Blick ins KRAFTHAND-Magazin: Worauf bei Oldtimer-Stoßdämpfern zu achten ist

Schon damals anspruchsvoll gedämpft: Der staatstragende Mercedes-Benz 600 (W 100), gebaut von 1964 bis 1981, hatte hydraulisch verstellbare Bilstein-­Dämpfer. Bild: Schmidt

Als Lieferant für moderne Federn in Luftfahrwerken ist Bilstein in der Aftermarket-Branche weithin bekannt. Jedoch liefert das Unternehmen auch Teile für Oldtimer-Fahrzeuge, und das vielfach im Original. KRAFTHAND sprach mit Jan Fork von der Abteilung ‚Projektmanagement Sonderwunsch’ des Unternehmens.

Unter anderem wurde darüber gesprochen, welche Herausforderungen mit historischen Stoßdämpfern verbunden sind und welche technischen Details es gibt.

Herr Fork, für wie viele Fahrzeugmodelle hat Bilstein Oldtimer-Stoßdämpfer im Programm?
Aktuell berücksichtigen wir mehr als 656 Fahrzeugmodelle mit einem Alter von mehr als 25 Jahren. Ist einmal etwas nicht lieferbar, kommt die Abteilung Kundensonderwunsch ins Spiel. Dort können alte Bilstein-Einrohr-Gasdruck-Stoßdämpfer revidiert oder auch komplett nachgebaut werden. In der Regel können auch Stoßdämpfer anderer Hersteller rekon­struiert werden. Dies funktioniert über ein altes Musterstück oder entsprechend ­exakte Daten zum Fahrzeug selbst. In diesem Fall würden dann allerdings Einrohr-Gasdruck-Stoßdämpfer zum Einsatz kommen, die in ihren ­Parametern von uns möglichst exakt auf die alte Substanz abgestimmt würden.

Wird ein historischer Stoßdämpfer im Hinblick auf das Design nach historischem Vorbild gebaut und wie steht es um die Technik?
1954 entwickelte Bilstein den ersten serienreifen Einrohr-Gasdruck-Stoßdämpfer nach dem De-Carbon-Prinzip, der bis heute als wesentlicher Beitrag zur aktiven Fahrsicherheit gilt, und verbaut diesen Typ bei Sonderanfertigungen für Oldtimer unisono. Bei sofort lieferbarer Katalogware hingegen können es aber auch schon mal Zweirohr-Dämpfer sein. Vom grundsätzlichen Arbeitsprinzip hat sich in beiden Fällen bis heute kaum etwas geändert.

Gibt es Abweichungen vom historischen Original?
Lackierungen oder Beschriftungen können im Detail vom historischen Original abweichen. So ist auf neuen Dämpfern natürlich nicht mehr die Herkunftsbezeichnung ‚Made in Western Germany’ zu lesen. Wer äu­ßers­ten Wert auf die Originalität seiner Stoßdämpfer legt, kann diese von der Abteilung Kundensonderwunsch auch revidieren lassen, was überhaupt eine ausgezeichnete und kostengünstigere Alternative zum Neubau darstellt. Werden Dichtungen und weitere Verschleißteile sowie die Ölfüllung ersetzt, kann heute auch ein mehr als 40 Jahre alter Dämpfer noch gute Dienste leisten.

Hat Bilstein für die historischen Stoßdämpfer entsprechende Anbaukits im Angebot?
Die fahrzeugspezifischen Anbaumaterialien könnten je nach Zustand in der Regel wiederverwendet werden oder liegen unseren Stoßdämpfern bei.

Worin besteht die wesentliche Herausforderung bei der Fertigung historischer Stoßdämpfer? Gibt es beispielsweise keine Baupläne/Lastenhefte mehr? Oder wird bei Bedarf bei den Fahrzeugherstellern recherchiert?
Die technischen Archive von Bilstein sind äußerst umfangreich und ab den späten 1960er Jahren nahezu lückenlos. Aber auch für frühere Jahrgänge finden sich bei uns oft noch Unterlagen. Beim Datenmaterial können wir sogar dem einen oder anderen Autohersteller mit Informationen aushelfen. Eine Zuordnung zum jeweiligen Fahrzeug ist über die spezifische Teilenummer problemlos möglich. Sollten einmal keine technischen Aufzeichnungen vorliegen, müssen die nötigen Daten so gut wie möglich rekonstruiert werden.

Gab es auch vor Jahrzehnten bereits technisch anspruchsvolle Stoßdämpfer im Hinblick auf verstellbare Dämpferkennlinien oder Luftfahrwerk?
Zu nennen ist hier etwa der legendäre Porsche 959, der bereits 1986 mit einer Niveauregulierung und elektrisch stufenlos verstellbarem Dämpfungsfaktor aufwarten konnte. Hierfür besaß er unter anderem gleich zwei Bilstein-Einrohr-Gasdruck-Stoßdämpfer pro Rad, Und der staatstragende Mercedes-Benz 600 (W 100), gebaut von 1964 bis 1981, hatte hydraulisch verstellbare Bilstein-Dämpfer.

Herr Fork, herzlichen Dank.

Die Fragen stellte Ralf Lanzinger

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