Werkstatt 4.0: Wie Digitalisierung die Arbeit in Kfz-Werkstätten verändert

Social-Media-Tool (rechts): Die Werkstatt kann die geplanten Beiträge vorab sichten und entscheiden, ob und wann diese auf der eigenen Facebook-Seite eingestellt werden. Bild: ATR

Die Vernetzung der Fahrzeuge und die Digitalisierung im Werkstattalltag schreiten voran. In diesem Zusammenhang ist immer wieder von der Werkstatt 4.0 die Rede. Damit freie Werkstätten im Wettbewerb mit ihren markengebundenen Kollegen nicht unter die Räder geraten, müssen sie rechtzeitig reagieren. KRAFTHAND fasst ­
die wichtigsten Möglichkeiten zusammen.

Man könnte meinen, die Digitalisierung ist in der Werkstatt bereits weit vorangeschritten. Schließlich ist es mittlerweile üblich, die Teile beim Großhändler online zu bestellen. Und auch digitale Diagnosetester und Tablets sind schon lange im Gebrauch. Doch aktuell macht das Schlagwort Werkstatt 4.0 die Runde. Es ist an den Begriff Industrie 4.0 angelehnt und steht in einer zeitlichen Abfolge. Als die ersten Automobile gefertigt wurden, waren in den Kfz-Werkstätten zunächst die Herausforderungen der Mechanik zu bewältigen (Werkstatt 1.0). Danach hielt die Elektrik Einzug (Werkstatt 2.0). Anschließend die Elektronik (Werkstatt 3.0). Und nun die Digitalisierung (Werkstatt 4.0).

Transport der Zukunft
Wo stehen die Branche und die Werkstätten momentan im Hinblick auf die Digitalisierung? Wahrscheinlich erst am Anfang. Hier drängt sich ein Vergleich mit der Verkehrswirtschaft auf. So war beispielsweise in den Anfangsjahren der Eisenbahn die Ansicht weit verbreitet, dies sei die einzige Form des Transports der Zukunft. Dann kam das Auto – und es ist heute ein wichtiger Bestandteil im „Internet der Dinge”. Sowohl in der Car-to-Car-Kommunikation, wo die Autos miteinander kommunizieren, wie auch in der Car-to-X-Kommunikation. Hierbei sind die Fahrzeuge etwa mit einer Ampel oder einem Parkhaus in Kontakt.

Kundenkommunikation
Bei der Werkstatt 4.0 geht es auch um die Kommunikation mit dem Kunden. Ganz wichtig ist hierbei die Kombination aus einem gelungenen Internetauftritt und Social Media. Man kann als Kfz-Betrieb zu Facebook, Youtube & Co. stehen wie man will. Doch die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben klar gezeigt: Social ­Media birgt Potenzial, vor allem in puncto Kundenbindung und Kundendialog. Doch weit wichtiger ist die Auffindbarkeit im Netz. Dies stellt einen zentralen Erfolgsfaktor dar – im Hinblick auf die Zukunft den entscheidenden. Jeder kann es in seinem Umfeld beobachten. Übers Smartphone werden passende Werkstätten gesucht und Angebote verglichen – und dies generationsübergreifend. Bespielt also ein Kfz-Betrieb digitale Kanäle nicht, so wirkt sich dies massiv auf den Umsatz aus. Diese Entwicklung wird sich noch verstärken. Insbesondere in Ballungsgebieten mit einer großen Werkstattdichte.

Social-Media-Tool
Die großen Teilehändler und ihre angeschlossenen Systeme bieten inzwischen entsprechende Lösungen zur Unterstützung der Werkstätten an. So soll beispielsweise ein von Stahlgruber entwickeltes Social-Media-Tool den Werkstätten die Arbeit insbesondere mit Facebook erleichtern, wie KRAFTHAND im Gespräch mit Dr. Holger Hättich erfahren hat, dem Leiter Marketing und Produktmanagement des Unternehmens. Eine zentrale Redaktion erstellt Facebook-Posts, die dann nach einem Redaktionsplan auf den Facebook-Seiten aller teilnehmenden Konzeptpartner veröffentlicht werden. Die Werkstatt kann die von der zentralen Redaktion vorab ein­gespielten Beiträge ergänzen, ändern, löschen oder zum Wunschtermin veröffentlichen. Die Werkstatt behält alle Möglichkeiten bei der Verwaltung der eigenen Facebook-Seite und erhält zusätzlich professionell erstellte Beiträge. Das Tool ist als „PV Social Media Service Tool” bei Autofit und Autoprofi im Einsatz sowie als „Facebook-Abo” bei den von ATR betreuten Werkstattsystemen Meisterhaft und AC Auto Check.

