
ADAS-Tests in der Zwickmühle
Vor einiger Zeit konnte ich mit einem 5er BMW fahren, der den Autobahnassistenten an Bord hatte. Beeindruckend, wie ein Fahrzeug selbst die Geschwindigkeit erhöht oder verringert, lenkt und sogar einen Spurwechsel vollzieht.
Dass hinter solchen Systemen eine Menge Entwicklungsarbeit steckt: einleuchtend. Doch klar ist auch, dass das Testen der Fahrzeuge auf eigener Achse allein nicht mehr möglich ist. Ein Experte sprach mir gegenüber – bezogen auf vollautonomes Fahren – von 500 Jahren, die es dauern würde, auf diese Weise alle relevanten Szenarien abzudecken und die Systeme dann als sicher genug einstufen zu können. Ein Aufwand, der zeitlich und aufgrund der Komplexität gar nicht machbar ist.
Bleibt also nur die Simulation. Und zwar nicht nur zum Testen der Software, sondern auch der Hardware und sogar des gesamten Fahrzeugs (mehr dazu hier). Es lassen sich also selbst physische Komponenten simulieren. Erst zum Schluss, nachdem alle Bausteine ihre Funktionsfähigkeit unter Beweis gestellt haben, wird das Fahrzeug auf der Straße getestet. Und trotz dieser digitalen Hilfe ist es komplex und zeitaufwendig, gut funktionierende Assistenzsysteme zu bauen.
Und das vor dem Hintergrund, dass sich der nicht zuletzt durch chinesische Autohersteller forcierte Konkurrenzdruck potenziert hat – besonders bei der Digitalisierung und im Bereich der FAS. Anders ausgedrückt: Es besteht ein erheblicher Wettbewerb um die nächsten SAE-Levelstufen. Jeder will der Erste sein. Ich frage mich, ob unter diesen Umständen die Systeme weiterhin so genau geprüft werden, wie es sein müsste. Oder ob probate Tests aufgeweicht werden, um mithalten zu können.
Wie steht es dann aber mit der Sicherheit? Schon jetzt ist das Internet voll mit bedenklichen Berichten. Etwa von unerwarteten (Re-)Aktionen der FAS, die es so nicht hätte geben dürfen. Ganz zu schweigen von schweren Unfällen, die auf versagende FAS und/oder einen autonomen Fahrmodus zurückgehen. Wie es mit der Aufklärung solcher Unfälle steht, weiß man mittlerweile: sehr schwierig aufgrund der technischen Komplexität. Und weil Ermittlungsbehörden dabei auf Daten aus den Fahrzeugen angewiesen sind, die vom OEM kommen müssten, gegen den als möglichen Verantwortlichen für das Versagen der FAS allerdings zugleich ermittelt wird. Wie vertrauenswürdig ist das? Wird unter diesen Umständen autonomes Fahren jemals populär werden können?








