
Verlieren die Freien an Freiheit?
So lieb die Deutschen ihren Verbrenner haben: 2026 könnte dennoch aus mehreren Gründen das Jahr der E-Mobilität werden – und vielleicht einen Wendepunkt im Reparaturmarkt einleiten. Aber eins nach dem anderen: Schon im vergangenen Jahr zeigte die Kurve der Zulassungszahlen für batterieelektrische Autos deutlich nach oben. Deshalb und wegen rückwirkend zum 1. Januar 2026 beschlossener E-Auto-Förderung gehen Experten von weiteren Steigerungen aus. Der ZDK etwa prognostiziert, dass sich bei den Neuzulassungen der BEV-Anteil 2026 bei rund 20 bis 25 Prozent einpendelt (siehe auch hier).
Trifft dies wirklich ein, dürfte das nicht nur zu geringeren Wartungsumsätzen bei den Markenbetrieben führen, sondern relativ bald auch zu weniger Reparaturaufkommen bei den Freien. Denn wenn jedes vierte bis fünfte neu zugelassene Auto ein reiner Stromer ist, dann bekommen das in fünf oder sechs Jahren auch die Markenunabhängigen zu spüren. Nicht dass an E-Autos nichts kaputtgeht und keine umfangreichen Reparaturen mehr anfallen. Aber kostspielige Öl- und Zahnriemenwechsel, verstopfte DPF oder verkokte AGR-Einheiten gibt es bei E-Autos nun mal nicht. Erschwerend kommt hinzu: Die langen Batteriegarantien verleiten eher dazu, länger bei einem Vertragshändler zu bleiben.
Große Herausforderungen also für den IAM, aber ganz sicher nicht das Ende. Denn erstens gibt es noch genug an alten und jüngeren Verbrennern zu schrauben und zweitens kommt der Umschwung nicht über Nacht und der IAM hat noch immer Wege für seinen Fortbestand gefunden. Und vor allem: Auch E-Auto-Fahrer, die auf (Reparatur-)Kosten schauen, werden früher oder später für zeitwertgerechte Lösungen zu den Freien abwandern.
Und noch ein Aspekt, der Chancen bieten kann: der Trend zum Privatleasing, der laut LeasingMarkt.de bei E-Autos deutlich höher ist als bei Verbrennern. Damit erhöht sich zwar der Anteil reparaturgesteuerter Fahrzeuge, doch müssen Flottenanbieter dafür nicht automatisch Markennetze als Servicepartner favorisieren. Vielmehr könnten auch preisgünstigere Werkstattkonzepte mit einem flächendeckenden Werkstattnetz zum Zug kommen – sofern sie gewisse Standards erfüllen. Das würde allerdings bedeuten, dass markenunabhängige Werkstätten, die davon profitieren möchten, bereit sein müssen, einige ihrer Freiheiten aufzugeben, um verpflichtenden Vorgaben der Systemzentralen etwa zu Schulungen oder IT-Anforderungen nachzukommen.







