Pass Thru ist ein Begriff, der schon seit Jahren durch die Branche schwirrt. Folglich wissen inzwischen die meisten Kfz-Profis – und nicht mehr nur Brancheninsider und Diagnosegeräteanbieter – was es damit auf sich hat. Und dennoch ist dieses Thema für viele Werkstätten noch Neuland. KRAFTHAND beleuchtet das Thema umfassend und lässt einen Leser sowie einen Diagnoseexperten zu Wort kommen.

KRAFTHAND hat sich im Schulungszentrum von Hella Gutmann Solutions in Breisach angeschaut, wie sich ein Software-Update via Pass-Thru-Verfahren aufspielen lässt. Neben dem Mega Macs braucht es dazu ein leistungsfähiges Stützladegerät (links) und einen ans Internet gekoppelten PC/Laptop (rechts), um sich auf das entsprechende Portal des Fahrzeugherstellers – in diesem Fall Opel – einloggen zu können. Bilder: Ledermann

In der Theorie arbeiten elektronische Bauteile, also auch Steuergeräte verschleißfrei. Natürlich ist das Blödsinn. Auch die oft ECU genannten Gehirne elektronischer Fahrzeugsysteme gehen regelmäßig kaputt. Und das ohne mechanische Fremdeinwirkung oder indem sie durch Kurzschluss beziehungsweise Überspannung abgeschossen“ werden. Vielmehr sind Wärmeeinwirkung, Vibrationen oder konstruktive Schwachstellen typische Ausfallursachen.

Flashen geht nicht nur mit darauf spezialisierten Systemen. Auch diverse herkömmliche Mehrmarkentools können das.

Doch was auch immer zu einem defekten Steuergerät führt: Muss eine Werkstatt dieses erneuern, geht das bei modernen Fahrzeugen mit einer Neuprogrammierung via Scantool einher. Noch viel häufiger als eine komplette Neuprogrammierung stehen jedoch Software-Updates an, um beispielsweise softwarebedingte Fehler zu beheben. Im Fachjargon spricht man in diesem Zusammenhang vom Flashen.

Auch Freie können Flashen

Das alles ist Kfz-Profis auch in freien Werkstätten so bekannt wie die Ursache für Schlieren auf der Windschutzscheibe bei Regen. Nur können unabhängige Kfz-Betriebe Steuergeräte nicht so ohne Weiteres programmieren beziehungsweise flashen wie Wischerblätter austauschen. Dabei wäre es theoretisch längst machbar. Denn die EU schreibt den Fahrzeugherstellern vor, dass sie für Fahrzeuge ab Euro-Norm 5 auch freien Betrieben Software-Updates ermöglichen müssen. Das Verfahren dafür nennt sich Pass Thru, nach dem Standard SAE 2534 und/oder ISO 22920.

Und weil es sich hierbei um einen für jeden Gerätehersteller offenen Standard handelt, können diese ihre Mehrmarken-Diagnosegeräte so ausstatten, dass sie sich für Software-Updates einsetzen lassen. Vorausgesetzt natürlich, dass diese pass-thru-fähig sind. Damit ist klar: Nicht nur Systeme wie das vom ZDK mitentwickelte Euro-DFT oder andere im Internet angebotene spezielle Pass-Thru-Lösungen ermöglichen Software-Updates, sondern auch diverse der einschlägig bekannten und bewährten Diagnosegeräteanbieter des freien Markts. So beschäftigt sich beispielsweise Hella Gutmann Solutions (HGS) schon seit geraumer Zeit mit dem Thema. Gegenüber KRAFTHAND erklärt Produktmanager Ralf Gutekunst, dass Diagnosegeräte der Mega- Macs-Serie pass-thru-fähig sind und somit dasselbe bieten, wie Anbieter von nur auf Pass Thru spezialisierte Geräte“ (siehe auch Interview mit Gutekunst).