Old- & Youngtimer

Echtes Sportwagen-Feeling mit dem Fiat Barchetta

Fiats Barchetta hatte anfangs große Schwierigkeiten mit seinen Kinderkrankheiten. So hatte das kleine Boot unter anderem Probleme mit Nässe im Fahrzeug. Bilder: Stellantis

Mit dem Barchetta (italienisch für kleines Boot) brachte Fiat Mitte der 1990er Jahre einen klassischen Roadster auf die Straße. Wer mit seinen Kinderkrankheiten leben konnte, hatte Spaß vom ersten Kilometer an.

Fiat hatte schon immer ein Faible für den Roadster. Aber der letzte 124 Spider war schon in den 1980er Jahren vom Band gelaufen. So wurde es Mitte der 90er wieder Zeit, zumal Mazda mit dem MX-5 Anfang der 90er die Lust danach erneut nach Europa gebracht hatte. 1995 sagten die Turiner „Schiff ahoi“ und brachten ihr kleines Boot auf die Straße.

Der Barchetta mit seiner niedlich wirkenden Karosserie, gewölbten Kotflügeln und seitlich durchgehenden Blechfalten weckte Erinnerungen an den Ferrari 166. Die Seitenscheiben hatten sich ihrer Rahmen entledigt, die Griffe waren in der Tür eingelassen. Nach der gewohnten Handarbeit des italienischen Autobauers verschwand das Verdeck komplett unter einer Abdeckung.

Hinter dem Steuer spürte der Fahrer mit Blick auf die Rundinstrumente echtes Sportwagen-Feeling. Dazu trug auch der Motor bei: Der 1.8 Liter große Sauger mit vier Zylindern brachte es auf stramme 131 PS (96 kW), die das Fünf-Gang-Schaltgetriebe effizient einsetzte. Als Frontantriebler schaffte der Barchetta eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Den Sprint von null auf 100 km/h erledigte er in 8,9 Sekunden.

Kinderkrankheiten bereiteten Probleme

Im Einführungsjahr ließ sich der Roadster als Cabrio des Jahres feiern, doch schon bald wurden die ersten Kinderkrankheiten sichtbar. So war der Barchetta zum einen nicht ganz dicht: Nässe im Kofferraum, weil die Rückleuchten schlecht versiegelt waren, und Feuchtigkeit im Innenraum aufgrund mangelhafter Gummidichtungen an den Scheiben.

Zum anderen war da das Problem mit dem Motor. Fiat hatte erstmals einen Phasenvariator eingesetzt. Diese Verstelleinrichtung für die Einlassnockenwelle sorgte bei niedrigen Drehzahlen bis 2.000 Umdrehungen für mehr Leistung. Die Feder des Techniktricks versagte allerdings allzu oft den Dienst, der Motor machte komische Geräusche. Weitere unangenehme Kinderkrankheiten waren defekte Kraftstoffpumpen und Anlasser oder durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen. So landeten viele Fahrzeuge schnell beim Gebrauchtwagenhändler und die Preise gingen in den Keller.

Doch es war nur ein Zwischentief, denn die Fangemeinde war groß. Bis zur Jahrtausendwende hatte der Autobauer die Mängel in den Griff bekommen und das kleine Boot erlebte weitere fünf gute Jahre. Bis Produktionsende im Juni 2005 zählte Fiat 57.521 verkaufte Fahrzeuge, die Hälfte davon rollte nach Deutschland. Wer heute Barchetta-Lust verspürt, sollte sich also besser für ein Baujahr ab 2000 entscheiden. Gut erhaltene Exemplare kosten zwischen 13.000 und 18.000 Euro.

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