Blick ins KRAFTHAND-Magazin: Leckagen an Kraftstoffsystemen aufspüren

Mit dem Rauchgasgerät SMT 300 von Bosch kann der Mechatroniker auch kleinste Leckagen im Kraftstoffsystem lokalisieren.

Falschluft beeinträchtigt nicht nur das Motormanagement, sondern auch die Funktions­weise des Aktivkohle- und Tanksystems. Die Ottomotoren reagieren empfindlich auf entsprechende Fehler. Für die Werkstätten bedeutet dies Detektivarbeit, außer man setzt ein Rauchgasgerät zur Diagnose ein.

Das EVAP-System (evaporative emissions control), auch als Kraftstoffverdunstungs-Rückhaltesystem (AKF-System) bezeichnet, ist in den Fahrzeugen heutzutage OBD-überwacht. Bei einem undichten Kraftstoffsystem geht die Motorkontrollleuchte an und ein Fehler wird im Motorsteuergerät (PCM) abgelegt – beispielsweise Code P0441. Zudem meldet das System die Größe der Undichtigkeit. Jetzt sollte der Mechatroniker das Rückhaltesystem überprüfen.

Enge Motorräume
Doch dies gestaltet sich aufgrund der teils engen oder verbauten Motorräume äußerst schwierig. Leckagen, durch die der Kraftstoff emittiert, sind so mit herkömmlichen Werkstattmitteln für den Techniker meist nicht zu erkennen. Und wie soll er erst kleinste Undichtigkeiten von weniger als einem halben Millimeter Durchmesser finden? Hier bietet sich der Einsatz eines Rauchgasgeräts an, wie sie Bosch, Hella Gutmann Solutions, Normteile Ehert und Snap-on Tools anbieten. Das Gerätesystem hat der US-amerikanische Hersteller Star Enviro Tech entwickelt.

Kombinationsleuchte
Die Technologie eignet sich mit Hilfe der Kombinationsleuchte für das Auffinden von Lecks und Undichtigkeiten in geschlossenen Fahrzeugsystemen. In KRAFTHAND 12/2015 ab Seite 22 wurde bereits beschrieben, wie sich feinste Leckagen am Ansaugsystem finden lassen. Das ist jedoch nicht die einzige Anwendung, erklärt Thomas Horn von Star Enviro Tech, der sich dabei auf die Fehlersuche am AKF-System bezieht.

Undichtigkeiten am AKF-System prüfen
Beim Prüfen des Kraftstoffsystems und dem Einsatz eines inerten Gases muss der Mechatroniker unbedingt die gesetzlichen Bestimmungen und Vorgaben unter anderem von der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) sowie der SAE-International-Organisation beachten. Und bevor er zur Prüfung eventueller Undichtigkeiten am AKF-System einen Universal-Tankverschlussadapter auf den Kraftstoffeinfüllstutzen aufsetzt, muss er sicherstellen, dass das Tankvolumen des Tanks circa 60 Prozent nicht übersteigt, damit sich genügend Rauchdampf im System ausbreiten kann.

Inertes Gas
Anschließend schließt er das Rauchgasgerät an eine mit inertem Gas (Stickstoff, Argon oder CO2) gefüllten Flasche an und verbindet den Rauchversorgungsschlauch mit dem Tankverschluss­adapter. Nun startet der Mechatroniker das Gerät und stellt den Rauchvolumenregler sofort auf Maximum ein, bis sichtbar Rauch an der Öffnung am Aktivkohlebehälter austritt. Erst jetzt ist garantiert, dass das Entlüftungssystem mit Rauchdunst gespült und gesättigt ist.

Aktivkohlefilter
Danach verschließt der Mechatroniker die Öffnung am Aktivkohlefilter gegenüber der Atmosphäre und stellt so ein geschlossenes System her. Am Gerät ist nun zu sehen, dass sich der sogenannte Flowmeterball in der Glasskala langsam absenkt. Senkt dieser sich bis ganz auf den Boden der Skala ab, bedeutet das, dass das komplette System dicht ist. Findet sich jedoch im Motorsteuergerät der Fehlercode P0441, heißt das, die Durchflussrate ist zu gering. Der Mecha­troniker zieht nun den Schlauch vom Regenerierventil im Motorraum zum Saugrohr (Ansaugbrücke) ab und schaltet das Rauchgasdiagnosegerät ein. Jetzt darf am Regenerierventil kein Rauchgas austreten. Wird das Ventil über das PCM mit dem Signal öffnen oder schließen angesteuert, muss der Flowmeterball unten auf dem Skalenboden aufliegen. Das heißt für die Werkstatt: aktiviert = großer Rauchaustritt, deaktiviert = rauchfrei. Somit kann der Techniker die Bauteilefunktion des Systems genauestens prüfen. Vorteile: weniger Zeitaufwand für die Fehlersuche, keine Fehldiagnosen und keine unnötig getauschten Ersatzteile.

Hinweis
Nicht immer arbeitet das Regenerierventil in der richtigen Position, deshalb setzt das PCM den Fehlercode P0441 ‚Durchflussrate zu gering’. Ebenso kann je nach Strategie des Fahrzeugherstellers ein zu mageres Gemisch im PCM mit Fehlercode P0171 hinterlegt sein. Hier zieht der AKF-Filter gegenüber der Frischluftöffnung Falschluft, wenn das Regenerierventil dauerhaft geöffnet bleibt. Das beeinflusst gravierend die AU-abgasrelevanten Messdaten wie CO, CO2, HC und Lambda.

Weitere Informationen und der ausführliche Artikel zum Thema in der aktuellenKRAFTHAND 12/2016.