Kommentar

Zeit zu Reflektrieren über eigene E-Auto-Kompetenz

Eine Erhebung der DAT zeigt, dass viele Autofahrer ihrer Werkstatt derzeit nicht unbedingt zutrauen, E-Autos zu warten. Das können Betriebsinhaber abtun. Es gibt aber auch gute Argumente das als Ansporn zu sehen. Ein Kommentar von Krafthand-Chefredakteur Torsten Schmidt.

Selbst für Zweifler untern den Kfz-Profis und insbesondere den Werkstattinhabern ist es an der Zeit, dem E-Antrieb offen gegenüberzustehen und mehr zu tun als (notgedrungen) einen HV-Schein zu machen, um an E-Autos arbeiten zu können. Bild: Krafthand

Mit Umfragen ist das so eine Sache. Treffen deren Ergebnisse wirklich den Kern? Denn gerade, wenn es um komplexe Themen geht, hängt die Antwort oft von der Fragestellung ab. Dreht man eine Frage zum gleichen Thema nämlich um, kann das Ergebnis schon ganz anders ausfallen. Oder: Nur weil Befragte zum Beispiel angeben, ihr neues Auto wird ein E-Mobil, heißt das noch lange nicht, dass sie tatsächlich auch eins kaufen, wenn sie direkt vor der Entscheidung stehend Vor- und Nachteile abwägen.

Und dennoch finde ich sind Umfragen, wie das DAT-Barometer, immer wieder mal einen Blick wert. Besonders das vom November 2021. Es zeigt, dass auf die wenig komplexe und einfache Frage: „Bezweifeln Sie, dass Ihre Werkstatt imstande ist, ein E-Auto zu reparieren?“ immerhin 34 Prozent deutlich mit ja geantwortet haben. Mit anderen Worten: Sie trauen es ihrer Werkstatt nicht zu. Und ein weiterer beträchtlicher Teil ist sich diesbezüglich nicht sicher. Weit über die Hälfte meint zudem, dass nur spezialisierte Werkstätten E-Autos reparieren können (mehr dazu hier).

Natürlich kann man solche Umfragewerte mit oben erwähnter Begründung abtun. In diesem Fall würde ich das als Werkstattinhaber allerdings nicht. Denn die Ergebnisse bieten Gelegenheit zu reflektieren: Welchen Eindruck haben meine Kunden bezüglich meiner E-Auto-Kompetenz? Setze ich mich in Kundengesprächen (und ich meine keine Verkaufsgespräche) sachlich damit auseinander oder gebe ich zu verstehen, so gar nichts von E-Autos zu halten – womöglich aus Frust, weil sie die schöne alte Verbrennerwelt umkrempeln?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch ich sehe viele Fragen bei E-Autos noch ungeklärt. Wie lange halten die Akkus tatsächlich? Wie soll E-Mobilität in Flächenstaaten funktionieren? sind nur zwei davon. Doch wir sind in Deutschland: Und hier werden E-Autos die nächsten Jahre dominieren und womöglich die Verkaufszahlen der Verbrenner schneller pulverisieren als prophezeit. Deshalb meine ich, ist es selbst für Zweifler an der Zeit, dem Antrieb offen gegenüberzustehen und mehr zu tun als (notgedrungen) einen HV-Schein zu machen. Warum nicht eine Wallbox installieren? Ein E-Auto als Kundenersatzfahrzeug anbieten? Oder ein Schild anbringen, das zeigt: Wir können E-Autos! Es ist nie zu früh, um Kompetenz zu zeigen.

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