Euro-DFT, ProMotor
Steuergeräte

Start des Euro-DFT

Bislang ist die Resonanz auf den Euro-DFT gut. So berichtet der ZDK von bereits 100 Bestellungen nach dem ersten Verkaufstag. Bild: ProMotor

Der Verkauf des Euro-DFT ist Anfang Juni gestartet. Rund 250 Teilnehmer aus der Kfz-Branche informierten sich bei der Auftaktveranstaltung in Würzburg über das Diagnose- und Programmierungswerkzeug für Euro-5- und Euro-6-Kraftfahrzeuge sowie das begleitende Schulungskonzept. Über 100 Bestellungen liegen bereits nach dem ersten Verkaufstag vor, teilte das Deutsche Kfz- Gewerbe (ZDK) mit.

Wir alle hatten eine ambitionierte Vision, nämlich die markenübergreifende Diagnose- und Reparaturmöglichkeit mit der Software des jeweiligen Fahrzeugherstellers. Das ist unserer Meinung nach für die freie Mehrmarkenwerkstatt existenziell und für das fabrikatsgebundene Autohaus unabdingbar“, blickte ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk zurück. Mit dem Euro-DFT sei ein System entstanden, das den Betrieben ermöglicht, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch alle Arbeiten am Kraftfahrzeug nach Herstellervorgaben durchzuführen. Das Besondere: Euro-DFT verwendet die Originalsoftware der verschiedenen Hersteller, so Hülsdonk.

Das Euro-DFT besteht aus einem PC-Endgerät (Business-Laptop) und einem Kommunikationsgerät (VCI). Der ZDK hat es in Kooperation mit ADIS-Technology entwickelt. Über einen Laptop lässt sich die Originalsoftware von aktuell zehn Pkw-Marken (Volkswagen-Konzern, Mercedes-Benz, Smart, BMW, Mini, Ford und Opel) zur Diagnose und Programmierung von Steuergeräten nutzen. Es ermöglicht den Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen und bietet weitere Funktionen, wie zum Beispiel Eintragungen in das elektronische Wartungsheft. Das Euro-DFT deckt dabei sämtliche vorgeschriebenen Standards in der Kommunikation mit dem Kraftfahrzeug ab.

Kommunikationsabbrüche werden abgefangen und das Steuergerät lässt sich erneut programmieren.

Um den Funktionsumfang zu erweitern, kann optional eine gängige Mehrmarkendiagnose installiert werden. Mitgliedsunternehmen der Kfz-Innungen erhalten einen Vorteilsrabatt auf das Euro-DFT. Der Vertrieb wird über ADIS-Technology abgewickelt. Interessierte können ab sofort unter www.eurodft.com ein Euro-DFT bestellen. Doch worauf ist in der Praxis beim Flashen konkret zu achten? Dazu stellte KRAFTHAND einige Fragen an Neofitos Arathymos, Geschäftsführer Technik, Sicherheit und Umwelt beim ZDK.

Herr Arathymos, gesetzt dem Fall: Die Werkstatt geht beim Flashen oder bei der Neuprogrammierung eines Steuergeräts zu 100 Prozent nach Herstellervorgaben vor. Trotzdem wird das Steuergerät ‚geschossen’. Wer haftet? Die Werkstatt oder der Fahrzeughersteller?

Im Rahmen der Euro-5- und Euro 6-Verordnung sind für die Programmierung von Steuergeräten bestimmte Rahmenbedingungen festgelegt worden: Kommunikationsstandards oder die Validierung von Kommunikationsgeräten (VCI). Damit sollen in der Vergangenheit aufgetretene Probleme minimiert werden. Beispielsweise wenn ein Steuergerät nach der Programmierung nicht mehr funktionierte.

Was heißt das konkret?

Moderne Steuergeräte haben einen grundlegend anderen Aufbau als ältere Steuergeräte. Früher wurde aus Mangel an Speicherplatz die Steuergerätesoftware direkt überschrieben. Bei Kommunikationsabbrüchen führte dies unmittelbar zu einer korrupten Software und damit zum Totalausfall. Heutige Steuergeräte sind in der Regel mit einem kleinen Startprogramm ausgestattet, dem sogenannten Bootloader. Dieser prüft vor dem eigentlichen Start des Steuergeräts, ob die Software intakt ist.

Ist dies nicht der Fall, springt das Steuergerät in den Programmiermodus und wartet auf die Programmierung. Dadurch werden Kommunikationsabbrüche abgefangen und das Steuergerät lässt sich erneut programmieren. Diese Punkte haben dazu geführt, dass bei den modernen Kraftfahrzeugen fast keine Steuergeräte mehr im Rahmen einer Programmierung ausfallen.

Es ist doch aber auch wichtig, dass Werkstätten zwingend Rahmenbedingungen einhalten, um Probleme bei der Programmierung zu vermeiden?

Ja. Im Besonderen sind hier zwei Punkte zu nennen. Erstens: Sie müssen Herstellersysteme verwenden. Dazu stellt der Fahrzeughersteller zur Programmierung von Steuergeräten über seine Webseite für den Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen eine Software (OEM SW) und alle relevanten Steuergerätedaten bereit. Die Software des Herstellers muss auf einem PC oder Laptop ordnungsgemäß installiert werden. Auch der Softwaretreiber (VCI SW) des Kommunikationsgeräteherstellers muss auf diesen Geräten installiert sein. Dies ist notwendig, um die Kommunikation mit dem Kraftfahrzeug zu ermöglichen. Die Daten zur Aktualisierung der Softwareversion befinden sich grundsätzlich entweder auf der Webseite des Herstellers oder auf dem PC/Laptop (Anmerk. d. Red: die Abbildung oben stellt das Prinzip dar).

Beim Euro-DFT vollzieht sich die Programmierung der Steuergeräte im Fahrzeug ausschließlich mit der Webseite des Herstellers, der Software des Herstellers (OEM-SW) sowie den Daten des Herstellers.

Skizze Softwareaktualisierung, ZDK
Prinzip zur Aktualisierung der Softwareversion.

Und was ist der zweite einzuhaltende Punkt?

Natürlich sind die Vorgaben des Herstellers zu beachten. Dazu zählen etwa, dass die Spannungsversorgung beim PC beziehungsweise Laptop sicherzustellen ist, da einige Programmierungen mehrere Stunden dauern können. Außerdem muss der Fahrzeug-Kommunikationsadapter (VCI) per Kabel an den Laptop angeschlossen werden. Bluetooth ist für eine Programmierung nicht erlaubt. Darüber hinaus sind alle elektronischen Verbindungen, zum Beispiel Diagnosestecker am Fahrzeug zum VCI und PC/Laptop, gegen Heraus- und Abfallen zu sichern. Weiterhin gilt: Bei der Programmierung muss ein geeignetes Batterieladegerät zum Einsatz kommen und es muss eine stabile Internetverbindung bestehen. Manche Hersteller schreiben eine kabelgebundene Internetanbindung des Laptops vor (Ethernet).