Kanzlerin Angela Merkel hat das Ziel von einer Million E-Fahrzeugen im Jahr 2020 schon vor einiger Zeit aufgegeben. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte dazu sinngemäß, dies sei nicht weiter schlimm. Geradezu folgerichtig dazu bringt Mercedes nun die X-Klasse (Pick-ups) auf den Markt. Angetrieben werden diese Fahrzeuge bei zwei Tonnen Gewicht überwiegend von Dieselkraftstoff. E-Antriebe? Fehlanzeige. Auch von anderen deutschen Autobauern ist zur E-Mobilität momentan wenig zu sehen und zu hören.

Kein Wunder. Manche Konzernlenker sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt – und vor allem mit der Bewältigung von Altlasten. Inzwischen ermitteln die Staatsanwaltschaften im Dieselskandal nicht nur bei Volkswagen und Audi, sondern auch bei Porsche und Daimler. Die Justiz beschäftigt sich traditionell mit der Aufarbeitung der Vergangenheit. Doch die Aufgabe der Autobauer und der Politik wäre, die Zukunft aktiv zu gestalten.

Elektrische Zapfsäulen
Genau dies geschieht nicht. Wo bleibt beispielsweise eine Diskussion darüber, wie es mit der E-Mobilität weitergehen soll? Findet derzeit nicht statt. Oder wann beispielsweise soll das Netz der elektrischen Zapfsäulen großflächig ausgebaut werden? Bleibt offen. Stattdessen wird krampfhaft versucht, am Dieselmotor festzuhalten. An einer Technik aus dem vorvergangenen Jahrhundert, die mit vertretbarem Aufwand offensichtlich nicht sauber zu bekommen ist. Nachrüstlösungen sind entweder nicht wirksam oder zu teuer. Das Motiv der Autobauer liegt auf der Hand. Denn das meiste Geld verdienen Hersteller wie BMW, Audi oder Mercedes mit großen SUV und Oberklassefahrzeugen. Und die fahren nun einmal vorrangig mit Diesel. Die Börsennotierung der großen deutschen Autobauer verhindert eine schnelle und „übereilte” Abkehr vom Gewinnbringer Diesel.

Mit der neuen X-Klasse steigt Mercedes-Benz ins Pick-Up-Geschäft ein. Rechts ein Mercedes E-Klasse, E 220 d. Dieselmotoren sind zumindest im Pkw-Sektor Auslaufmodelle, meint KRAFTHAND. Bilder: Daimler

Einbruch bei Diesel-Neuzulassungen
Doch der Handlungsdruck steigt. Ob es nun Fahrverbote gibt oder nicht – in manchen Regionen sind die Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr bereits jetzt um bis zu 20 Prozent eingebrochen. Dies setzt eine Kettenreaktion in Gang: Weniger Nachfrage bei Neufahrzeugen, Wertverfall bei Gebrauchtwagen, schließlich Kürzung und Einstellung der Investitionen in den Dieselmotor. Volvo hat dies bereits angekündigt. Porsche denkt über einen Abschied vom Diesel nach. Hier drängt sich die Frage auf: Was wird aus den Porsche-Modellen Cayenne und Macan in der Benzin-Version? Wohl doch Spritschlucker, die ihresgleichen suchen.

Währenddessen überlagert und beschleunigt das autonome Fahren diese Entwicklung. Voraussichtlich wird es nicht möglich sein, autonome Fahrzeuge und herkömmliche Fahrzeuge gleichzeitig im Straßenverkehr zuzulassen. Aus Sicherheitsgründen ist daher langfristig zumindest in den Ballungsgebieten mit einem Verbot herkömmlicher Fahrzeuge zu rechnen – so wie einst auch Pferdekutschen aus den  Städten verbannt wurden, als sich das Automobil durchsetzte.

Wollen die deutschen Autobauer bei dieser Entwicklung nicht unter die Räder kommen, gilt es, endlich Ernst zu machen bei der Einführung der E-Mobilität, anstatt an längst verlorenen Terrains festzuhalten.