„Die Heckklappe lässt sich nicht mehr öffnen“, monierte der Fahrer eines französischen Mittelklassekombis in unserer Serviceannahme. Die Heckscheibe an dem Renault Laguna II GT war hingegen problemlos ausstellbar. Der Kunde bestand beim Annahmegespräch darauf, dass wir den Fehler schnell und günstig beheben sollten. Unser Mechatroniker machte sich nach den Auftragsformalitäten sofort an die Fehlersuche und fand auch bald die Schadensursache.

Der Kfz-Fachmann öffnete über die innere mechanische Betätigung des Heckklappenschlosses die Heckklappe und demontierte anschließend die Innenverkleidung. Zum Vorschein kam jetzt ein Betätigungsschalter, der stark korrodiert und von Grünspan übersäht war. Der Mechatroniker tauschte den defekten Heckklappenschalter gegen ein Neuteil aus und erneuerte zusätzlich die Steckerverbindung. Nach der Montage der Heckklappenverkleidung und mehrmaligen erfolgreichen Schließ- und Öffnungsvorgängen übergaben wir das Fahrzeug wieder dem Kunden. Doch wir hatten uns zu früh gefreut!

Warum korrodiert?

Leider war unsere kostengünstige Arbeit nicht von Erfolg gekrönt. Denn der Fahrer kam wenige Wochen später wieder zu uns und beanstandete, dass sich erneut die Heckklappe an seinem Laguna nicht öffnen ließ. Abermals demontierte unser Mechatroniker die Verkleidung der Heckklappe und überprüfte den Betätigungsschalter. Wir fragten uns: Wie kann ein Schalter, der eigentlich keinen äußeren Witterungseinflüssen ausgesetzt ist, bereits nach wenigen Wochen wieder seinen Dienst versagen?

Bei der erneuten Überprüfung war für den Mechatroniker jetzt klar ersichtlich, dass der Dichtgummi des Schalters, der an der Außenseite der Heckklappe angebracht ist, bereits poröse Spuren aufwies und somit Feuchtigkeit und Wasser in das Innere des Heckdeckels eindringen konnten. Doch warum war der neue Schalter nach einer so kurzen Zeitspanne wieder komplett mit Grünspan überzogen?

Wir kamen zu dem Schluss, dass uns bei der Fehlersuche nur eine Dichtigkeitsprüfung der Heckklappe mithilfe einer Wasserprobe weiterhelfen konnte. Deshalb stellte unser Mechatroniker den Renault mit ‚aufgarnierter’ Heckklappe in die Waschhalle unseres Fahrzeugaufbereiters und ließ mithilfe eines Schlauchs Wasser über die Heckklappe laufen. Bereits nach wenigen Minuten waren im Wageninneren am Heckklappenschloss deutliche Wasserspuren zu sehen.

Ein kleines Rinnsal suchte sich seinen Weg durch die Heckklappe über den Schalter zum Heckklappenschloss, floss weiter an die Schlossunterkante und verschwand dort wieder nach außen. Das war allerdings nicht im Sinne des Erfinders, denn nur in geringer Entfernung befand sich ein Ablaufschlauch. Dieser wurde aber vom Wasser elegant umgangen.

Unsere Erklärung lautete deshalb: Der Ablaufschlauch hatte sich wohl über die Jahre durch das wiederholte und schwunghafte Schließen der Heckklappe von dem Stutzen gelöst. Unser Mechatroniker befestigte deshalb den Schlauch mit etwas Sprühkleber. Das Wasser, das am Dichtgummi der ausstellbaren Heckscheibe entlang läuft, konnte jetzt durch den dafür vorgesehenen Schlauch ablaufen. Nach dem erneuten Austausch der defekten Bauteile und der Montage der Heckklappenverkleidung konnten wir schließlich den jetzt trockenen Laguna dem Kunden übergeben.
von Stefan Dyrna, Kirchheim-Heimstetten

 

Dieser Zu-Ende-denken-Fall ist in folgendem Buch erschienen:

Zu Ende denken… Band 6 – Knifflige Fälle aus dem Werkstattalltag

1. Auflage 2013, von Georg Blenk, 136 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 15,80 Euro

 In Band sechs aus der Reihe ‚Zu Ende denken…‘ beschreiben KRAFTHAND-Leser in zahlreichen interessanten Praxisbeispielen Probleme und Problemlösungen aus dem Werkstattalltag. Gegliedert ist das Buch in die Kategorien
Elektrik/Elektronik, Motor/Antrieb/Abgasanlage, Bremse/Fahrwerk und Karosserie.

Ich möchte mehr Informationen zu diesem Buch!

Das ganze Krafthand-Fachbuchprogramm herunterladen