Kommentar: Digitalisierung hebt Autoverkauf aus den Angeln

Die Hersteller werden ihre Fahrzeuge künftig vermehrt an den Händlern vorbei verkaufen. Foto: ProMotor/Volz

Momentan läuft es gut im Kfz-Gewerbe. Bei der Mitglieder­versammlung des ZDK in Montabaur wurde von einem stabilen Geschäftsverlauf im zweiten Quartal 2017 berichtet. Das ist sehr erfreulich. Doch wird das immer so weitergehen?

Nehmen wir das Beispiel Digitalisierung. Sicher eröffnen sich dadurch viele Chancen. Viele Geschäftsmodelle werden aber auch aus den Angeln gehoben – etwa im Automobilhandel. So hat Audi kürzlich einen Vorstoß unternommen, seine Händlerverträge zu ändern. Die Ingolstädter möchten ihre Fahrzeuge künftig bei Flotten- und anderen Geschäften vermehrt selber und somit an den Händlern vorbei verkaufen. Die Folgen: Händlermargen entfallen, die Rendite des Autobauers steigt.

Kampf um den Bildschirm
Doch das ist nur eines der Motive, weshalb Audi die Händlerverträge anders gestalten will. Denn künftig entstehen die ­wesentlichen Gewinne nicht mehr beim Autoverkauf, sondern ­bei digitalen Dienstleistungen. Schon jetzt hat der Kampf um den Bildschirm im Armaturenbrett und den entsprechenden Apps begonnen. Und wer den direkten Draht zum Autokäufer hat – so wie es Audi mit neuen Verträgen wohl forcieren will –, ist bei diesem Wettbewerb vorne dabei. Beim autonomen Fahren in einigen Jahren gilt das erst recht. Wer nämlich sein Fahrzeug nicht mehr selbst lenkt, kann im Fahrzeug Filme anschauen oder andere Unterhaltungsangebote nutzen. Die Hersteller befinden sich hierbei in ­einem Wettlauf mit dem Silicon Valley. Ausgang offen.

Werkzeuge und Diagnosegeräte
Allerdings stehen nicht nur Fahrzeughersteller mit ihren Vertragswerkstätten unter Druck, sondern auch freie Werkstätten. Beispielsweise mit immer höheren Ausgaben für Werkzeuge und Diagnosegeräte. Außerdem ist der Zugriff auf die Fahrzeugdaten im Zuge der Telematik nach wie vor offen. Genau dieser ist im Reparaturgeschäft der Zukunft jedoch eine Lebensnotwendigkeit. Hier gibt es inzwischen erste Lösungsansätze – und zwar für einen neutralen Dienstleistungsserver, der den freien Markt mit vernetzten Fahrzeugen verbindet. Natürlich wird dies wieder Geld und ­Gebühren kosten. Aller Voraussicht nach wird der freie Markt ­auch diese Hürde nehmen, wie schon viele zuvor.

Zugleich könnte diese Entwicklung einige Skeptiker wider­legen, die dem freien Markt im Zuge der Digitalisierung immer wieder das Aus voraussagen. Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich, heißt es. So sind etwa auch Prognosen aus den 1990er Jahren längst verraucht, wonach freie Werkstätten mit der zunehmend komplexen Fahrzeugdiagnose nicht mithalten könnten.

Die nächste Ausgabe von KRAFTHAND (13/14-2017) erscheint am 15. Juli, bereits zwei Tage vorher als mobile Anwendung.

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