der Kunde selbst ‚Hand anlegt’.

 

KRAFTHAND-Wissen

Ultraschall-Ölniveausensor

Der Sensor überwacht durch kontinuierliche Messung im statischen und dynamischen Bereich den Ölstand. Er ist für den vertikalen Einbau in den Boden der Ölwanne konzipiert. Innerhalb des Sensorgehäuses befinden sich Füllstands- und Temperatursensor sowie die Sensorelektronik. Schräglagen des Fahrzeugs, Quer- und Längsbeschleunigungen werden durch eine sogenannte Mittelwertbildung in der Software kompensiert. Das Ölniveau wird über einen im Gehäuse integrierten Ultraschallsensor, per Laufzeitmessung und der dazugehörigen Auswerteelektronik ermittelt.

Darüber hinaus kommen Ölgütesensoren zum Einsatz, die nicht nur Ölstand und Öltemperatur erfassen, sondern auch die Ölqualität. Hierzu überwacht der Sensor permanent die Viskosität, Dichte und die Permittivität (dielektrische Leitfähigkeit) des Schmierstoffs. Verringert sich die Ölqualität etwa durch den Eintrag von Rußpartikeln oder Kondenswasser fließen entsprechende Parameter mit in die Berechnung des Ölwechselintervalls ein.