Geschäftsmodell überdenken

Wer mitgebrachte Teile verbaut, muss allerdings auch sein Geschäftsmodell überdenken und damit die Preisgestaltung – zum Beispiel einen höheren Stundenverrechnungssatz ansetzen. Denn die Mischkalkulation geht aufgrund der mitgebrachten Teile nicht mehr auf – zumindest nicht so, dass die Werkstatt damit eine ausreichende Marge erwirtschaften kann. Eine spannende Frage ist auch: Soll dem Kunden überhaupt mitgeteilt werden, dass ein höherer Stundenverrechnungssatz angesetzt wird? Besser ist es hierbei sicherlich, einen Pauschalpreis anzubieten, wenn der Kunde mit einem mitgebrachten Teil – beispielsweise einem Auspuff – in die Werkstatt kommt. Wichtig hierbei ist es für Werkstätten zudem, sich von der rechtlichen Seite her abzusichern, vor allem im Hinblick auf Garantie und Gewährleistung.

Das Internet schafft Preistransparenz bei Ersatzteilen.

Das Thema Internethandel hat zudem noch einen weiteren wichtigen Aspekt: Auch die Werkstatt kann den Internethandel aktiv nutzen. Hierzu hat die Initiative Qualität ist Mehrwert, ein Zusammenschluss einiger Automobilzulieferer, im Jahr 2016 eine Umfrage gestartet, um nach den Gewohnheiten freier Kfz-Werkstätten bei der Onlinebestellung von Kfz-Ersatzteilen zu fragen. Es beteiligten sich 1.005 Betriebe. Die Umfrageergebnisse fasst Qualität ist Mehrwert in sieben Sätzen zusammen:

1. Auf die Leistungen und den Service ihres Großhändlers möchte kaum eine freie Werkstatt verzichten.

2. Fast jede freie Kfz-Werkstatt hat Onlineshops für Kfz-Teile schon einmal genutzt.

3. Mehr als die Hälfte der freien Kfz-Werkstätten nutzt Onlineshops für Autoteile regelmäßig.

4. Freie Kfz-Werkstätten nutzen Onlineshops überwiegend für Teile, die der Stammgroßhändler nicht liefern kann.

5. Der günstige Preis ist für Onlinebestellungen die größte Motivation.

6. Die Hälfte der Kfz-Werkstätten bestellt online ausschließlich Markenteile.

7. Freie Werkstätten vermissen im Onlinegeschäft Service und Kulanz.

Die Auswertung der Kfz-Werkstattumfrage lässt den Schluss zu, dass der Onlinehandel den Kfz-Ersatzteilemarkt weniger revolutioniert, sondern vielmehr erweitert. Der Onlinehandel wird zu einem großen Teil für spezielle Produkte genutzt, die renommierte Großhändler nicht anbieten. Der Onlinehandel scheint also einen Komplementärmarkt zu eröffnen. Selbstverständlich werden auch – vor allem des Preises wegen – Teile gekauft, die ebenfalls von Großhändlern angeboten werden. Hier vermissen Werkstätten dann allerdings den Service und die Kulanz des klassischen Großhändlers.

Die Treue zum klassischen Großhandel ist nach wie vor ungebrochen, weshalb sich dieser in einer vergleichsweise guten Position befindet. Um Käufer vom Onlinehandel zurückzugewinnen, sollten die Hebel im Bereich Verfügbarkeit sowie der Beschaffung von Spezial- und Gebrauchtteilen ansetzen. Ein großer Vorteil des klassischen Großhandels gegenüber dem Onlinehandel liegt beim Service und der Kulanz. Diese Stärke sollte an die Kfz-Werkstätten auch auf den Onlineplattformen und -shops der Großhändler transparent kommuniziert werden, rät Qualität ist Mehrwert .

KRAFTHAND hat darüber noch weitere Kfz-Meister und Inhaber von Betrieben gefragt: Woher beziehen Sie Ihre Teile? Und: Verbauen Sie Teile, die Kunden mitgebracht haben? Zum Video „hier“ klicken.