Auffindbarkeit
Für Thorsten Bastian, Inhaber der Kölner Internetagentur Basta-Media, ist die digitale Präsenz ebenfalls sehr wichtig. Seiner Beobachtung nach nutzen Kunden heute nicht nur Suchmaschinen für die Recherche, sondern auch zahlreiche Social-Media-Plattformen wie beispielsweise Youtube. Als moderne Werkstatt gilt es, den Kunden im Internet dort abzuholen, wo er sich gerade befindet. „Gepflegte Präsenzen und die aktive Teilnahme auf diesen Kanälen beeinflussen daher auch die Auffindbarkeit auf Google und Co.”, betont der Agenturinhaber. Und: „Die Relevanz einer Werkstatt steigt automatisch mit der Öffnung hin zu neuen Kanälen.”

Den ausführlichen Artikel zum Thema Werkstatt 4.0 lesen Sie in KRAFTHAND 9/2017.

Ralf Lanzinger

NACHGEFRAGT

Maximale Sichtbarkeit im Netz

Frau Johann, welches Ziel sollten Kfz-Werkstätten bei ihren digitalen Aktivitäten im Auge haben?
Maximale Sichtbarkeit im Netz ist eines der wichtigsten Ziele von Webseitenbetreibern. Dabei haben auch gute Social-Media-Inhalte einen Einfluss auf das Suchmaschinen-Ranking und damit auf die Sichtbarkeit.

Inwiefern wirken sich Social-Media-­Aktivitäten auf das Suchmaschinen-­Ranking aus?
Eine erfolgreiche Kampagne auf Social Media kann zahlreiche Verlinkungen bewirken, wenn Besucher die Website an ihre Freunde oder Familienmitglieder weiterempfehlen oder sie im Web selbst Influencer mit großem Publikum sind. (Anm. d. Red.: Influencer sind Personen in sozialen Netzwerken, die eine große Fangemeinde haben und für kommerzielle Werbung in Frage kommen.) Suchmaschinenalgorithmen mögen eine komplizierte Angelegenheit sein. Doch je mehr Links auf die eigenen Seiten verweisen, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Auffindbarkeit im Internet und speziell im Google-Ranking steigt.

Nach welchen Kriterien listet Google?
Google untersucht die Texte im Web nach semantischen Kriterien und bevorzugt organische und sinnvolle Texte. Wie beliebt ein Text in Social Media ist, das heißt, wie oft er geteilt und diskutiert wurde, ist ebenfalls wichtig für das Ranking. Immer mehr Nutzer bevorzugen bei der Google-Suche gar die Ergebnisse der Social-Media-Profile, da sie sich in einem gewohnten Layout wiederfinden.

Ist Suchmaschinenoptimierung alles?
Das Beherrschen der SEO-Basics (Anm. d. Red.: SEO = Suchmaschinenoptimierung)ist durchaus von Vorteil. Aber man sollte die Texte auch nicht überoptimieren. Vielmehr ist es wichtig, einen Mehrwert für die Leser zu bieten und deren Informationsbedürfnis zu erfüllen.

Was sind die Trends?
Die Inhalte werden noch mehr an Bedeutung gewinnen. Wichtig ist, dass man auf allen Social-Media-Kanälen Content produziert, der auch wirklich für die jeweilige Zielgruppe interessant ist und einen Mehrwert bietet. Durch verbesserte Suchalgorithmen in Suchmaschinen wie Google und Co. werden künftig nur noch Webseiten bei der Suchabfrage weit oben stehen, deren Betreiber nicht nur die technischen SEO-Fähigkeiten besitzen, sondern auch qualitativ hochwertigen und zielgruppenorientierten Inhalt erstellen können.

Wie wichtig sind hierbei Bildunterschriften?
Die Bildunterschriften sind auf jeden Fall auch von Bedeutung, damit der Google-Bot (Anm. d. Red.: Google-­Bot ermittelt neue und aktualisierte Seiten), der das Bild selbst nicht auslesen kann, dessen Inhalte zuordnen und mit Suchanfragen in Verbindung bringen kann.

Frau Johann, vielen Dank.

Die Fragen stellte Ralf Lanzinger