Airbagfehler durch Phantomsystem

Leserfall: Nachdem ein Corsa F mit Airbag- und Gurtstrafferfehler zu Josef Hinterauer in die Werkstatt kam, startete eine schier endlose Fehlersuche. Der Kfz-Meister schildert, wie das Problem letztlich bei einem System lag, das gar nicht verbaut war.
Ein Opel Corsa F mit Erstzulassung 11.05.2022 und 37.861 Kilometern kam zu Josef Hinterauer in die Opel-Werkstatt. Die Beanstandung: leuchtende Airbag-Kontrollleuchte und die Meldung, dass der Gurt nicht angelegt sei. Auffällig war außerdem, dass die am Himmel verbaute Anzeige des Gurtsystems inaktiv war und nicht leuchtete. Los ging es also mit dem Auslesen des Fehlerspeichers, wo einige Fehler bezüglich einer Kommunikationsstörung auf dem LIN-Bus abgelegt waren.

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Eine Fachzeitschrift, die so einen Fall abdruckt, ohne ihn technisch einzuordnen oder zu kritisieren, normalisiert schlechte Diagnose. Damit wird nicht Wissen vermittelt, sondern Fehlverhalten legitimiert.
Warum das problematisch ist
1. Diagnoseversagen wird als „komplexer Sonderfall“ verkauft
Statt klar zu sagen:
„Der Fehler wurde monatelang nicht gefunden, weil keine elektrische Busdiagnose durchgeführt wurde“
wird eine Story gestrickt, die den Eindruck erweckt: „Das war halt extrem schwierig“
Das war es nicht. Es war schlecht gemacht.
2. Keine Methodenkritik In einem Fachartikel müsste mindestens stehen:
Wurde der Bus oszilloskopiert?
Wurde der Bus physikalisch isoliert?
Wurde gegen Masse/Plus gemessen?
Wenn das fehlt, ist es keine Fachpublikation, sondern Werkstatt-PR.
Gestern einen VW Sportsvan gehabt mit gebläse ohne Funktion und lokalem Datenbus Fehler im Stg. nach zwei Stunden war klar das der lin bus einen Masseschluss hatte. Wie ist das möglich? durch gezieltes messen mit dem oszi und dem isolieren des lin Systems .
Hallo Thomas, Leserfälle im Rahmen unserer „Zu Ende denken (ZED)“-Reihe oder auch als Praxisfall abzudrucken bzw. Online zu bringen, hat in der Krafthand schon Jahrzehnte Tradition. Und weil Kfz-Profis diese quasi für Kfz-Profis schreiben, sind diese bei unseren Abonnenten äußerst beliebt.
Nun zu Ihrem Vorwurf, wir würden schlechte Diagnose legitimieren. Zum einen geht es bei diesen Fällen um Wahrhaftigkeit, weshalb wir einerseits die Fälle nahezu so wiedergeben, wie sie uns geschildert werden. Und anderseits sah und sieht das Format keine Kommentierung seitens der Redaktion vor. Zumal es uns fern liegt, oberlehrerhaft Werkstätten für einen zunächst nicht optimal/fehlerhaft eingeschlagen Weg (im Übrigen macht das ja den Charakter eines ZED aus) zum Auffinden des Fehlers zu kritisieren.
Denn letztlich ist es aus der Ferne und im Nachhinein (also wenn der Fehler bekannt ist) einfach zu beurteilen, wie denn die Diagnose/Fehlersuche hätte besser laufen können. Wir würden das als anmaßend empfinden. Erst recht vor dem Hintergrund, dass oft nicht alle Details von vor Ort bekannt sind (was wurde mit Kunde gesprochen, was war die erste Vermutung die einen vielleicht in die Falsche Richtung schickt usw.). Außerdem sind die beschrieben Fälle oft auch komprimiert zusammegfasst und nicht jedes Details/ jede Messung ausfürhlich beschrieben.
Zum Beispiel wurde im obigen von Ihnen kritisierten Fall folgendes beschrieben:
„Weil das Abarbeiten verschiedener technischer Infos des Herstellers ohne Erfolg blieb“ oder „Als Nächstes steckte Hinterauer die Leitungen der anderen am LIN-Bus liegenden Teilnehmer an und prüfte sie. Alles schien in Ordnung.“
Wer sagt Ihnen – Herr Thomas … –, dass im Zusammenhang mit diesen Beschreibungen kein Oszilloskop zum Einsatz kam und kein Messen gegen Masse etc. erfolgte? Das können Sie doch aus der Ferne nicht wissen. Oder waren Sie vor Ort? Zudem wurde geschrieben in dem Text: „andere Teilnehmer an dem Bus wurden wieder angesteckt“,.. Wer sagt denn, dass zuvor keine Isolierung erfolgte, so wie sie meinen zu wissen. Der zitierte Satz impliziert durchaus, dass das passiert sein könnte.
Mit alledem will ich nicht sagen, dass sie Falsch liegen mit dem was sie schreiben und Sie den Fehler vielleicht nicht schneller gefunden hätten. Natürlich hätten Sie das …
Aber muss man deshalb Berufskollegen abwerten? Denn in Wirklichkeit kritisieren sie ja nicht uns als Fachmagazin, sondern die – Ihrer Meinung nach – nicht fachgerechte Vorgehensweise Ihres Berufskollegen.
Ich lade Sie dennoch gerne ein, Ihre Fachkompetenz bei uns mit ZED-Fällen oder Fachbeiträgen einzubringen und ebenfalls Praxisfälle zu beschreiben die aufzeigen, wie man zielgerichtet Fehler findet – etwa mit professionellen Messungen.
Bei Interesse schreiben Sie mir einfach torsten.schmidt@krafthand-medien.de
Freundliche Grüße