Noch ist der Datenhype mehr in den Köpfen als Realität

Torsten Schmidt, Chefredakteur der KRAFTHAND:

inzwischen dürfte jeder Betriebsinhaber etwas von der neuen Datenschutzverordnung gehört haben. Immerhin tritt diese schon am 25. Mai 2018 in Kraft und geht jeden Gewerbetreibenden etwas an. Entsprechend haben wir auf Seite 52 zusammengefasst, worum es dabei in der Hauptsache geht und was jeder Chef in seiner Firma checken sollte, um verordnungskonform zu sein.

Doch zurück zum Heute: Grundsätzlich ist es richtig, dass der Gesetzgeber versucht, beim Datenschutz mit den Entwicklungen unserer Zeit Schritt zu halten. Nur sind die gesetzlichen Grundlagen das eine und die Realität das andere. Wie lassen sich Verstöße gegen den Datenschutz nachweisen und effektiv ahnden? Ziemlich schwierig angesichts der Flut an Informationen, die sekündlich (schwer nachvollziehbar) von Rechner zu Rechner schwirrt.

Aber genau auf diesem massenhaften und fixen Datenaustausch sollen die Gewinne der Zukunft basieren – auch für die gesamte Automobilwirtschaft. Bewegungsprofile, Einkaufs- und Konsumverhalten, das alles ist bares Geld wert. Für die Werbewirtschaft. Für die Touristikunternehmen. Für die Gastronomie. Für den Einzel- und Großhandel. Für jeden, der Dienstleistungen und Waren anbietet. Also ebenso für die Kfz-Branche.

Auch wenn ich diese Thesen nicht anzweifle – etwa, weil einem beispiels weise online genau die Werbung für genau jene Themen ausgespielt wird, für die gerade Interesse besteht –, so frage ich mich immer wieder: Wann geht es denn jetzt endlich los, dass unsere Branche mit Daten Geld verdient? Also nicht nur mit bloßen Kontaktdaten und der Erlaubnis, Kunden anzurufen, um ihnen ein Service- oder anderes Angebot zu unterbreiten.

Eine brauchbare Antwort habe ich bis dato noch von niemandem bekommen. Zumal mir ein hochrangiger Manager eines großen und namhaften Teilezulieferers sagte: An die Daten von vernetzten Fahrzeugen kommen wir. Jetzt müssen wir überlegen, wie sich diese auch zu Geld machen lassen. Eine Aussage, die tief blicken lässt. Denn scheinbar ist es insbesondere für den freien Kfz-Reparaturmarkt nicht nur schwierig, an alle reparaturrelevanten Daten zu kommen, sondern auch aus Daten einen wirtschaftlichen Benefit zu ziehen.

torsten.schmidt@krafthand.de