Der NSU Wankel Spider

Schön, nur leider nicht ganz dicht

NSU Spider rot
In Alfarot war der NSU Spider ein echter Blickfang. Bilder: Audi

Der NSU Wankel Spider hat sich zu einem beliebten, aber seltenen Sammlerfahrzeug entwickelt. Auf dem Markt konnte das Cabrio damals jedoch kaum Fuß fassen, nicht zuletzt wegen technischer Probleme.

Innovation, Wagemut, Transformation – so lautet der Slogan anlässlich der 2023/2024 gezeigten Sonderausstellung zum 150-jährigen Jubiläum der Marke NSU. Ein Modell des Audi-Vorreiters sticht dort besonders hervor. Schließlich war es das erste Serienfahrzeug weltweit mit einem Einscheiben-Wankelmotor und erhielt den Spitznamen NSU „Wankel“ Spider. Vorgestellt wurde das Cabrio auf der IAA 1963 in Frankfurt. Nicht nur seine Form sollte begeistern, sondern eben auch sein außergewöhnlicher Antrieb, für den Felix Wankel die Grundlage bot.

Die Technik

Sein Name ist wohl jedem Autofan ein Begriff, denn der Ingenieur brachte mit dem Rotationskolbenmotor ein einzigartiges Konzept hervor. (Die genaue Arbeitsweise des Wankelmotors erklärt Krafthand in Ausgabe 7/2020 und auf khme.de/wankelmotor). Durch die Kooperation mit NSU kam Wankels Erfindung 1964 als Einscheiben-Wankelmotor im NSU Spider zum Einsatz. Das Design des Pkw stammt von Guiseppe Bertone, während der Name Spider aus der Vergangenheit rührt: Eine „Spinne“ beschrieb eine sehr leichte und agile Kutsche, deren Bauform an die kleinen Krabbler erinnerte. Auch spannend: Das (eigentlich) erste Fahrzeug mit Einscheiben-Wankelmotor war ein NSU Prinz. Dieser war als Undercover-Testwagen unterwegs, um die Serienreife zu prüfen. Nur eine Hand voll Eingeweihter wusste, was sich im Heck des Pkw verbarg.

Im NSU Spider ist der Wankelmotor ebenfalls hinten verbaut, als Unterflurmotor mit entsprechendem Hinterradantrieb. Dadurch entstand sowohl in der Front als auch im Heck Stauraum. Das gesamte Motoraggregat inklusive Getriebe, Anlasser und Generator wog nur 125 Kilogramm. Auch wenn der Spider als recht drehfreudig galt (der Drehzahlmesser geht bis 8.000), wurde von späten Schaltvorgängen im Allgemeinen abgeraten, um Überhitzung und Motorschäden zu vermeiden. Der Wasserkühler sitzt im Übrigen trotz Heckmotor am Bug des Fahrzeugs, ebenso der Kraftstofftank.

Kurze Erfolgsgeschichte

In die Annalen ein ging der Zweisitzer als deutscher Rallyemeister 1966 und deutscher Bergmeister 1967. Dort kam nicht der 50-PSler zum Einsatz, stattdessen brachte ihn ein 108 PS starker Wankelmotor ins Ziel. Und sogar bei der norwegischen Winter-Rallye 1967 belegte er den zweiten Platz. Frisiert wurde er dafür mit einem höheren Fahrwerk und Gleitkufen am Unterboden.

Obwohl er als absoluter Hingucker galt, lief der Verkauf eher schleppend. 5.000 Fahrzeuge pro Jahr waren das Ziel, tatsächlich wurden in seiner gesamten Laufbahn bis 1967 nur 2.375 Stück gebaut. Mittlerweile erfreut sich der NSU Spider großer Beliebtheit unter Sammlern, geschätzt gibt es weltweit noch 450 Stück. Die Farbpalette ist mit Lilienweiß und Alfarot eher dürftig, was vermutlich nicht zuletzt an den geringen Verkaufszahlen liegt. Heutzutage findet man das Cabrio auf Oldtimer-Verkaufsportalen je nach Zustand zwischen 15.000 bis über 40.000 Euro.

Probleme gab es häufig mit Undichtigkeiten oder gar Motorschäden, auch der Verbrauch von Öl und Benzin schreckte Käufer ab. Da waren Fahrberichte wie die vom Spiegel 1966 sicher nicht hilfreich: Von stolzen 21,4 Litern Benzin und 1,25 Litern Motoröl auf 100 Kilometer war die Rede, ganz gegenteilig zu den vom Werk angegebenen 8,5 Litern Benzinverbrauch. Deutlich besser lief das Lizenzgeschäft für den Kreiskolbenmotor. Autobauer wie Nissan, Porsche und Toyo Kogyo (jetzt Mazda) stiegen in das Geschäft ein. Letztere folgten im Jahr 1967 ebenfalls mit einem historischen Titel: als erster Zweischeiben-Wankelmotor weltweit, verbaut im Mazda Cosmo Sport 110 S.

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