Der erste Alfa Romeo unter Fiat

Mit seiner Extravaganz lockte der 164er Kunden für die obere Mittelklasse an und sicherte damit Ende der 1980er das Überleben der Marke. Zwar war es das erste Alfa-Modell unter der Führung von Fiat, doch war die Limousine trotzdem noch ein „echter“ Alfa Romeo.
Das Geld war knapp, die Probleme groß und die Sorgenkinder probten den Schulterschluss. Anfang der 80er-Jahre beherzigten Fiat, Lancia, Saab und Alfa Romeo eine alte Ingenieursweisheit: Wer eine gemeinsame Bodengruppe für verschiedene Modelle nutzt, spart Entwicklungskosten. Der Auftrag für die Karosserie ging als Sammelbestellung an Italdesign. Fiat hatte seinen Croma, Lancia seinen Thema und Saab den 9000.
Und Alfa Romeo? Der nahm die Bodengruppe und machte fortan sein eigenes Ding, denn es stand nicht weniger als das Überleben auf dem Spiel. Dazu gehörte auch, dass die Marke 1986 von Fiat übernommen wurde und das Alfa-Modell unter dem Dach des neuen Mutterkonzerns auf der Frankfurter IAA 1987 vorgestellt wurde. Dennoch war der 164er ein „echter“ Alfa, da ihn die Italiener noch vor der Übernahme entwickelt hatten.
Sportlicher Luftwiderstand
Der 164er wurde ein gelungenes Fahrzeug, besonders weil es unter dem Diktat des Sparens entstehen musste. Der Automobilhersteller hatte dafür mit einigen Gewohnheiten gebrochen. Das fing schon bei der Karossiere an. Statt den gewohnten Rundungen entwickelte Pininfarina ein eckiges leicht keilförmiges Exterieur mit stark geneigter A- und C-Säule. Dazu kam das hintere Leuchtenband über die gesamte Wagenbreite, das zum Merkmal aller späteren Alfa-Modelle werden sollte. Für Extravaganz sorgte auch die durchgehende Falte in den Wagenflanken. Die ganze Erscheinung brachte es auf einen sportlichen Luftwiderstand von 0,305 cw.
Dazu passt auch das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung, vorn mit Querlenker und MacPherson-Federbeinen, hinten mit Längslenker und Federbeinen. Alfa Romeo ging sogar so weit, für den Markenretter vom geliebten Hinterradantrieb auf den Vorderradantrieb umzustellen. Die Alumotoren mit vier und sechs Zylindern waren vorne quer eingebaut. Der 2,0 Liter große Twin Spark mit vier Zylindern und Doppelzündung (zwei Zündkerzen pro Zylinder) sorgte für eine optimale Verbrennung und leistete 109 kW (148 PS). Dirigiert wurden alle Aggregate von einem Fünf-Gang-Schaltgetriebe. Optisch unterschieden sich die Vier- und Sechszylinder-Modelle nur bei genauem Hinsehen: Bei den Vier-zylindern waren die Räder mit vier Schrauben befestigt, bei den Sechszylindern mit fünf Schrauben.
Sechszylinder mit 232 PS
Weil Alfa Romeo schon vor dem Verkaufsstart viel Energie in die Bekämpfung von Kinderkrankheiten gesteckt hatte, wurde am Wesen des 164er in der gesamten Produktionszeit nur wenig verändert. Anfang der 90er Jahre entschied man sich, den Motor drei Zentimeter tiefer einzubauen, um die Antriebseinflüsse auf die Lenkung und den schlechten Geradeauslauf beim Beschleunigen zu bekämpfen.
Unter der Haube wurde jedoch wesentlich mehr angepasst: Im Lauf der Jahre gab es den 164er unter anderem mit einem 2,0 Liter großen Turbo-aggregat und 175 PS. In den letzten drei Produktionsjahren (1994 bis 1997) brachten es die starken Sechszylinder-Motoren mit 24 Ventilen sogar auf 232 PS, ab 1994 gab es zudem eine Allradversion mit Sechs-Gang-Schaltgetriebe oder wahlweise mit Automatik.
Bis 1997 wurden insgesamt rund 273.000 Einheiten produziert, die der Marke Alfa Romeo über den Berg halfen. Heutzutage wird das Modell auf dem Gebrauchtmarkt je nach Motor, Zustand und Laufleistung zwischen 10.000 und 25.000 Euro gehandelt. Wichtig dabei ist vor allem, den Motoren die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen. Einen 164er muss man in Ruhe warmlaufen lassen, bevor man ihm die Sporen gibt.
Exklusive Einblicke
Die Experten der zentralen GTÜ-Klassikabteilung haben die Expertise für Klassiker aller Art und kennen die spannenden Aspekte jeder Historie. Krafthand veröffentlicht in loser Folge exklusive Einblicke in die umfangreiche Datenbank der Sachverständigenorganisation.







Schreiben Sie den ersten Kommentar