Leseprobe aus dem achten Band der „Zu Ende denken“ – Reihe. Hier finden Sie einen kniffligen Werkstattfall aus der Rubrik Motor/Antrieb/Abgasanlage.

Motorstart mit Hindernissen

Aus Krafthand 22/2017

Vor einigen Wochen ließ ein Neukunde seine Alfa Romeo ­Giulietta (Baujahr 2015, Typ 940) in unsere Werkstatt schleppen. Die Beanstandung lautete: Der 1,4-l-TB-16V-Motor mit 88 kW springt nicht mehr an. Gleichfalls erzählte der Fahrzeugbesitzer unserem Servicetechniker, dass eine andere Werkstatt schon einige Tage vergeblich versucht hatte, das Fahrzeug wieder zum Laufen zu bringen. Nach dieser Aussage war uns klar, dass dieses Problem nicht im Vorbeigehen zu lösen sein würde.

Defektes Motorsteuergerät?

Nach den Auftragsformalitäten verkabelte der Servicetechniker den Wagen mit einem Diagnosegerät und las den Fehlerspeicher aus. Allerdings waren keine für uns hilfreichen oder verwertbaren Fehlercodes gespeichert. Deshalb demontierte der Fachmann die Zündkerzen und prüfte im Anschluss die Motorkompression. Die gemessenen Werte entsprachen den Herstellervorgaben, der Tacho zeigte auch erst eine Laufleistung von rund 15.000 km an.
Unser Kfz-Techniker prüfte anschließend den Turbolader auf eventuelle Undichtigkeiten sowie die Abgasanlage auf Durchlass. Jedoch war an diesen Bauteilen nichts zu beanstanden. Bei der weiteren Fehlersuche stellte der Servicetechniker fest, dass keine Zündspannung die Kerzen erreichte und deshalb auch kein Zündfunke entstand.
Um sicherzugehen, prüfte er noch die Verkabelung und Spannungsversorgung des Motorsteuergeräts sowie die Massepunkte. Hier war alles in Ordnung, deshalb vermutete er ein defektes Steuergerät. Durch den Quertausch eines Steuergeräts aus einem anderen Fahrzeug wurden wir allerdings eines Besseren belehrt – der Motor sprang jedenfalls nach wie vor nicht an.

Hotline kontaktiert

Da wir mit unserem Latein am Ende waren, rief unser Servicetechniker die Hotline des Fahrzeugherstellers an und schilderte die Problematik. Der Berater der Hotline hatte bereits nach kurzer Zeit die Lösung für uns parat: Beim 1,4-l-Benzinmotor der Giulietta ist ein Drehzahlsensor am Kurbelwellenrad und ein Sensor für die Position der Nockenwelle verbaut. Die beiden Sensoren sind laut Hotline-Mitarbeiter bei korrekten Steuerzeiten im Einklang. Der Alfa-Romeo-Techniker vermutete, dass der Zahnriemen übergesprungen sei und deshalb die beiden Sensoren nicht mehr miteinander harmonierten. Um den Motor vor Schäden zu schützen, wird deshalb kein Zündfunke mehr erzeugt. Für beide Parteien blieb jedoch unverständlich, dass der Fehler im Steuergerät nicht angezeigt und vom Diagnosetester erkannt wurde.
Nachdem wir auf Hinweis des Alfa-Romeo-Technikers den Nockenwellensensor vom Motorkabelbaum trennten und mehr als 15 Sekunden den Starter betätigten, sprang der Motor wieder an. Dabei war uns an der Motorlaufkultur sofort klar, dass die Steuerzeiten nicht stimmen konnten. Unser Mechatroniker erneuerte (nach Rücksprache mit dem Fahrzeughalter) den Zahnriemen. Nach der abschließenden Probefahrt übergaben wir die Giulietta wieder unserem Kunden.

Harald Heinel, Redwitz

 

Dieses Kapitel ist in folgendem Fachbuch erschienen:

Zu Ende denken Band 8

1. Auflage 2019, von Georg Blenk, 100 Seiten, zahlreiche Abbildungen,
19,95 Euro

 

Mit dem Titel Zu Ende denken Band 8 führt die Krafthand Medien GmbH die Sammlung kniffliger Problemfälle aus dem Werkstattalltag fort. Die spannendsten Leserzuschriften aus der Rubrik ‚Zu Ende denken‘ der letzten zwei KRAFTHAND-Jahrgänge sind dabei berücksichtigt. Jeder Problemfall ist einer Kategorie zugeordnet. Zum Auffinden von Einzelbegriffen und der Zuordnung zu entsprechenden Werkstattfällen dient ein umfangreiches Stichwortverzeichnis. Ergänzt wird der neue Band durch umfangreiche XXL-Fälle.

 

Rubriken:

• Elektrik/Elektronik
• Motor/Antrieb/Abgasanlage
• Bremse/Fahrwerk