Testgelände
Bremsbelag

Besser bremsen ohne Kupfer und Asbest

Bei Tests zeigte sich, dass sich die Bremswege bei mit Eco-Friction-Bremsbelägen ausgestatteten Fahrzeugen deutlich verringern. Hier eine Aufnahme von einem Testgelände in der Nähe von Neapel. Bild: Lanzinger

Der Markt für Bremsbeläge ist in Bewegung geraten. Die Hersteller arbeiten insbesondere an neuen Reibbelagsmischungen. Zudem erhalten ökologische Aspekte zunehmend Gewicht. Dies lässt sich auch als Verkaufsargument in der Kommunikation mit dem Endkunden einsetzen.

So brachte Federal-Mogul Motorparts im vergangenen Jahr seine kupferarmen und -freien Bremsbeläge der Reihe ‚Eco-Friction’ von Ferodo auf den Markt. Der herkömmliche Kupferbelag reibt nach und nach ab. Die neuen ‚Eco-Friction’-Bremsbeläge dagegen senken die Absonderung von Kupfer und anderen Partikeln in die Umwelt ganz erheblich. Mit positiven Auswirkungen auf den Gewässerschutz. Überhaupt ist der Umweltschutzgedanke für Werkstätten bares Geld wert, betont Andreas Grosse-Coosmann, Director Marketing bei Federal Mogul: Umweltargumente lassen sich sehr gut als Verkaufshilfen im Kundengespräch einbauen.

Verbesserte Bremsleistung

Im Vergleich zu kupferhaltigen Wettbewerbsprodukten herkömmlicher Art verbessert sich die Bremsleistung eines VW Golf VI mit einem ‚Eco-Friction’-Bremsbelag bei 100 km/h um 10 Prozent. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich den Angaben zufolge im gesamten Pkw- und Nutzfahrzeugbereich. Die Bremsleistung der ‚Eco-Friction’-Beläge wurde mit den vier wichtigsten Wettbewerbsprodukten beim VW Golf VI und Renault Captur sowie den leichten Nutzfahrzeugen Peugeot Boxer und Fiat Ducato verglichen: Die ‚Eco-Friction’-Beläge verbesserten die Bremsleistung des VW Golf bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h um 10 Prozent und bei 115 km/h sogar um 17 Prozent. Die Bremsleistung des Renault Captur stieg bei gleichen Ausgangsgeschwindigkeiten um 10 und 15 Prozent. Beim Peugeot Boxer und Fiat Ducato verkürzten sich die Bremswege um 12 und 16 Meter.

Kupferverbot

Thomas Ihl, Geschäftsführer DACH von Federal-Mogul Motorparts: Mit Ferodo bieten wir dem Ersatzteilmarkt neueste OE-Technologien und eine besonders hohe Produktqualität. Die Testergebnisse zeigen, dass Eco-Friction diese Anforderungen mit Blick auf die Sicherheit und die Umwelt erfüllt. Im Vergleich zu kupferhaltigen Bremsbelägen herkömmlicher Art können wir gleiche oder bessere Leistung und Sicherheit gewährleisten. Gleichzeitig konnten wir noch vor der Einführung des langfristigen Verbots von Kupfer in Bremsbelägen die Wärmeleitfähigkeit durch das Zusammenspiel verschiedenster Materialien aufrechterhalten.

Bremsbelag, Federal-Mogul
Die Eco-Friction-Bremsbeläge tragen auch dem Umweltschutzaspekt Rechnung. Bild: Federal-Mogul

Federal-Mogul Motorparts testete dazu mehr als 1.500 Materialien, um Kupfer in der Bremsbelagformulatur ersetzen zu können. Diese Technologie gehört bereits zur Erstausrüstung von Herstellern wie Mercedes-Benz und Audi. Die Test ergebnisse beweisen, dass Eco-Friction-Beläge die Bremskraft bei höheren Geschwindigkeiten und in schwereren Fahrzeugen deutlich verbessern. Damit tragen die kupferarmen und -freien Materialien gleichermaßen zum Schutz von Verkehrsteilnehmern und der Umwelt bei“, fügt Silvano Veglia, Product Marketing Director Braking EMEA bei Federal-Mogul Motorparts, hinzu. Vor der Einführung in den Aftermarkt erhielt die Eco-Friction-Technologie bereits 2013 im Rahmen der Messe Equip Auto in Frankreich die Golden Trophy des ‚International Grand Prix of Automotive Innovation’.

Asbestfrei

Hella Pagid Brake Systems erweitert im Herbst sein Sortiment um NAO(Non-Asbestos Organic)-Bremsbeläge speziell für asiatische Fahrzeugmodelle. Mit der NAO-Range positioniert sich das Unternehmen noch stärker als Vollsortimenter am freien Ersatzteilmarkt. Hella Pagid bietet die Produkte zunächst in Russland, Süd-Ost-Asien, China, Australien und im Mittleren Osten an. Zeitnah sollen neben Bremsbelägen auch entsprechende Bremsscheiben das Portfolio ergänzen. Angepasst an die Bedarfe der ausgewählten Regionen, wird das Sortiment kontinuierlich ausgebaut.

Die neuen NAO-Bremsbeläge unterscheiden sich in ihrer Materialzusammensetzung deutlich von in Europa gängigen Bremsbelägen. Sie bestehen etwa ausschließlich aus organischen Materialien, wie Glas-, Gummi- oder Kevlar-Fasern und sind dadurch deutlich weicher. Das sorgt nicht nur für einen minimalen Verschleiß, sondern auch für minimale Bremsgeräusche und eine geringe Bremsstaubentwicklung. In vielen Ländern außerhalb Europas sind diese beiden Aspekte besonders wichtig. In Deutschland hingegen legen Fahrer großen Wert auf Performance-Eigenschaften, wie etwa auf ein geringes Fading oder auf eine hervorragende Bremswirkung bei sehr hohen Geschwindigkeiten“, sagt Miriam Niestadtkötter, Produktmanagerin bei Hella Pagid.

Scherfestigkeit

Die NAO-Bremsbeläge sind komplett asbestfrei. Alle Bremsbeläge von Hella Pagid durchlaufen vor ihrem Einsatz verschiedene Labortests, wie Dynometer-Tests oder den AMS-Test. Damit überprüft Hella Pagid seine Produkte beispielsweise auf Kompressibilitäts-, Wärmeübergangs-, Ausdehnungs-, und Scherfestigkeitseigenschaften. So soll sichergestellt werden, dass sämtliche Produkte den Ansprüchen an Qualität, Sicherheit und Langlebigkeit genügen.

Bisher hatte Hella Pagid Bremsbeläge und Bremsscheiben speziell für den europäischen Fahrzeugmarkt im Programm. In Europa decken wir nahezu 100 Prozent des Fahrzeugbestands ab“, sagt Miriam Niestadtkötter Doch in Ländern wie China oder dem Mittleren Osten machen asiatische Fahrzeughersteller und -modelle den Großteil des Fahrzeugbestands aus. Unser Ziel ist, unseren Kunden überall auf der Welt das passende Produkt anzubieten.“ Deshalb entwickelt Hella Pagid sein Sortiment kontinuierlich weiter. Und das nicht nur im Hinblick auf die verschiedenen Fahrzeugmarken und -modelle, sondern auch in Bezug auf die technischen Eigenschaften der angebotenen Bremsteile. Die speziellen Komfortaspekte hinsichtlich geringerer Bremsgeräusche und minimaler Bremsstaubentwicklung berücksichtigen jetzt die Produkte der NAO-Range.