Old- & Youngtimer: Renault Espace

Europas erste Großraumlimousine

Mit dem Espace präsentierte Renault Mitte der 80er-Jahre ein neuartiges gewöhnungsbedürftiges Fahrzeug und läutete damit die Ära der Großraumlimousinen ein. Es ging vor allem um Platz – Schönheit und Eleganz waren da nicht gefragt.

Der Espace war zur damaligen Zeit so ungewöhnlich und groß, dass er die Gattung Großraumlimousine prägte. Bilder: Renault

Als Renault Mitte der 1980er Jahre den Espace vorstellte, wusste keiner so recht, was das neue Modell sein sollte. Ein Kleinbus? Ein Transporter? Eine unförmige Limousine? Oder ein Kombiverschnitt? Und weil es so ein Auto in Europa noch nicht gegeben hatte, erfand man den Begriff: Großraumlimousine.

Die Inspiration kam aus den USA

Philippe Guedon, technischer Leiter der Tüftlerschmiede Matra, hatte die Idee nach einem Besuch in den USA. Dort war ihm aufgefallen, dass Fahrzeuge beliebt waren, die nicht nur mehr als vier Personen Platz boten, sondern auch über den entsprechenden Stauraum verfügten. Daraufhin feilte er zuhause an einem Prototyp, der beim Raumangebot europäischen Maßstäben gerecht werden sollte. Doch als er Peugeot seine Idee vorstellte, hatten die kein Interesse. Davon ließ er sich allerdings nicht abhalten und arbeitete weiter daran, bis er beim zweiten Versuch bei Renault auf Wohlwollen stieß. Der damalige Renault-Chef Bernard Hanon fand den Kasten zwar nicht schön, aber praktisch – und nickte die Produktion ab. Die übernahm dann Partner Matra.

Das Modell der ersten Generation (1984 – 1990) hat ein Fünf-Gang-Schaltgetriebe und leistet je nach Motorisierung zwischen 65 kW (88 PS) und 88 kW (120 PS).

So speziell der Espace auch aussah, innovativ war er in jedem Fall. Selbst das Design hatte auf den zweiten Blick seine Reize und erinnerte mit seiner steil abfallenden Schnauze ganz bewusst an den Schnellzug TGV, der erst kurze Zeit zuvor eingeführt worden war. Dazu kam die neuartige Bauart, denn die stählerne Karosseriestruktur war vollverzinkt und mit robusten Kunststoffteilen verkleidet. So konnte das Gewicht unter 1,3 Tonnen gehalten werden.

Sieben variable Sitze

Prunkstück war natürlich das variable Innenraumkonzept mit sieben Sitzen. Die beiden vorderen ließen sich um 180 Grad drehen, die anderen fünf waren einzeln herausnehmbar und zum Umklappen. Obwohl der Espace nur 4,4 Meter lang und 1,77 Meter breit ist, gibt es also jede Menge Platz – daher auch der Name Espace (Französisch für Raum).

Dank seiner Motorisierung ließ sich das Raumwunder mit seinem Fünf-Gang-Schaltgetriebe fahren wie eine Limousine. Die Vier-Zylinder-Benziner mit zwei Liter bis 2.2 Liter Hubraum leisteten zwischen 101 PS (74 kW) und 120 PS (88 kW), der 2.2-Liter-Diesel schöpfte seine Kraft aus 88 PS (65 kW).

Neun Bestellungen im ersten Monat

Vielleicht waren die Vorteile des Espace doch zu tief verborgen oder aber die ungewohnte Form schreckte viele zu Beginn ab – das Fahrzeug drohte nämlich zum Flop zu werden. Im ersten Verkaufsmonat gab es gerade einmal neun Bestellungen und im ersten Jahr liefen bei Matra nur 5.923 Espace vom Band.

Doch dann kam die Wende und damit auch der Boom. Bis zum Ende der ersten Generation 1990 wurden rund 192.000 Fahrzeuge produziert. Der Renault Espace mischte gemeinsam mit dem Chrysler Voyager die Szene auf. So wurde die Großraumlimousine zum Trendfahrzeug. 1996 lief dann die 500.000. Einheit des Espace vom Band.

Im Lauf der Jahre wurde das Modell etwas größer, die Motoren stärker. Längst ist der Espace zu einem Markenzeichen von Renault geworden. Und auch wenn das Konzept der Großraumlimousine die Zeit nicht überdauert hat, so will Renault bis heute nicht auf den Namen verzichten, auch wenn es sich beim Espace der sechsten Generation mittlerweile um ein SUV handelt.

Exklusive Einblicke

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