Oldtimer: Lotus Seven

Sportwagen zum Selberbasteln

Um die Verbrauchssteuern zu umgehen, bot Lotus den Seven als Bausatz an. Bild: Konstantinos Moraiti - stock.adobe.com

Mit dem Lotus Seven setzte Gründer Colin Chapman Ende der 50er Jahre seine Vorstellung vom effizienten Sportwagen um. Wer den auffälligen Flitzer erwerben und dabei Geld sparen wollte, konnte ihn selbst zusammenbauen.

Lotus-Gründer Colin Chapman setzte 1957 auf robuste einfache Technik, die er in ein so geringes Gewicht wie möglich verpackte. Komfort war hier Fehlanzeige. Stattdessen: keine Türen, kein Dach und keine Heizung. Die Windschutzscheibe hielt nur das Nötigste ab und der Innenraum war puristisch gestaltet. Um den dünnen Stahlrohrrahmen wand sich eine zarte Aluhaut, von der später Teile wie Schnauze und Kotflügel durch Fiberglas ersetzt wurden.

Der britische Roadster war nur 3,4 Meter lang, 1,55 Meter breit und 0,94 Meter hoch. Wer es schaffte, im engen Innenraum Platz zu nehmen und den Arm über die Karosserie hängen zu lassen, berührte mit der Hand den Asphalt. Die Bodenhaftung war von einer besonderen Art, aber charakteristisch für den Seven. Zudem hatte er einen Radstand von gerade mal 2,2 Meter und ein Leergewicht von 409 Kilogramm.

Dieses Exemplar wurde den Angaben zufolge im Jahr 2015 bei den 28. Oldtimer-Tagen Berlin-Brandenburg ausgestellt. Bild: Sergey Kohl – stock.adobe.com

Bei solchen Rahmenbedingungen war die Leistung des Motors nicht so wichtig und auch nicht besonders stark. Das erste Modell brachte es mit seinem 1,2 Liter großen Ford-Motor gerade mal auf 34 PS. Doch das änderte sich schnell, denn 1960 startete die Serie 2 mit dem beliebten Super Seven – basierend auf Ford-Cosworth-Motoren, die bis zu 1,5 Liter Hubraum hatten und bis 100 PS stark waren. In der Serie 3 ab 1968 leistete er mit einem 1.6-l-Lotus-Motor sogar 125 PS. Letztlich wurde in der wenig gefeierten Serie 4 ab 1970 die Karosserie stark geändert und vergrößert.

Bausatz mit Demontageanleitung

Der Seven war ein Sportwagen mit vielen Eigenheiten, bei denen eine besonders hervorstach: die Möglichkeit zum eigenständigen Zusammenbauen. Grund dafür waren die britischen Steuergesetze, die zur damaligen Zeit eine hohe Steuer beim Autokauf vorsahen. Um diese zu vermeiden, nutzten Automobilhersteller eine Gesetzeslücke, indem sie Fahrzeuge als Bausatz (sogenannte Kit-Cars) verkauften. Eine Montageanleitung durfte allerdings nicht dabei sein.

Der Lotus-Gründer umging das Problem, indem er dem Bausatz eine Demontageanleitung beilegte. So mussten die sparsamen Käufer die einzelnen Schritte also nur in umgekehrter Reihenfolge erledigen. Es war ein genialer Trick, der den Verkauf anheizte, aber auch gleichzeitig das Ende des Modells bedeutete. Denn als Großbritannien am 1. Januar 1973 der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beitrat, musste die Verbrauchersteuer durch die Mehrwertsteuer ersetzt werden. Der Steuervorteil war dahin, die Tage des Seven damit gezählt.

Bis dahin hatte der Autobauer rund 2.500 Einheiten (komplett vormontiert oder nur als Bausatz) produziert, aber längst nicht alle verkauft. So beendete Lotus die Ära der Kit-Cars und veräußerte das Modell und alles, was dazu gehörte, an den Vertragshändler Caterham Cars, der den Caterham Seven noch viele Jahre baute und modernisierte. Der stärkste Caterham Super Seven 2000 wurde von einem 2.0-l-Ford-Duratec-Motor angetrieben. Auch andere kleine Hersteller kopierten und interpretierten die Seven-Idee. Das wohl bekannteste Fahrzeug dieser Art ist der niederländische Donkervoort.

Wer heute einen originalen Lotus Super Seven sucht, muss mit rund 20.000 Euro rechnen. Als zuverlässig gilt er dank seiner einfachen Technik aber immer noch – und auffallen wird man im Super Seven überall und zu jeder Zeit.

Exklusive Einblicke

Die Experten der zentralen GTÜ-Klassikabteilung haben die Expertise für Klassiker aller Art und kennen die spannenden Aspekte jeder Historie. Krafthand veröffentlicht in loser Folge exklusive Einblicke in die umfangreiche Datenbank der Sachverständigenorganisation.

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