Titelbild Krafthand 15-16/2026
Ausgabe:

15-16/2026

Erscheinungstermin:12. August 2026
Bitte melden Sie sich an um das ePaper zu lesen!

Editorial

Das Dilemma der Deutschen

Das, was der Zentralverband des Kfz-Gewerbes ZDK lange forderte, nämlich mit Subventionen den Kauf von E-Autos anzukurbeln, stößt nicht bei jedem auf Gegenliebe. „Es zeigt sich, dass – wie befürchtet – im Wesentlichen ausländische Hersteller von der E-Prämie profitieren“, sagte beispielsweise der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in einem lesenswerten Beitrag im Handelsblatt. Zu den Nutznießern der deutschen Prämie gehören französische und italienische OEMs, vor allem aber verschafft sie chinesischen Anbietern einen Absatzboost. In der Folge fordert Söder – wie auch der ZDK – eine Ausweitung der Förderung auf Gebrauchtwagen. Davon würden seiner Meinung nach deutsche Hersteller stärker profitieren.

Nur löst sich meines Erachtens allein damit das Dilemma der in Deutschland angesiedelten Autobauer nicht auf. Denn in ihren Modellpaletten fehlen kleine, bezahlbare E-Autos, die inzwischen immer mehr gekauft werden oder anderweitig in Verkehr kommen. So berichtet etwa der Auto-Abo-Anbieter Drivio, dass die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden und Elektrofahrzeugen merklich gestiegen ist. Besonders dynamisch sei dabei das Interesse an Abos chinesischer Marken. Hier nahmen die Buchungen laut Drivio im gleichen Zeitraum um rund 326 Prozent zu. Neben den günstigen Preisen könnten also Abomodelle ein weiterer Türöffner für chinesische Autobauer zum deutschen Markt sein. Nun ja, natürlich sind solche enormen Steigerungen auch dem Umstand geschuldet, dass die Zahl an Abos im Vergleich zum Gesamtmarkt bis dato ziemlich klein war.

Dennoch: Verstetigen sich diese Trends, wird der chinesische Vormarsch (und daran arbeiten deren Autobauer intensiv mit langem Atem) der deutschen Automobilindustrie nicht nur – wie schon der Fall – auf dem dortigen Markt richtig weh tun, sondern auch hierzulande. Das kann ob der Bedeutung der heimischen Automobilbauer für die deutsche Wirtschaft hier niemandem gefallen.

Allerdings dürfte die damit einhergehende Pille für die Kfz-Branche nicht ganz so bitter ausfallen. Denn auch Autos aus China müssen verkauft und irgendwann als Gebrauchte wiederverkauft werden. Und auch diese gehen kaputt und landen dann in deutschen Werkstätten zur Reparatur.

torsten.schmidt@krafthand-medien.de

Aus der Rubrik: Werkstattpraxis
Aus der Rubrik: Praxistipp
Aus der Rubrik: Teile & Systeme
Aus der Rubrik: Automobiltechnik
Aus der Rubrik: Rückrufe
Aus der Rubrik: Unternehmenspraxis
Aus der Rubrik: Branche