KRAFTHAND-Service: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu AdBlue

AdBlue im Pkw: Die schadstoffreduzierende Abgasnachbehandlungstechnik hat sich mittlerweile bei etlichen Automobilherstellern etabliert. Bild: Audi

Strengere Abgasvorschriften zwingen die Automobilhersteller, neue Technologien zur Verbesserung der Schadstoffwerte einzusetzen. Dazu gehören SCR-Abgasnachbehandlungssysteme, basierend auf einer Harnstofflösung namens AdBlue. Die im Pkw-Bereich noch recht junge Technik konfrontiert die Kfz-Fachleute mit neuen Aufgaben. KRAFTHAND hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt. Ein ausführlicher Beitrag dazu erscheint in KRAFTHAND Ausgabe 4 / 2015 (28. Februar).

Wie gefährlich ist AdBlue?
Bei AdBlue handelt es sich um eine synthetisch hergestellte 32,5-prozentige Lösung von hochreinem Harnstoff in demineralisiertem Wasser, von der im Sinne des europäischen Chemikalienrechts keine besondere Gefährdung ausgeht.

Muss die Werkstatt im Umgang damit etwas beachten?
Auch wenn von AdBlue keine besondere Gefährdung ausgeht, muss der Kfz-Profi bei der Arbeit mit AdBlue Schutzbrille und Schutzhandschuhe tragen, um Augen und Haut zu schützen.

Und wenn die Substanz trotzdem in die Augen gelangt?
Als Sofortmaßnahme bei Spritzern in den Augen sind diese bei gespreizten Augenlidern unter fließendem Wasser gründlich zu spülen.

Ist AdBlue unbegrenzt lagerfähig?
Nein, da sich das Produkt im Laufe der Zeit zersetzt. AdBlue muss beim Einfüllen in den Tank eines Kraftfahrzeugs die in der ISO 22241-1:2006 festgelegten Qualitätsanforderungen erfüllen. Ein Teil der in dieser Norm spezifizierten Werte ändert sich im Verlauf der Lagerung durch die langsame Zersetzung des Harnstoffs.

Beeinflusst überlagertes oder mangelhaftes AdBlue die Katalysatorhaltbarkeit?
Der im SCR-System verwendete Katalysator besteht aus Metallverbindungen, die auf einem keramischen Träger fixiert sind. Die Funktionsfähigkeit hängt in hohem Maße von der tatsächlichen Aktivität dieser aktiven Zentren und von der Größe der Poren in dem keramischen Träger ab. Von der Porengröße hängt die Diffusionsrate der Abgase im Katalysator ab. Die Qualität von AdBlue ist dabei entscheidend, da viele Komponenten, deren Grenzwerte in ISO 22241 definiert sind, zu irreparablen Schäden am Katalysatorsystem führen, indem sie die Poren physikalisch verstopfen oder die reaktiven Zentren deaktivieren. Eine Verschlechterung der Aktivität des SCR-Abgasnachbehandlungssystems aufgrund inaktiver Katalysatorstellen kann zu einer Erhöhung der NOx-Emissionen führen und durch Erhöhung des Abgasdrucks Sekundärschäden am Motor selbst verursachen.

Welche Anforderungen müssen Behälter zur Lagerung von AdBlue erfüllen?
Behälter und Vorratskanister für AdBlue müssen aus Materialien hergestellt sein, die keine in der Verpackung enthaltenen Stoffe in das darin gelagerte Produkt abgeben. Wenn dies gegeben ist, dann haben die Gebinde einen untergeordneten Einfluss auf die Lagerdauer.

Besteht eine Gefahr für die Umwelt, wenn AdBlue ins Grundwasser gelangt?
Da AdBlue die Wassergefährdungsklasse 1 hat und es für den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen keine deutschlandweit einheitliche Regelung gibt, sollte der Kfz-Fachmann die für Wasser zuständigen örtlichen Behörden hinzuziehen.

Ist AdBlue in geringen Mengen als Sondermüll zu entsorgen?
Da AdBlue ähnliche Bestandteile wie menschlicher Urin enthält, allerdings in anderem Mischungsverhältnis, ist AdBlue kein Sondermüll, wenn man es mit neun Teilen Wasser verdünnt. Damit entspricht es im Harnstoffgehalt in etwa menschlichem Urin. Harnstoff ist in Kläranlagen gut abbaubar. Daher können kleine Restmengen von AdBlue, die nach dem Eintanken in einem Vorratskanister verblieben sind, sowie Reste des festen, weißen Harnstoffs, der nach Verdunsten des Wassers in AdBlue verbleibt, mit Wasser in die Kanalisation gespült und über eine Kläranlage entsorgt werden.